Bus in Berlin beschossen

Schuss knallt in Scheibe eines BVG-Busses mit Fahrgästen

Gegen 21.20 Uhr knallte offenbar ein Schuss gegen die Scheibe der Fahrertür. Es ist nur der jüngste in einer Reihe von Fällen.

Ein Doppeldeckerbus der BVG fährt durch Berlin (Archivbild)

Ein Doppeldeckerbus der BVG fährt durch Berlin (Archivbild)

Foto: Rundfunk Berlin-Brandenburg

Rätselhafter Angriff auf einen Linienbus: Ein Unbekannter hat möglicherweise einen Schuss auf ein Fahrzeug der BVG in Niederschönhausen abgefeuert. Eine Scheibe wurde beschädigt, der Fahrer steht unter Schock. Die Hintergründe sind noch völlig unklar. Es ist bereits die dritte Attacke auf Busse in den vergangenen sechs Wochen.

Der neuerliche Vorfall ereignete sich am Sonnabendabend. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, hatte der 61 Jahre alte Fahrer eines Busses der Linie 250 gegen 21.20 Uhr die Polizei alarmiert. Sein Bus sei gerade beschossen worden, meldete der schockierte BVG-Mitarbeiter. „Der Mann stand deutlich unter dem Eindruck des Geschehens“, teilte die Polizei weiter mit.

Der Fahrer schilderte den Beamten, er habe an der Haltestelle Bürgerpark in der Grabbeallee gehalten. Fahrgäste sollten dort aussteigen. Nach den Aussagen des 61-Jährigen hatte er dann ein Schussgeräusch gehört. „Er ist überzeugt, dass es sich um einen Schuss handelte“, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag weiter. Zwei Fahrgäste bestätigten später in ihren Aussagen gegenüber den Ermittlern diese Angaben. „Auch die beiden Fahrgäste behaupten, es habe sich um das Geräusch eines Schusses gehandelt“, berichtete die Polizei weiter.

Nach dem lauten Knall entdeckte der 61-Jährige, dass die Scheibe der Fahrertür seines Busses beschädigt war. Die Scheibe ist zwar gesplittert, es sind jedoch keine Splitter herausgefallen. Das Glas befindet sich noch im Rahmen. Auch ein Loch ist nicht vorhanden. Weder ein Projektil noch ein anderer Gegenstand hat die Scheibe durchschlagen.

Dies macht die Ermittlungen für die Polizei derzeit schwierig. Zur Spurensicherung wurde der Bereich rings um den Bus am Abend gründlich abgesucht. Dies wurde jedoch durch die Dunkelheit erschwert. Da die Beamten weder ein Projektil noch einen anderen Gegenstand gefunden haben, der möglicherweise gegen die Scheibe geprallt sein könnte, stehen die Untersuchungen der Kriminalpolizei noch ganz am Anfang.

Polizei hofft für Aufklärung der Tat auf Zeugenhinweise

Derzeit kann daher nur spekuliert werden, was geschehen sein könnte. Als möglich wird erachtet, dass jemand mit einem Luftgewehr oder einer anderen Luftdruckwaffe auf den Linienbus gefeuert haben könnte. Nicht auszuschließen ist auch ein Schuss mit einer Zwille, bei dem eine Stahlkugel, eine Schraube oder ein Stein auf das Fahrzeug abgefeuert worden sein könnte. Eventuell hat der Täter auch mit einem Stein oder einem anderen harten Gegenstand auf den Bus geworfen.

Um den Fall aufklären zu können, hofft die Polizei auch auf Aussagen von möglichen Zeugen, die sich zur Tatzeit kurz nach 21 Uhr im Bereich der Haltestelle Bürgerpark in der Grabbeallee aufgehalten haben. Der Busfahrer hatte den Ermittlern noch am Abend berichtet, ihm sei ein Auto aufgefallen, das sich während des Vorfalls schräg neben dem Bus befunden habe und dann weggefahren sei. „Diesen Angaben gehen wir nun nach. Die Informationen fließen in die Ermittlungen ein“, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag.

Ermittelt wird wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Von den Fahrgästen hat niemand eine Verletzung davongetragen. Auch der Busfahrer blieb körperlich unversehrt.

Unklar ist bisher, ob ein Zusammenhang mit einem anderen Angriff auf einen Linienbus besteht, der sich vor vier Wochen ereignet hat. Dabei ist eine Seitenscheibe eines Busses der Linie 142 in Friedrichshain beschädigt worden. Der 51-jährige Fahrer hatte gegen 17.20 Uhr an der Ecke Andreas- und Singerstraße einen lauten Knall gehört. Im Bereich der getroffenen Scheibe hatten vier Menschen gesessen. Von ihnen ist jedoch niemand verletzt worden. Auch in diesem Fall hat die Polizei bei der Absuche des Tatortes kein Projektil oder einen anderen abgefeuerten Gegenstand gefunden.

Zwei Wochen zuvor hatte ein Spezialeinsatzkommando die Wohnung eines 18-Jährigen in der Karl-Liebknecht-Straße in Mitte gestürmt. Der dort Festgenommene gab zu, am Abend zuvor von seinem Balkon aus mit einem Luftgewehr mehrere Schüsse abgegeben zu haben. Sechs davon trafen Scheiben eines Busses der Linie 100 auf dem Alexanderplatz. Die Kugeln durchschlugen die Scheiben nicht, niemand wurde verletzt.

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