Kriminalität

Mindestens 16 Stolpersteine in Neukölln gestohlen

Sie sollen an Opfer der Nazi-Verbrechen erinnern. Doch immer wieder werden "Stolpersteine" aus dem Straßenpflaster gerissen. Der Staatsschutz ermittelt. Die Täter werden im rechten Milieu vermutet.

Ein Mann putzt in Berlin einen "Stolperstein".

Ein Mann putzt in Berlin einen "Stolperstein".

Foto: dpa

Berlin. In Berlin-Neukölln sind in den letzten Tagen mindestens 16 "Stolpersteine" gestohlen worden. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt, hat bisher jedoch keine Hinweise auf die Täter, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Bereits am Montagmorgen meldeten Passanten mehrere Steine als gestohlen, am Mittwoch gingen weitere Meldungen ein. In der Nacht zum Freitag wurde mindestens ein weiterer Gedenkstein in der Gretelstraße entfernt. Sieben Steine verschwanden allein in der Britzer Hufeisen-Siedlung. Sie war schon oft Ziel rechtsextremer Aktionen.

Der Initiator der "Stolpersteine", Gunter Demnig, sagte auf Anfrage, von den bisher weltweit rund 63 000 verlegten Steinen seien rund 600 gestohlen worden. Er vermute die Täter im rechten Milieu, wie beispielsweise 2012 in Greifswald.

Damals waren in der Nacht zum 9. November, dem Gedenktag an die Pogromnacht von 1938, in der Hansestadt zwölf Stolpersteine aus dem Boden gehebelt worden. An Metalldiebe wolle er auch in den Berliner Fällen nicht glauben: "Das Blech kostet gerade mal zehn Cent", sagte Demnig. Er wolle sich bemühen, die verschwundenen Steine schnell wieder zu ersetzen.

Die Steine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus, meist an in Konzentrationslager deportierte und ermordete Juden. Sie sind an vielen Orten in Gehwege eingelassen, direkt vor Häusern, in denen die verschleppten Menschen einst gewohnt haben.

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