Gewalt

SEK-Einsatz in Flüchtlingsheim - Polizei nimmt Mann fest

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Rüdiger Finke
Noch bevor das SEK an dem Heim ankam, öffnete der Täter freiwillig die Tür und ließ sich festnehmen

Noch bevor das SEK an dem Heim ankam, öffnete der Täter freiwillig die Tür und ließ sich festnehmen

Foto: Steffen Pletl

In einem Flüchtlingsheim hatte sich nach einem Streit mit seinem Bruder ein Mann verschanzt. Ein Großaufgebot der Polizei war vor Ort.

Zu einem Großeinsatz ist die Polizei am Donnerstag in eine Flüchtlingsunterkunft in Heinersdorf ausgerückt. Ein Bewohner hatte einen anderen mit einem Messer verletzt, sich in einem Raum verbarrikadiert und damit gedroht, sich und jeden umzubringen, der sich ihm nähere. Der Mann konnte aber schließlich zur Aufgabe bewegt werden.

Zu den dramatischen Ereignissen in der Unterkunft an der Treskowstraße war es gegen 9.55 Uhr gekommen. Ein 20 Jahre alter Bewohner war mit mehreren anderen in einen Streit geraten. Die Situation eskalierte schnell, der Mann zog ein Messer und stach damit auf einen 21-Jährigen ein. Bei ihm handelt es sich um den Bruder des Täters. Der Mann wurde mit einer Stichverletzung in ein Krankenhaus gebracht. Worum es in dem Streit gegangen ist, blieb am Donnerstag zunächst unklar.

Der 20-Jährige flüchtete in ein Zimmer im hinteren Bereich des Gebäudes, wo er sich verschanzte. Die Polizei sperrte den Bereich rings um die Flüchtlingsunterkunft ab. Zeugen hatten gesehen, dass der Täter mindestens ein Messer dabei hatte, als er in den Raum geflüchtet war. Die Aufforderungen der Polizei, wieder herauszukommen, missachtete er. Stattdessen kündigte er an, sich umzubringen, falls jemand in das Zimmer eindringen sollte. „Außerdem drohte der Mann damit, auch jeden zu töten, der sich ihm nähere“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Um den Mann unversehrt und ohne Gefahr für andere festnehmen zu können, forderte die Einsatzleitung ein Spezialeinsatzkommando sowie speziell für solche Situationen geschulte Verhandler an.

Zunächst Geiselnahme vermutet

Da die Situation am Tatort zunächst unübersichtlich gewesen sei, wurden weitere Polizisten hinzugezogen. Wie die Polizei weiter mitteilte, waren insgesamt 70 Beamte an dem Einsatz beteiligt. Zunächst hatte aufgrund von Zeugenangaben auch der Verdacht bestanden, der 20-Jährige könne eine Geisel in seiner Gewalt haben. Erst nach einiger Zeit konnte dies mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Der Mann befand sich zwar allein, aber mit einem Messer bewaffnet in dem Raum.

Während die Spezialkräfte in der Treskowstraße eintrafen und sich auf eine mögliche Erstürmung des Zimmers vorbereiteten, gelang es jedoch anderen Beamten, den 20-Jährigen zu beruhigen und schließlich zur Aufgabe zu überreden. „Der Mann hat freiwillig die Tür geöffnet und sich gestellt“, sagte Polizeisprecher Neuendorf. Dann habe er jedoch einen Schwächeanfall erlitten und sei ebenfalls in ein Krankenhaus gebracht worden. Nun soll auch geklärt werden, ob der 20-Jährige an einer psychischen Störung leidet und eventuell in einer Betreuungseinrichtung untergebracht werden muss. Nach rund anderthalb Stunden hat die Polizei ihren Einsatz beenden können. Gegen 11.30 Uhr wurden die Sperrungen aufgehoben.

Das Flüchtlingsheim in der Treskowstraße kann rund 500 Menschen beherbergen und wird vom Unionhilfswerk betrieben.