Berlin-Tegel

Überfallener Juwelier schießt auf bewaffneten Räuber

Der Täter ging mit Schreckschusswaffe in das Geschäft. Der Juwelier griff zu einer Pistole, drückte ab und verletzte den Mann schwer.

"Goldankauf" steht an dem überfallenen Laden an der Berliner Straße in Tegel

"Goldankauf" steht an dem überfallenen Laden an der Berliner Straße in Tegel

Foto: Thomas Peise

Berlin. Bei einem gescheiterten Raubüberfall an der Berliner Straße in Tegel ist am Montag der mutmaßliche Räuber schwer verletzt worden. Er hatte offenbar nicht mit der heftigen Gegenwehr des Ladeninhabers gerechnet. Denn der 38-Jährige soll mehrere Schüsse aus einer Pistole abgegeben und den Tatverdächtigen im Oberkörper getroffen haben. Nun ermittelt die Polizei gegen den Räuber und gegen den Ladeninhaber, denn einen Waffenschein hatte Letzterer nicht.

Am Tag danach gibt es nur noch wenige Hinweise auf den Überfall vom Vorabend. Auf einem kleinen gelben Zettel an der Glastür steht lediglich „Heute geschlossen“. Die Auslagen im Schaufenster des Juweliers sind halb leer geräumt. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei betrat der 27 Jahre alte Räuber mit einer Schreckschusswaffe bewaffnet kurz vor 18 Uhr das Geschäft an der Berliner Straße.

Immer mehr Berliner beantragen den kleinen Waffenschein

Der Ladeninhaber zog sofort eine Pistole und schoss mehrfach auf den Mann. Der Tatverdächtige wurde in den Oberkörper getroffen, verließ den Laden und schleppte sich in eine etwa 600 Meter entfernte Apotheke, wo er schwer verletzt zusammenbrach. Dort wurde er vom Personal erstversorgt.

Es war nicht der erste Raubüberfall in der Straße

Der 27-Jährige musste später in einem Krankenhaus notoperiert werden und befindet sich außer Lebensgefahr. Der Mann wird von Polizisten bewacht, konnte aber bis zum Dienstagabend noch nicht zum Tathergang befragt werden. Bei ihm fanden die Polizisten eine Schreckschusswaffe, ein Messer sowie Kleidung zum Maskieren.

Neben dem mutmaßlichen Räuber wurde auch der Geschäftsinhaber am Dienstag vorläufig festgenommen, später aber wieder freigelassen. Weil der Mann keinen Waffenschein besaß, wird gegen ihn nun wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Auch gegen den Vater des Mannes ermittelt die Kriminalpolizei. In dem Verfahren geht es dann um Strafvereitelung, da der 58-jährige Vater die Tatwaffe zunächst versteckt und widersprüchliche Angaben zum Tathergang gemacht haben soll.

Juwelier: "Es ist ein gefährlicher Job"

Es ist unterdessen nicht der erste Raubüberfall in Reinickendorf in den vergangenen Wochen. Bereits am 20. Dezember war ein anderer Juwelier in derselben Straße überfallen worden. Der Ladeninhaber war von einem maskierten Täter kurz vor Feierabend mit einer Schusswaffe bedroht und niedergeschlagen worden. Der Räuber erbeutete damals Geld und Schmuckstücke. Bis heute steht der Ladeninhaber unter Schock. „Ich kann immer noch nicht darüber reden. Es ist schwer, wieder hier im Laden zu stehen“, sagte der 29-Jährige der Berliner Morgenpost.

Auch Manuel Ganno, der an der Berliner Straße das Geschäft „Juwelier Tegel“ betreibt, wurde bereits überfallen – damals vor zehn Jahren im Sommer in den Morgenstunden. „Da kommen böse Erinnerungen hoch“, sagt der 56-Jährige, der das 1959 gegründete Geschäft als Familienbetrieb führt. „Es ist ein gefährlicher Job.“ Er schüttelt den Kopf und senkt den Blick zu Boden. Man kenne sich in Tegel, sagt er. Eigentlich sei es eine ruhige Lage. Er habe viele Stammkunden, die immer wiederkommen.

Ebenfalls in derselben Straße betreibt Günter Melde seit 2001 sein Juwelier- und Goldschmiedegeschäft „Uhren Melde“. Er habe ein „mulmiges Gefühl“ und schließe nun immer schon eine Stunde früher. „Wir hatten es schon so oft, dass wir von Vorboten ausspioniert wurden“, erzählt er. Diese würden sich genau im Laden umschauen, alles auskundschaften. „Wir sind zum Glück noch nie überfallen worden, weil wir immer zu dritt oder viert im Laden sind“, sagt er. Was jedoch niemand bedenke: Mit jedem Überfall auf Juweliere und Goldschmiede steigen die Versicherungsprämien.

Geschäfte verzichten in den Auslagen auf wertvolle Stücke

Den selben Hinweis gibt auch Michael Grimm vom Geschäft „Gerald Denner“ an der Brunowstraße. „Wir zahlen mittlerweile 12.000 Euro Versicherung im Jahr und dazu noch die Miete. Wie sollen wir uns dann noch einen Sicherheitsdienst leisten“, fragt der 65-Jährige. Auf diese Weise würden Juweliergeschäfte und das Goldschmiedehandwerk „unrentabel“. „Es summiert sich einfach in letzter Zeit. Und es wird immer brutaler, aber eine Pistole kann man sich nicht hinlegen. Da bleibt einem dann nur der Alarmknopf“, sagt er. Wertvolle Einzelanfertigungen würden nicht mehr ausgelegt, sondern im Tresor oder Bankschließfach aufbewahrt.

Zuletzt hatten mehrere Überfälle am Kurfürstendamm für Schlagzeilen gesorgt. Der Luxus an Berlins bekanntester Einkaufsmeile verspricht offenbar leichte Beute. Mehrfach haben organisierte Banden, meist aus kriminellen arabischen Großfamilien, in der City West zugeschlagen. Kurz vor Weihnachten hatten drei Maskierte einen Edeljuwelier am Kudamm überfallen und einen Wachmann schwer verletzt.

Waffen müssen sicher aufbewahrt werden

Laut Allgemeiner Waffengesetz-Verordnung müssen Waffen und Munition getrennt voneinander und in Sicherheits-schränken aufbewahrt werden. Es ist nicht erlaubt, eine scharfe Waffe unter dem Ladentisch zu verstauen. Den Schlüssel zum Waffenschrank darf auch nur die Person mit dem Waffenschein haben.

Wer eine Waffe ohne entsprechende Berechtigung führt, macht sich strafbar. Wer Waffen in der Öffentlichkeit tragen will, benötigt eine gesonderte Erlaubnis. Die wird aber nur in Ausnahmefällen gewährt. Waffenschränke haben unterschiedliche Schutzklassen. Waffentyp, Munition und Anzahl sind ausschlaggebend dafür.

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