Feuer in Neukölln

Familien-Van von Flüchtlingshelferin in Britz angezündet

In Britz hat in der Nacht ein Auto gebrannt. Der Wagen gehört einer Frau, die sich für Flüchtlinge engagiert.

Das Auto brannte vollständig aus

Das Auto brannte vollständig aus

Foto: Steffen Pletl

Erneut ist in der Hufeisensiedlung in Britz ein Auto angesteckt worden. In der Nacht zu Mittwoch zündeten Unbekannte einen Familien-Van an, der vor einem Haus stand. Nach Informationen der Berliner Morgenpost gehört das Auto einer Frau, die sich in der Flüchtlingshilfe engagiert. Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Bei dem Auto handelt es sich um einen Chrysler. Der Wagen war direkt zwischen einem Müllstandplatz und der Seitenfront eines Reihenhauses geparkt. Der Wagen brannte komplett aus. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf das Wohnhaus verhindern. Derzeit sind Spezialisten der Spurensicherung vor Ort. An dem Haus sind deutliche Rußspuren zu sehen. Die Täter hinterließen auch Schmierereien an dem Haus.

Giffey spricht von "feigem Anschlag"

Die 42 Jahre alte Besitzerin ist auch aktiv in der Bürgerinitiative „Hufeisern gegen Rechts“. Ihre Kinder sind in Kindergruppen der Neuköllner Falken, der Jugendorganisation der SPD. Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) verurteilte die Tat scharf: "Erneut gab es einen feigen Anschlag auf Menschen, die sich ehrenamtlich für unsere demokratische vielfältige Gesellschaft, für die Kinder- und Jugendarbeit und die Entwicklung unserer Stadt einsetzen. Es ist erschütternd. Die SPD Neukölln spricht ihre volle Solidarität aus und verurteilt die Tat auf das Schärfste.“

Auch Tim Haverland, Vorsitzender der Neuköllner Falken, fand klare Worte „Auch diesmal ist die Handschrift des Anschlags eindeutig rechtsextrem: Feige, nachts, gegen aktive Falken. Das Ziel der Nazis ist es, uns einzuschüchtern. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wir lassen nicht nach mit unserer Arbeit als Kinder- und Jugendverband, zeigt doch auch dieser Anschlag wieder wie wichtig sie ist.“

Mirjam Blumenthal, im Vorstand der SPD Neukölln und selbst schon Ziel eines rechtsextremen Brandanschlages gewesen, schrieb: „Es gibt nach jedem Anschlag viel Solidarität und es werden mehr Menschen aktiv. Doch das entlässt den Staat und die Polizei nicht aus der Verantwortung. In politische Bildung und Demokratiearbeit muss dringend mehr investiert werden. Die Polizei muss den Fahndungsdruck erhöhen, Demokraten schützen und endlich liefern.“

Serie rechtsextremistischer Straftaten in Neukölln

Es wäre nicht die erste politisch motivierter Tat dieser Art. Eine Serie rechtsextremistischer Straftaten im Berliner Bezirk Neukölln beunruhigt die rot-rot-grüne Landesregierung. Allein seit Oktober hat es Dutzende solcher Fälle gegeben. Innensenator Andreas Geisel hat deshalb Anfang dieses Jahres eine neue Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Unter anderem sei die Polizei beauftragt worden, im öffentlichen Straßenbild stärker präsent zu sein. "Ich werde nicht weiter hinnehmen, dass rechtsextreme Täter in den Kiezen ihr Unwesen treiben und gezielt Menschen angreifen, die den Mut besitzen, sich der Gewalt und den Einschüchterungsversuchen offensiv entgegenzustellen", sagte Geisel. Fünf Mitarbeiter werden in der Ermittlungsgruppe arbeiten.

Zuletzt waren in Neukölln mehrfach Autos angezündet worden, unter anderem das der SPD-Politikerin Mirjam Blumenthal und das eines Gewerkschafters und eines Buchhändlers, die sich öffentlich gegen Rechtspopulismus und Rassismus engagierten.

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