Schillerburger

Brandanschlag gegen Burger-Kette im Szenekiez Neukölln

Im Schillerkiez brennen in der Nacht zwei Autos der Burgerkette Schillerburger, zwei weitere Autos brennen komplett aus.

Bislang unbekannte Täter haben einen Brandanschlag gegen eine Restaurantkette im Berliner Szenekiez Nord-Neukölln verübt. Sie zündeten in der Nacht zu Freitag zwei Autos der Imbisskette Schillerburger an der Herrfurthstraße an. Zwei weitere Wagen, die in der Nähe standen, fingen ebenfalls Feuer. An einem weiterenFahrzeug wurden an der Tür Brandspuren entdeckt.

Durch den Brandanschlag ist aber nicht nur die Burger-Kette betroffen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost gehört eines der Autos, das in der Nacht ausbrannte, einer Familie mit Kindern. Der mehrere Jahre alte Familien-Van stand nur rein zufällig neben den beiden angezündeten Smarts von Schillerburger.

Passant bemerkte Flammen und alarmiert Feuerwehr

Ein Passant hatte gegen 4.50 Uhr die Feuerwehr alarmiert, nachdem er die Flammen an den zwei hintereinander parkenden Smarts der Imbisskette gesehen hatte. Als die Feuerwehr eintraf, griff das Feuer bereits auf weitere Fahrzeuge über. Rettungsversuche scheiterten. Alle vier Wagen brannten aus.

Noch ist unklar, wer hinter der Tat steckt. Ein Bekennerschreiben wurde bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht veröffentlicht. Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der Polizei ermittelt. Es wird aber vermutet, dass die Täter aus der linksautonomen Szene kommen und der Angriff auf die Imbisskette ein gezielter gewesen sein könnte. Denn für viele Linke ist der Laden ein Symbol für die Gentrifizierung des Schillerkiezes. Inhaber Ali Cengiz betreibt in Berlin acht Burgerläden sowie mehrere Bäckereien. Die Imbisskette war schon vor fünf Jahren Ziel von Anschlägen durch Täter, die gewaltsam gegen die Veränderung der Stadt ankämpften. Zu diesem Anschlag bekannten sich damals im Internet Linksautonome.

Die Gegend um die Herrfurthstraße hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Seitdem der nahe gelegene Flughafen Tempelhof geschlossen wurde und die Fläche ein riesiges Freizeitgelände ist, wurde der sogenannte Schillerkiez immer beliebter. Junge Touristen bevölkerten die Kneipen, die Mieten stiegen heftig, und immer mehr neue Restaurants eröffneten. Gleichzeitig gibt es linke und linksradikale Stadtteilinitiativen, die sich gegen die Veränderung wehren.

Unterdessen blickt die Polizei sorgenvoll auf den morgigen Sonnabend. Die linksautonome Szene will dann unter dem Motto "Interkiezionale Demonstration" durch Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln ziehen. Das geht aus mehreren im Internet veröffentlichten Aufrufen hervor.

Nach Angaben der Polizei hat eine Privatperson die Demonstration für etwa 300 Teilnehmer angemeldet. Gerechnet wird mit mehreren Hundert Demonstranten. Denn bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass größere linksautonome Gruppen aus Berlin zum Protest gegen den AfD-Parteitag nach Köln reisen werden. Laut der linken Internetseite Indymedia beginnt die Demonstration an der Ecke Eldenaer/Proskauer Straße, führt über den Görlitzer Park, die Sonnenallee und endet am Hermannplatz.

Vorbei geht es dabei an linken Szeneobjekten wie der Rigaer Straße und dem Laden "Friedel 54" in Neukölln, der von Schließung bedroht ist. "Wir wünschen uns eine kraftvolle, entschlossene und lautstarke Demo, bei der auch Inhalte vermittelt werden sollen", heißt es auf Indymedia. Indirekt wird in einer Ankündigung im Internet auch zu gewalttätigen Aktionen aufgerufen: "Tanzt den Trümmertango mit uns am 22.04. und behaltet den Rhythmus in den folgenden Wochen."

Die Polizei hat ein massives Aufgebot angekündigt. Zum einen wird befürchtet, dass die Demonstration ein Testlauf für den 1. Mai sein könnte. Und zum anderen war es bei einer ähnlichen Demonstration im Juli vergangenen Jahres zu Ausschreitungen gekommen. Damals wurden mehr als 120 Polizisten verletzt.Wie die Aufwertung im Schillerkiez zu hohen Mieten führt

Weiteres Auto brennt in Friedrichsfelde

In Friedrichsfelde wurde ebenfalls in der Nacht zu Freitag ein Auto angezündet. Auch hier bemerkte ein Passant den Brand und alarmierte die Feuerwehr. Ein zufällig vorbeifahrender Taxifahrer hielt an und löschte die Flammen mit einem Feuerlöscher. Einen Zusammenhang mit den Brandanschlägen in Neukölln gibt es aber wohl nicht.

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