Berlin-Marzahn

Schweinekopf mit Hetzparolen auf Flüchtlingsheim geworfen

Angriff auf Flüchtlingsheim: Am Schweinekopf befestigt war ein Transparent mit Hetzparolen. Der Staatsschutz ermittelt.

Das Flüchtlingsheim in der Glambecker Straße

Das Flüchtlingsheim in der Glambecker Straße

Foto: Steffen Pletl

Einen volksverhetzenden Übergriff haben unbekannte Täter an einer Flüchtlingsunterkunft in Marzahn begangen. Sie schleuderten in der Nacht zum Donnerstag einen Schweinekopf auf das Gelände am Glambecker Ring. Daran befand sich eine fremdenfeindliche Parole. Das Heim wird vorwiegend von Menschen muslimischen Glaubens bewohnt. Die meisten Muslime essen kein Schweinefleisch, weil es als unrein gilt. Die Abteilung Staatsschutz der Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen.

Nach Angaben der Polizei vom Donnerstag wurde der Schweinekopf kurz nach Mitternacht entdeckt. Demnach sei der Schweinekopf gegart gewesen. Daran befand sich ein Schild aus Pappe, auf dem sinngemäß stand, ganz Marzahn hasse die Bewohner der Unterkunft. Die notbelegte Erstaufnahmeeinrichtung wird vom Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) Berlin-Brandenburg betrieben. Während des Vorfalls sei zu keiner Zeit eine Bewohnerin oder ein Bewohner gefährdet gewesen, wie Petra Densborn, Gesamtleiterin des CJD Berlin-Brandenburg, mitteilte. Die Sicherheitsfirma habe den Übergriff sofort bemerkt und die entsprechenden Maßnahmen mit der Polizei eingeleitet. Die Ermittler haben noch keine Spur von den Tätern.

„Dieser Vorfall stößt bei uns auf Entsetzen und Unverständnis. Wir verurteilen ihn aufs Schärfste“, betonte Petra Densborn. „Wir bedauern es sehr, dass es zu fremdenfeindlichen Übergriffen auf diese Unterkunft kommt“, führte sie weiter aus. Absolute Priorität habe nun, auf die Bewohnerinnen und Bewohner der Flüchtlingsunterkunft und deren Emotionen nach einem solchen Vorfall einzugehen.

Betreiber und Bezirk wollen Sicherheit gewährleisten

„Wichtig ist uns, ihnen zu signalisieren, dass sie bei uns willkommen sind und wir alles für ihre Sicherheit in der Einrichtung und ihre Integration in das Gemeinwesen tun“, sagte sie. Gemeinsam mit dem Bezirk sei es das Bestreben des CJD, dafür zu sorgen, dass die geflüchteten Menschen in der Einrichtung weiterhin Unterstützung, Schutz und Geborgenheit erführen“, ergänzte Petra Densborn.

Die Erstaufnahmeeinrichtung ist in der Vergangenheit bereits mehrfach Ziel fremdenfeindlicher Übergriffe gewesen. Zuletzt war Ende April dieses Jahres eine Fensterscheibe mit einem Pflasterstein eingeworfen worden. Das Wurfgeschoss landete nachts gegen 2 Uhr mitten in einem Zimmer, in dem sich vier Menschen aufhielten. Verletzte gab es nicht. Zeugen wollen eine sechsköpfige Personengruppe gesehen haben, aus der heraus der Pflasterstein geworfen worden sein soll. Außerdem wurden fremdenfeindliche Parolen skandiert.

Ende Januar waren vor der Unterkunft mehrere Schüsse abgegeben worden. Nach den Angaben eines dort wohnenden Flüchtlings waren die Täter mit einem Auto vorgefahren. Der Beifahrer beugte sich demnach aus dem Fenster und schoss mit einer Pistole in die Luft, dann raste der Fahrer davon. Bei der Waffe handelte es sich um eine Schreckschusspistole, wie anhand von Patronenhülsen am Tatort festgestellt wurde.

Viele rechtsextremistische Taten in Marzahn-Hellersdorf

In allen Fällen besteht der Verdacht, dass die Täter aus dem rechtsextremistischen Milieu kommen. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf gehört neben Mitte und Tempelhof-Schöneberg zu den Bereichen mit dem höchsten Aufkommen an politisch motivierten Straftaten durch mutmaßlich rechtsextreme Täter. In der ersten Jahreshälfte wurden in Marzahn-Hellersdorf 68 entsprechende Taten begangen, wie aus der Polizeistatistik hervorgeht. In Mitte gab es demnach 131 Fälle, in Tempelhof-Schöneberg 94. Berlinweit wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 695 Straftaten begangen, die dem rechtsradikalen Milieu zugerechnet werden, gegenüber 739 Fällen im gleichen Zeitraum des Jahres 2015. Laut Polizeistatistik waren darunter 73 Gewaltdelikte, drei mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

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