Friedrichshain

Randale an der Rigaer Straße - Vier Polizisten verletzt

40 bis 60 Randalierer zogen durch Friedrichshain. Vier Polizisten wurden verletzt. Ein Großaufgebot der Polizei beruhigte die Lage.

40 bis 60 vermummte Personen haben in der Nacht zum Sonnabend an der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain randaliert. Sie setzten Autos und Müllcontainer in Brand und attackierten Polizisten mit Flaschen, Steinen und Böllern.

Vier Polizisten wurden bei den Ausschreitungen verletzt, teilte die Polizei mit. Mit einem Großaufgebot beruhigten die Einsatzkräfte die Lage. Ein Polizeihubschrauber kam zum Einsatz und suchte mit einem Scheinwerfer die Umgebung ab.

Der Hubschrauber wurde mehrfach mit Laserpointern geblendet. Für diese Aktion gab es johlenden Beifall der randalierenden Menge. Auch Polizeihunde wurden von den Beamten eingesetzt.

Polizei nimmt vier Randalierer fest

Ein 22-Jähriger, der für die Blendung der Hubschrauberbesatzung verantwortlich gewesen sein soll, wurde festgenommen. Bei ihm fanden die Beamten neben einem Laserpointer außerdem eine Zwille mit mehreren Stahlkugeln, Pyrotechnik, ein Einhandmesser, Handschuhe und eine Sturmhaube. Der 22-Jährige wurde erkennungsdienstlich behandelt und kam anschließend auf freien Fuß.

Die Polizisten nahmen noch drei weitere Männer im Alter von 22, 23 und 29 Jahren fest, die in dringendem Verdacht stehen, zuvor an den Straftaten beteiligt gewesen zu sein. Den anderen Randalierern gelang die Flucht.

Laut Mitteilung der Berliner Feuerwehr brannten fünf Autos sowie mehrere als Barrikaden genutzte Müllcontainer. Zwei Personen wurden demnach ins Krankenhaus gebracht. Die Feuerwehrleute mussten teilweise unter Polizeischutz die Brände löschen.

Vermummte setzten Barrikaden in Brand

Wie die Polizei mitteilte, begannen die Ausschreitungen kurz nach Mitternacht, als die Vermummten Hindernisse auf die Kreuzung stellten und laute Musik abspielten. Kurz darauf setzten sie die Gegenstände in Brand.

Als die Polizei an der Rigaer Straße eintraf, wurden die Einsatzkräfte massiv mit Steinen, Flaschen, Pyrotechnik, bengalischen Feuern und weiteren Gegenständen beworfen. Zu diesem Zeitpunkt wuchs die Menge auf etwa 100 Personen an.

Fotos zeigen eingeschlagene Scheiben von geparkten Autos und Haustüren. Mülltonnen und Einkaufswagen wurden auf die Straße geschoben, um Barrikaden zu errichten. Außerdem wurden Straßenlaternen beschädigt. Gegen 1.15 Uhr war die Situation weitgehend beruhigt.

Viele Unterstützter der linksautonomen Szene

An der Rigaer Straße leben in einigen früher besetzten Häusern viele Unterstützer der linksautonomen Szene. Seit Jahren wird die Polizei dort immer wieder angegriffen.

Die Täter zünden Autos in der Nachbarschaft an, beschädigen Neubauten und bedrohen Anwohner, die sich gegen die Gewalt stellen. Zuletzt warfen Vermummte erneut Steine und andere Gegenstände auf Polizisten. Der alte Senat aus SPD und CDU bekam das Problem ebenso wenig in den Griff, wie bisher die neue Landesregierung aus SPD, Linken und Grünen.

Geisel verurteilt Gewalt und lobt Vorgehen der Polizei

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) verurteilte die Ausschreitungen scharf. Er sei fassungslos über das Ausmaß de Gewalt und lobte zugleich das Vorgehen der Polizei. "Die Einsatzkräfte haben hervorragend reagiert. Sie waren in kürzester Zeit vor Ort, konnten die Randale zügig unterbinden und Randalierer festnehmen", teilte Geisel mit. Dies sei ein klares Signal an die linksextremistische Szene. "Wir überlassen Kriminellen nicht die Stadt und nehmen deren Gewalteskalation nicht hin", so Geisel.

Der Innensenator appellierte auch an die Unterstützer der Krawalle: "Jeder der sieht, dass ein Hubschrauberpilot in einer dicht bewohnten Gegend mit einem Laserpointer geblendet wird, sollte sich klar machen, dass so ein Hubschrauber auch abstürzen kann und dass dabei Menschen sterben können." Applaus für solche Aktionen sei absurd und dumm. Den verletzten Polizisten wünschte Geisel gute Besserung.

Reaktionen: "Grenzenloser Wahnsinn", "miese Gewaltattacke"

Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) schrieb am Sonnabend zu dem Vorfall beim Kurznachrichtendienst Twitter: "Wie lange möchte man sich diesen grenzenlosen Wahnsinn noch ansehen? Irgendwann werden die Gewaltexzesse Menschenleben kosten." In einer weiteren Mitteilung der Gewerkschaft hieß es: "Das sind keine Kiezromantiker, sie wollen Polizisten sterben sehen." SPD-Innenexperte Tom Schreiber schrieb: "Es ist erschütternd!"

Der Berliner FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja twitterte: "Es ist unfassbar. Der Senat muss endlich eine Lösung finden, die Situation unter Kontrolle zu bekommen!"

Burkhard Dregger, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, sprach in einer Mitteilung von einer "nicht zu rechtfertigenden, miesen Gewaltattacke". Er forderte den Innensenator Geisel zu einer Erklärung auf, wie er die Gewalt in der Rigaer Straße "schnell, effektiv und dauerhaft" unterbinden will. Die Christdemokraten wollten am Sonnabend auf ihrem Landesparteitag ihren "Aktionsplan gegen linke Gewalt" beschließen.

Die AfD machte Geisel und seinen Amtsvorgänger Frank Henkel (CDU) für die Ausschreitungen verantwortlich. "Wer über Jahre rechtsfreie Räume duldet und nicht in der Lage ist, geltendes Recht durchzusetzen, vergeht sich an Berlin", sagte der AfD-Abgeordnete Karsten Woldeit.

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