Charlottenburg

Großrazzia der Bundespolizei gegen rumänische Taschendiebe

Die Bundespolizei hat eine rumänische Bande im Visier, die durch ganz Europa reist. Durchsucht wurden ein Hotel und eine Shisha-Bar.

Einsatzkräfte der Bundespolizei und des Zolls in Charlottenburg

Einsatzkräfte der Bundespolizei und des Zolls in Charlottenburg

Foto: Paul Zinken/dpa

Sie arbeiteten höchst professionell und in wechselnden Zusammensetzungen: Monatelang ist eine Bande rumänischer Taschendiebe in allen großen Berliner Bahnhöfen auf Beutezug gegangen. Nach langwierigen Ermittlungen haben Bundespolizei und Staatsanwaltschaft die Bande gesprengt.

Während einer Großrazzia mit mehreren Hundert Beamten in Charlottenburg sowie parallel laufenden Einsätzen in Rumänien und an der deutsch-tschechischen Grenze sind am Donnerstag insgesamt elf Haftbefehle vollstreckt worden. Gegen sechs weitere Verdächtige liegen Haftbefehle vor. Nach den Männern wird europaweit gefahndet.

Seit weit mehr als einem Jahr war die Bande in Berlin aktiv. Im Juli vergangenen Jahres erkannten die Beamten der Ermittlungsgruppe „Tasche“ der Bundespolizei Zusammenhänge und leiteten umfangreiche Ermittlungen ein, wie ein Sprecher am Donnerstag mitteilte. In akribischer Kleinarbeit wurden Beweise gegen die Verdächtigen gesammelt. Sie kommen alle aus dem Süden Rumäniens. Von der 300.000-Einwohner-Stadt Craiova aus steuerten die Hintermänner die Beutezüge über Berliner Bahnhöfe, aber auch durch andere westeuropäische Städte.

Vor wenigen Wochen verdichteten sich die Beweise gegen die Bande. „Den Fahndern und Ermittlern gelang es, 44 Beschuldigte namhaft zu machen und 197 Taten zuzuordnen“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Allein bei diesen Diebstählen sollen die Täter Beute in Höhe von rund 150.000 Euro gemacht haben. Die tatsächliche Zahl der Diebstähle und die Höhe der Beute dürfte jedoch um einiges größer sein. Oft erstatten Opfer gar keine Anzeige, weil sie denken, sie hätten ihre Geldbörse oder Brieftasche verloren. In vielen Fällen wird der Diebstahl auch erst einige Zeit später bemerkt, sodass der Ort gar nicht mehr feststellbar ist.

Beute wird schnell an Komplizen weitergegeben

Die Täter haben zumeist mit dem sogenannten Rolltreppentrick gearbeitet. Dabei wird nach vermeintlich lohnenden Opfern Ausschau gehalten. Fährt der Mann oder die Frau dann auf einer Rolltreppe, drückt eines der Bandenmitglieder den Notschalter. Wenn die Rolltreppe ruckartig zum Stehen kommt, nutzt ein Komplize die überraschende Situation und greift in die Tasche des Opfers. Die Beute verschwindet blitzschnell in den Händen eines weiteren Täters, der das Weite sucht.

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In Berlin sollen die 18 bis 45 Jahre alten Diebe außer auf dem Hauptbahnhof vorwiegend auch auf den Bahnhöfen Charlottenburg, Zoologischer Garten, Friedrichstraße und Alexanderplatz zugeschlagen haben. Nach den Ermittlungen der Polizei leiteten die Täter das gestohlene Geld am Ende eines „Arbeitstages“ umgehend nach Craiova weiter. Die anonymen Bargeldtransfers gehen oft über Büros etwa der Western Union Bank über die Bühne.

Nachdem ein großer Teil der mutmaßlichen Bandenmitglieder identifiziert war, wurde in Kooperation mit den rumänischen Behörden und Europol zum entscheidenden Schlag ausgeholt. Die Staatsanwaltschaft erwirkte 17 Haftbefehle. Donnerstagmorgen gegen 8.15 Uhr legten die Fahnder los. Nach Polizeiangaben waren 233 Beamte im Einsatz, darunter auch Mitarbeiter des Zolls. An der Kaiser-Friedrich-Straße durchsuchten sie zwei Bars sowie Zimmer in einem kleinen Hotel, in dem die Verdächtigen übernachteten. Spezialisten brachen die Türen auf. Ein gesuchter 25-Jähriger wurde festgenommen, gestohlene Ausweise und Geldbörsen sichergestellt.

Bei zeitgleichen Einsätzen fasste die Polizei drei Männer an der deutsch-tschechischen Grenze. Rumänische Beamte nahmen fünf Gesuchte fest, ein weiterer saß dort bereits im Gefängnis. Auch in Berlin war einer der Männer wegen einer anderen Tat in Haft. „Durch ihre Taten schädigen die Beschuldigten nicht nur jedes einzelne Opfer, sondern auch den Ruf Berlins als touristisch attraktive Großstadt“, sagte der Präsident der Bundespolizeidirektion Berlin, Thomas Striethörster. Er kündigte an, es werde auch zukünftig gegen diese Banden vorgegangen und der Fokus „auf die Hintermänner gelegt, um nachhaltig diese Kriminalitätsform zu bekämpfen“.

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