Gegen Verdrängung

Linke demonstrieren in Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln

Fast 1000 Teilnehmer kamen zu der Demo. Die Polizei spricht von teilweiser aggressiver Stimmung. Zwei Beamten wurden leicht verletzt.

Die linksautonome Szene ist am Sonnabendabend unter dem Motto "Interkiezionale Demonstration" durch Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln gezogen. Dabei ging es um Verdrängung in den Kiezen, gegen Investoren, den G-20-Gipfel und Polizeipräsenz. Auf Transparenten stand "Gegen die Stadt der Reichen" und "Investorenträume platzen lassen".

Die Stimmung war zwar teilweise aggressiv, einige Linksautonome warfen Böller oder Flaschen und zündeten Feuerwerkskörper. Ansonsten blieb es aber weitgehend friedlich und "störungsfrei", wie ein Polizeisprecher nach dem Ende des Zuges gegen 23 Uhr sagte. Zwei Polizisten wurden durch Knallkörper leicht verletzt.

Kurz vor 20 Uhr versammelten sich an der Ecke Eldenaer/Proskauer in Friedrichshain etwa 60 Personen. Laut Polizei hatte die Demonstration eine Privatperson angemeldet. Gegen 21 Uhr setzte sich der Zug dann mit etwa 300 Teilnehmern in Bewegung. Gegen 22.45 Uhr war die Teilnehmerzahl auf knapp 1000 angestiegen. Vor Beginn der Demo hatte es Personenkontrollen gegeben.

Spaßvögel stören Live-Schalte bei Linken-Demo

Vereinzelt wurden im Bereich der Rigaer Straße auf den Dächern Feuerwerkskörper und Leuchtfeuer gezündet sowie Flaschen geworfen. Die Polizei setzte 500 Einsatzkräfte ein.

Die Demonstranten zogen von Friedrichshain über die Oberbaumbrücke nach Kreuzberg und dann in Richtung Hermannplatz. Vorbei ging es dabei auch an linken Szeneobjekten wie der Rigaer Straße und den Kiezladen "Friedel 54" in Neukölln, der von der Schließung bedroht ist. Indirekt wurde vorab in einer Ankündigung im Internet auch zu gewalttätigen Aktionen aufgerufen: "Es gibt ohne Friedel keinen Frieden! Tanzt den Trümmertango mit uns am 22.04 und behaltet den Rhythmus in den folgenden Wochen", hieß es dort.

Die Polizei bot ein massives Aufgebot auf. Auch in den Seitenstraßen waren die Beamten präsent. Zum einen wurde befürchtet, dass die Demonstration ein Testlauf für den 1. Mai sein könnte. Zum anderen war es bei einer ähnlichen Demonstration im Juli vergangenen Jahres zu Ausschreitungen und Attacken auf die Polizei gekommen. Damals wurden mehr als 120 Beamte verletzt.

Wegen der Demonstration wurde die Tramlinie 21 rund um die Proskauer Straße umgeleitet. Die Linie 13 verkehrte zeitweise nicht zwischen Scharnweberstraße/Weichselstraße und Revaler Straße, auch auf der Linie 10 kam es zu Ausfällen. Gegen 22 Uhr fuhren alle Straßenbahnlinien wieder planmäßig.

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