Aus Auto

Unbekannte schießen auf Flüchtlingsunterkunft in Dahlem

Die Schüsse sollen aus einem Auto abgefeuert worden sein. Ein Zeuge erlitt einen Schock.

Die Flüchtlingsunterkunft an der Thielallee in Dahlem am Sonntag

Die Flüchtlingsunterkunft an der Thielallee in Dahlem am Sonntag

Foto: Steffen Pletl

In Dahlem haben am Sonnabendabend bislang unbekannte Täter aus einem Auto heraus auf die Flüchtlingsunterkunft an der Thielallee geschossen. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, hat ein 52 Jahre alter Passant die Tat beobachtet. Nach seinen Angaben fuhr ein Auto gegen 18 Uhr auf der Thielallee in Richtung Dahlemer Weg. Gegenüber der Flüchtlingsunterkunft in Höhe Altkircher Straße – eine Fußgängerdurchwegung – wurde der Wagen langsamer, und plötzlich wurden aus dem Fahrzeug heraus in Richtung des Wohnheims mehrere Schüsse aus zwei Waffen abgegeben. Die Entfernung von der Fahrbahn bis zum Haus, in dem derzeit mehr als 100 Flüchtlinge untergebracht sind, beträgt mehr als 25 Meter.

Auto soll mit vier Personen besetzt gewesen sein

Der Zeuge brachte seine Familie und sich aus Angst hinter einem geparkten Auto in Sicherheit. Nachdem der Wagen, der mit vier Personen besetzt gewesen sein soll, weggefahren war, ging der 52-Jährige zum Sicherheitsdienst der Unterkunft und bat einen Mitarbeiter, die Polizei zu alarmieren.

Eine anschließende Suche der Polizei nach dem Wagen verlief erfolglos. Der Passant erlitt einen Schock und musste noch vor Ort ambulant behandelt werden. Die alarmierte Polizei hatte unverzüglich mit einer weiträumigen Suche sowohl nach dem Tatfahrzeug als auch nach den Spuren der abgegebenen Schüsse begonnen. Während die Suche nach dem Fahrzeug erfolglos blieb, konnten die Beamten am Tatort mehrere Hülsen von Schreckschusspatronen sicherstellen. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei, die in diesem Fall eng mit dem polizeilichen Staatsschutz zusammenarbeitet, dauern an.

Zeugen berichten, dass es sich bei dem vermeintlichen Tatfahrzeug um einen VW älteren Datums gehandelt haben soll. Zudem wurden nach deren Angaben insgesamt sechs Schüsse abgefeuert. "So schnell wie sie da waren, sind sie auch in ihrem Fahrzeug geflüchtet", sagt ein Anwohner. Für einen dummen Jungenstreich hält er die Tat nicht. "Auch wenn es nur eine Schreckschusspistole war, heute sind es Platzpatronen und morgen tödliche Kugeln", sagt er weiter.

Schreckschusswaffen sind keinesfalls Spielzeuge und erschreckend gefährlich. Die oft täuschend echt aussehenden Waffen können sowohl mit Platzpatronen oder auch Gaspatronen betrieben werden. Werden Schüsse beispielsweise mit angesetzter Mündung oder aus wenigen Zentimetern Entfernung abgegeben, kann es sogar tödliche Verletzungen geben. Außerdem kann es zu massiven Hautverbrennungen und schweren Augenschäden bis hin zur Blindheit kommen, weil beim Abschuss der Waffe verbrannte und unverbrannte Pulverbestandteile herausgeschleudert werden. Eine Schussabgabe kann zudem zu einem Knalltrauma mit anschließender Taubheit führen.

In der aktuellen Berliner Kriminalitätsstatistik beziffert die Polizei die Zahl der Zuwanderer, die Opfer einer Straftat wurden, mit 2850 Personen im Jahr 2016. Die überwiegende Zahl, 2297, wurden Opfer einer Körperverletzung, 75 wurden Opfer einer Sexualstraftat und fünf Opfern wurde nach dem Leben getrachtet, wobei ein Asylbewerber getötet wurde.

In Berlin wohnen die Flüchtlinge derzeit in etwa 100 Unterkünften. Zahlreiche Turnhallen, die bislang als Provisorium für die Unterbringung der Flüchtlinge genutzt wurden werden derzeit saniert.

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