Berlin

Häftlinge brechen mit Hammer und Flex aus JVA aus

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Vier Inhaftierte sind mit schwerem Werkzeug aus der JVA Plötzensee ausgebrochen. Ihre Flucht wurde zufällig gefilmt.

Berlin. Aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Plötzensee sind vier Inhaftierte entflohen. Die vier Männer sind durch ein Loch in der Gefängnismauer entkommen. Das teilte die Senatsverwaltung für Justiz am Donnerstag mit.

Die Männer hätten am Morgen zunächst ihren Dienst in einer auf dem Gelände der Haftanstalt gelegenen Werkstatt angetreten. Von dort aus seien sie an die Mauer gelangt und hätten dort den Betonpfeiler zwischen zwei Lüftungsspalten zerstört. Durch das schmale Loch seien die Gefangenen dann auf das Außengelände gelangt und hätten den Stacheldrahtzaun überwunden. Welche Werkzeuge oder Hilfsmittel die Männer benutzten, war zunächst unklar. Die Senatsjustizverwaltung veröffentlichte ein Foto, das zwei der Männer in dem Augenblick zeigt, wo sie durch das Loch klettern.

Die Männer zerschlugen in einem Heizungsraum zunächst den Betonmittelpfosten einer Lüftungsöffnung an der Außenmauer mit einem schweren Hammer, wie Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) und Anstaltsleiter Uwe Meyer-Odewald am Donnerstag mitteilten. Dann zersägten sie die Stahlträger unter dem Beton mit einem Trennschleifer. Schließlich zwängten sie sich durch die enge Öffnung ins Freie und krochen unter dem Außenzaun des Gefängnisses in die Freiheit.

Die Ausbrecher sind den Angaben zufolge zwischen 27 und 38 Jahre alt. Zwei von ihnen haben die deutsche Staatsangehörigkeit zwei weitere sind staatenlos. Alle wurden in diesem Jahr in die JVA Plötzensee verlegt. Sie saßen wegen Diebstahls, Diebstahls mit Waffen, Einbruchs und schwerer Körperverletzung. Zwei wären im September 2018 wieder entlassen worden, ein Häftling sollte eine Strafe bis Oktober 2020 verbüßen, der vierte bis März 2018. Danach war allerdings weitere Untersuchungshaft angeordnet. Sie arbeiteten am Morgen in einer Autowerkstatt, die auf dem Gefängnisgelände liegt und an den fraglichen Heizungsraum grenzt. Dort gelangten sie auch an die Werkzeuge. Wie sie allerdings in den laut Anstaltsleitung üblicherweise verschlossenen Heizungsraum gelangen konnten, sei noch unklar.

Kamera filmte die Aktion um 8.49 Uhr zufällig

Eine Kamera, die die Eingangspforte der Autowerkstatt überwacht, filmte nach Justizangaben die Aktion um 8.49 Uhr zufällig, weil das Bild im Hintergrund auch die Lüftungsöffnung erfasst. Gleichwohl wurde nach Angaben von Anstaltsleiter Meyer-Odewald erst gegen 9.30 Alarm ausgelöst.

Die Polizei hat die Männer zur Fahndung ausgeschrieben und sucht berlinweit nach ihnen. Ein Mitarbeiter eines Lebensmittelgroßhandels, der genau neben der JVA liegt, berichtete der Berliner Morgenpost, dass die Polizei gegen 9.30 Uhr mit einem Großaufgebot das Gebiet abgesucht habe. In der Nähe sind eine Kleingartenkolonie und ein Gewerbegebiet. Polizisten haben die Firmengelände durchsucht und Passanten befragt. Am Mittag war von dem Großaufgebot bereits nicht mehr viel zu sehen. Auch im unmittelbaren Gebiet um die JVA-Plötzensee waren keine Polizeikräfte mehr zu sehen.

40,4 Prozent aller Strafgefangenen haben ausländische Staatsbürgerschaft

In der Justizvollzugsanstalt Plötzensee sind derzeit 362 Personen inhaftiert. 102 von ihnen verbüßen eine Ersatzfreiheitsstrafe. Knapp 66 Prozent der Straftäter waren laut den Angaben bereits vorbestraft. Knapp 36 Prozent von ihnen hatten schon fünf bis zehn Vorstrafen verbüßt.

Knapp jeder vierte Strafgefangene (24,2 Prozent) war wegen Diebstahls und Unterschlagung verurteilt worden, 14 Prozent wegen Raub und Erpressung. Wegen Taten gegen die körperliche Unversehrtheit wie etwa Körperverletzung saßen 10,3 Prozent der Straftäter ein. 40,4 Prozent aller Strafgefangenen in Berlin besaßen eine ausländische Staatsbürgerschaft, wie das Amt weiter mitteilte.

Laut Justizverwaltung sind derzeit insgesamt knapp 4170 Menschen in Berliner Gefängnissen inhaftiert. Neben den Strafgefangenen sind es auch Untersuchungshäftlinge, die auf ihren Prozess warten oder deren Verhandlung gerade läuft, wo es aber noch kein Urteil gibt. In Berlin gibt es Sechs Justizvollzugsanstalten (JVA), eine Jugendstrafanstalt (JSA), eine Jugendarrestanstalt (JAA) und ein Justizvollzugskrankenhaus (in der JVA Plötzensee).

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( ad/dpa )