Rettungseinsatz

Innensenator verurteilt neue Attacke auf Sanitäter in Berlin

Die Besatzung eines Rettungswagens wurde in der Nacht mit Böllern angegriffen. Ein 37-Jähriger wollte auf einen Defibrillator pinkeln.

Diese Mitteilunng veröffentlichte die Berliner Feuerwehr am Sonnabend

Diese Mitteilunng veröffentlichte die Berliner Feuerwehr am Sonnabend

Foto: dpa/twitter.com/Berliner_Fw, Montage: BM

Erneut sind Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr angegriffen worden. Wie die Feuerwehr am Sonnabend via Twitter mitteilte, sei die Besatzung eines Rettungswagens in der Nacht zunächst mit Böllern attackiert worden. Dann seien die Einsatzkräfte beschimpft und bespuckt worden. Aus diesem Grund habe ein Patient erst verspätet behandelt werden können. Der Patient sei dennoch wohlauf.

Ein 37 Jahre alter Tatverdächtiger konnte von der Polizei festgenommen werden, sagte ein Polizeisprecher am Vormittag der Berliner Morgenpost. Demnach ereignete sich der Vorfall gegen 22.50 Uhr an der Waldemarstraße in Kreuzberg.

Die 28 und 29 Jahre alten Sanitäter waren wegen eines medizinischen Notfalls in die Waldemarstraße gerufen worden. Als sie aus dem Rettungswagen stiegen, warf der Mann zunächst die Böller.

Anschließend soll er versucht haben, auf einen abgestellten Defibrillator zu urinieren, was die Sanitäter verhindern konnten. Einem der Männer spuckte der 37-Jährige daraufhin ins Gesicht. Die Sanitäter fixierten den Angreifer und übergaben ihn herbeigerufenen Polizisten, die ihn in eine Gefangenensammelstelle brachten.

Der betrunkene Mann stimmte dort einer Wohnungsdurchsuchung zu. Dabei fanden Beamte mehrere illegale Böller. Die Polizei ermittelt nun, ob die geworfenen Böller auch verboten waren. Bei dem Mann wurden laut Polizeisprecher zudem Drogen entdeckt. Gegen ihn werde nur wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion ermittelt, so der Sprecher.

Innensenator Geisel: "Einsatzkräfte taugen nicht zum Feindbild"

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) verurteilte den Angriff "aufs Schärfste". "Es ist unfassbar, dass Menschen angegriffen werden, die uns zur Hilfe kommen", teilte Geisel auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. "Hier geht es um die Menschenleben der Feuerwehrleute und derer, die die Feuerwehr zur Hilfe rufen".

Der Senator forderte die Bürger auf, diese Form der Gewalt konsequent zu ächten und zu verurteilen. "Einsatzkräfte taugen nicht zum Feindbild. Sie helfen und beschützen uns". Die Justiz müsse die existierenden Gesetze jetzt voll ausschöpfen, sagte Geisel und verwies auf die im vergangenen Jahr beschlossene Anhebung des Strafmaßes für Angriffe auf Sanitäter und Polizisten.

GdP-Sprecher: "So wird mit Menschenleben gespielt"

Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sagte bei Twitter zu dem Vorfall: "Ein unfassbarer Zustand und mittlerweile auch keine Besonderheit mehr - Wir haben immer mehr Leute, die denken, sie können Einsatzkräfte folgenlos angreifen - Langsam sollten sich die Verantwortlichen mal überlegen, wie wir das ändern können - So wird mit Menschenleben gespielt".

Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) verurteilte den erneuten Angriff ebenfalls. Die Attacken auf die Rettungskräfte seien völlig unnachvollziehbar, sagte der Sprecher der DFeuG Berlin-Brandenburg, Micha Quäker, der Deutschen Presse-Agentur. Die Angriffe hätten in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen.

"Unsere Kräfte müssen geschützt werden", forderte Quäker. Die Regierung müsse die Justiz entsprechend ausstatten, dass sie die im vergangenen Jahr verschärften Gesetzen zu Angriffen auf Rettungskräfte auch durchsetzen könne. Außerdem seien in der Vergangenheit viele Verfahren gegen Angreifer wegen Geringfügigkeit eingestellt worden, kritisiert Quäker. "Das verstehe ich nicht, da besteht doch ein öffentliches Interesse!". Jeder könne schließlich in die Situation kommen, auf Sanitäter angewiesen zu sein.

SPD-Innenexperte Tom Schreiber schrieb bei Twitter: "Das ist nicht nur Widerlich, sondern das Letzte! Ich hoffe, dass der Täter ID-behandelt wurde & sich demnächst vor Gericht verantworten wird. Eine hohe vierstellige Geldbuße wäre der richtige Ansatz."

Angriffe auf Helfer auch in der Silvesternacht

Schon in der Silvesternacht und am Neujahrsmorgen waren in vielen deutschen Städten Helfer angegriffen worden - auch in Berlin. So war an der Rosmarinstraße in Mitte die Besatzung eines Rettungswagens von Unbekannten mit Schusswaffen bedroht worden.

In Lichtenrade war ein Feuerwehrmann bei einem Einsatz durch einen Faustschlag ins Gesicht verletzt worden, und in Charlottenburg erlitt ein weiterer Retter Verletzungen durch einen Feuerwerkskörper. Die Feuerwehr nannte die Zahl von acht Angriffen auf Einsatzkräfte und 57 Angriffen auf Einsatzfahrzeuge mit erheblichen Sachschäden.

Die Gewalt gegen Helfer hatte bundesweit Entsetzen und Bestürzung ausgelöst. Politiker und Gewerkschaftsfunktionäre von Polizei und Feuerwehr hatten daraufhin von einem inakzeptablen Werteverfall gesprochen.

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