Prenzlauer Berg

Berliner Autofahrer greift Sanitäter im Einsatz an

Der Rettungswagen stand dem Mann im Weg, als Einsatzkräfte einen Schlaganfallpatienten behandelten - darum griff er einen Sanitäter an.

Ein Sanitäter wurde bei einem Einsatz von einem Unbekannten angegriffen (Archiv)

Ein Sanitäter wurde bei einem Einsatz von einem Unbekannten angegriffen (Archiv)

Foto: dpa

Berlin. Während eines Notarzteinsatzes am Montagabend in Prenzlauer Berg hat ein bislang noch unbekannter Mann einen Rettungssanitäter angegriffen und verletzt. Der Übergriff auf den Sanitäter ereignete sich gegen 20.45 Uhr an der Thomas-Mann-Straße. Wie die Berliner Feuerwehr mitteilte, waren ein Notarzt und ein Rettungsdienstmitarbeiter vom Malteser Hilfsdienst zu dem Einsatz ausgerückt, um einen Patienten mit Verdacht auf einen Schlaganfall zu behandeln.

Während der Notarzt bereits zu dem Patienten gegangen war, befand sich der Rettungssanitäter noch in dem Fahrzeug. Er wollte gerade dem Notarzt zu dem Patienten folgen. Laut Polizeiangaben habe ein Unbekannter in diesem Moment gegen die Seitenscheibe geklopft und den Sanitäter aufgefordert, den Einsatzwagen ein Stück zurückzusetzen. Der Mann gab an, er wolle mit seinem Fahrzeug ausparken. Nachdem der 47 Jahre alte Sanitäter das Fahrzeug ein Stück zurückgefahren hatte, riss der Unbekannte plötzlich die Fahrertür auf und schlug dem Mann mehrfach ins Gesicht. Der unbekannte Schläger konnte zu Fuß vom Tatort fliehen. Der Rettungssanitäter kam mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus, wo er ambulant versorgt wurde.

Die Verletzungen seien nicht so schwerwiegend, sagte ein Feuerwehrsprecher. Schlimmer würde für ihn aber das psychologische Problem wiegen, keine Erklärung für den Angriff aus dem Nichts zu finden, teilte der Sprecher mit. Die Feuerwehr hat Strafantrag wegen Körperverletzung gestellt.

Erst Anfang November hatte ein 23 Jahre alter Autofahrer einen Sanitäter während eines Einsatzes in Moabit bedroht und den Rettungswagen demoliert. Das Einsatzfahrzeug hatte einen parkenden Pkw blockiert, während ein Notarzt einen kleinen Jungen in einer Kita reanimierte. Das Verhalten des aggressi­ven Autofahrers sorgte bundesweit für Empörung in den sozialen Netzwerken.

Dem Mann droht auch der Führerscheinentzug

Nach Angaben eines Polizeisprechers wird aktuell noch gegen den Mann wegen Nötigung ermittelt. Eine Anhörung werde in den kommenden Tagen stattfinden. Zudem lässt die Polizei von der Führerscheinbehörde beim Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten prüfen, ob dem aggressiven Autofahrer wegen seines Verhaltens der Führerschein entzogen werden kann. Eine Entscheidung steht noch aus. Seit dem Frühjahr 2017 werden Sicherheits- und Rettungskräfte künftig durch neue Straftatbestände geschützt. Mit dem „Gesetz zur Stärkung des Schutzes von Vollstreckungsbeamten und Rettungskräften“ droht bei tätlichen Angriffen auf Polizisten, ermittelnde Staatsanwälte, Feldjäger und andere Sicherheitskräfte bis zu fünf Jahre Haft.

Ebenso geschützt werden jetzt auch hauptamtliche und ehrenamtliche Kräfte der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes und der Rettungsdienste. Ein zusätzlicher Straftatbestand der „Behinderung von Hilfe leistenden Personen“ wurde ebenfalls beschlossen.

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