Berlin

Durchsuchungen nach Rockermord

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Peter Oldenburger

Nach dem Tod von Dirk S. führt eine Spur zum Bauernhof eines „Hells Angels“-Angehörigen in Brandenburg

Knapp vier Monate nach dem Rockermord von Lichtenberg kommen die Ermittlungen der 4. Mordkommission offensichtlich voran. Im Visier der Ermittler steht dabei inzwischen auch ein Angehöriger der „Hells Angels“ aus dem Landkreis Barnim, der möglicherweise an dem Mord von Dirk S. beteiligt gewesen sein könnte. „Ein konkreter Verdachtsmoment dafür liegt derzeit jedoch nicht vor“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Sonnabend.

Nach Polizeiangaben haben zahlreiche Beamte am Donnerstag vergangener Woche auf Beschluss der Berliner Staatsanwaltschaft insgesamt drei Objekte durchsucht. Es handelte sich dabei um einen Bauernhof und ein angrenzendes Gebäude in der brandenburgischen Gemeinde Rüdnitz (Barnim) nördlich von Berlin. Außerdem wurde ein Rocker-Clubhaus in der Streustraße in Weißensee durchsucht, das nach Angaben des Landeskriminalsamtes (LKA) vom Hells Angels MC Potsdam betrieben wird, denen wiederum der Hells Angels MC East Area angehören würden. Die Beamten hätten bei den Durchsuchungsmaßnahmen Beweismittel sichergestellt, deren Auswertung derzeit noch andauern würde, teilte die Staatsanwaltschaft der Berliner Morgenpost auf Anfrage mit.

Der 28-jährige Rocker Dirk S. war am 26. August in der Kietzer Straße durch mehrere Schüsse tödlich verletzt worden, als er mit seiner Harley-Davidson die schmale Straße befuhr, die in Lichtenberg entlang einer Bahntrasse führt. Wie berichtet, gehörte Dirk S. der bis dahin in Berlin und dem Umland aufstrebenden Rockergruppe „Guerilla Nation MC Legion Ost“ an. Nur eine Woche nach der Ermordung löste sich diese Gruppierung auf, weitere vier Wochen später auch die übrig gebliebenen Charter, darunter auch der Guerilla Nation MC Berlin.

Nicht erst seither ist zu vermuten, dass der Hintergrund zu dem tödlichen Anschlag von Lichtenberg in Zusammenhang mit Revierkämpfen verfeindeter Rockerbanden stehen dürfte. Bisher konnte die für die Bekämpfung der Rockerkriminalität zuständige LKA-Abteilung 42 dies nicht nachweisen.

Opfer war vor dem Anschlag observiert worden

Die 4. Mordkommission weiß inzwischen, dass Dirk S. wenige Tage vor seinem Tod von mindestens zwei Personen ausspioniert worden war. Aus diesem Grund hatten die Ermittler am 28. November einen Fahndungsaufruf veröffentlicht – mit Bildern eines bärtigen Unbekannten, der in einem dunkelblauen Renault Megane Scenic sitzt. Das Auto trug das Kennzeichen B-LM 2894, das laut den Ermittlern jedoch nicht zu diesem Fahrzeug gehörte. Bis heute konnte der Pkw, dessen hintere Scheiben nachträglich getönt wurden, trotz intensiver Suche nicht ausfindig gemacht werden. Hinweise zu dem Auto und dessen Fahrer nimmt die Polizei, weiterhin auch vertraulich, unter der Berliner Telefonnummer (030) 4664 - 911 444 entgegen.