Berlin-Reinickendorf

73-Jährige in Frohnau erstochen - Sohn festgenommen

In einer Villa ist eine Seniorin tot aufgefunden worden. Die Polizei nahm ihren Sohn fest. Er hatte die Beamten alarmiert.

Berlin. Es ist sehr ruhig in der Straße in Reinickendorf. Besonders um das Haus, das am Mittwoch Schauplatz eines Verbrechens wurde. Hin und wieder fährt ein Auto vorbei, Passanten begegnet man sehr selten. Das große, einst stattliche Haus wirkt unbewohnt, so als wären nach der schrecklichen Tat am 15. November alle ausgezogen. Gegen 15.20 Uhr hatten Polizeibeamte in dem Haus die Leiche der 73-jährigen Hausbesitzerin entdeckt. Ihr eigener Sohn hatte die Polizei alarmiert. Der 42-Jährige wurde als dringend tatverdächtig sofort festgenommen. Die Obduktion hat inzwischen ergeben, dass die Frau mit mehreren Messerstichen getötet wurde.

„Das ist so schrecklich. Ich habe das erst vorhin erfahren. Ich kann das noch gar nicht fassen“, sagte am Donnerstag eine direkte Nachbarin der getöteten Frau. Mehr als 40 Jahre wohnten die beiden fast nebeneinander. Doch trotz der langen Zeit hätten sie sich in der Regel nur gegrüßt. Selten hätten sie sich etwas länger unterhalten, seien privat geworden. „Sie war immer sehr nett. Eine wirklich sympathische Frau“, erinnert sich die Nachbarin. Fit sei sie noch für ihr Alter gewesen, habe oft im Garten gearbeitet.

Nur wenige kannten die Hausbesitzerin

Die Frohnauerin erzählt, dass die 73-Jährige mit ihrem Mann und zwei ihrer vier Söhne in dem Haus gelebt haben soll. Den Bereich unter dem Dach hätten sie untervermietet. „Ich glaube auch, dass der Sohn, der sie umgebracht haben soll, psychisch krank ist“, vermutet die Nachbarin. Die Ermittlungen zum Tatgeschehen und den Hintergründen der Tat dauern noch an. Nach Polizeiangaben soll der tatverdächtige 42-jährige Sohn nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz (PsychKG) untergebracht werden. Dieses Gesetz ermöglicht den Ermittlungsbehörden, psychisch kranke Menschen im Falle akuter Selbst- oder Fremdgefährdung gegen ihren Willen in einem psychiatrischen Fachkrankenhaus unterzubringen.

Die Siedlung scheint anonym zu sein. Nur wenige Meter von dem Haus entfernt, kennen einige Nachbarn die Verstorbene schon nicht mehr. Zwischen den gepflegten Gärten und Villen fällt das heruntergekommene Anwesen auf. Viele Passanten, die mit ihren Hunden durch den kleinen Park gegenüber laufen, kennen das Haus nur, weil es seit circa 20 Jahren renovierungsbedürftig aussieht und anscheinend ständig daran gearbeitet wurde. „Ach, das Haus, das fast auseinanderfällt?“, fragt eine Frau, „ja, das kenne ich, aber wer darin lebt, kann ich nicht sagen.“

Ein älterer Herr, der mit seinem Hund spazieren geht, beobachtet schon seit längerer Zeit das marode Gebäude. „Das verfällt nach und nach. An Weihnachten ist das ganze Haus aber immer schön beleuchtet. Überall sind Sterne“, erinnert er sich. Einige Sterne leuchten auch jetzt nach Anbruch der Dunkelheit. Die übrigen hätte die Hausbesitzerin wohl die nächsten Tage aufgehängt.

Gewaltverbrechen sind im ruhigen und beschaulichen Frohnau eher selten. Nach den aktuellsten Daten der Kriminalitätsstatistik sind 21 Fälle der gefährlichen Körperverletzung im Zeitraum von 2012 bis 2015 festgehalten, weniger als ein Fall auf 1000 Einwohner. Zum Vergleich: Im Bereich Tegel-Süd/Flughafensee waren es im gleichen Zeitraum 41 Delikte, 2,8 Fälle bei 1000 Einwohnern.

Im Märkischen Viertel sind 134 Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung aufgenommen worden, das entspricht 3,6 Fällen bei 1000 Einwohnern. Spitzenreiter bei gefährlicher Körperverletzung in Reinickendorf ist Heiligensee mit 51 Delikten, umgerechnt 4,9 Fälle auf 1000 Einwohner.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.