Jungfernheide

Geldautomat am U-Bahnhof Jungfernheide gesprengt

Am U-Bahnhof Jungfernheide haben zwei Unbekannte einen Geldautomaten gesprengt. Der U-Bahnhof war bis etwa 13 Uhr gesperrt.

Die Einzelteile des Geldautomaten flogen durch den U-Bahnhof

Die Einzelteile des Geldautomaten flogen durch den U-Bahnhof

Foto: Steffen Pletl

Unbekannte Täter haben in der Nacht zum Mittwoch auf dem U-Bahnhof Jungfernheide in Charlottenburg einen Geldautomaten gesprengt. Das Gerät wurde vollkommen zerstört. Die Täter entkamen nach Polizeiangaben ohne Geld. Bis zum Mittag hielten die Züge der U-Bahnlinie 7 nicht auf dem Bahnhof, was besonders während des Berufsverkehrs zu großen Behinderungen führte.

Gegen 3 Uhr Mittwoch früh hatten mehrere Zeugen einen ohrenbetäubenden Knall aus dem U-Bahnhof gehört. Wenig später wurden zwei Personen gesehen, die von dort wegrannten. Wie ein Sprecher der Polizei am Mittwoch weiter mitteilte, stellten eintreffende Beamte einer Streife fest, dass es die Unbekannten auf den Geldautomaten abgesehen hatten. Die Explosion war so heftig, dass das Gerät auseinandergerissen wurde. Lediglich der Tresor im Inneren blieb weitgehend intakt.

Täter leiten Gasgemisch in den Automaten

Trümmerteile lagen im gesamten Eingangsbereich des U-Bahnhofs verteilt. Von mehreren Geschäften sind auch die Scheiben durch die Druckwelle oder umherfliegende Teile demoliert worden. In der Nähe des Bahnhofs lag ein Einkaufstrolley, in dem sich zwei Gasflaschen befanden. Vermutlich hatten die Täter das Gas in den Geldautomaten geleitet und dann zur Explosion gebracht. Dies ist ein häufiges Vorgehen bei der Sprengung von Geldautomaten, wie sie in Berlin und Brandenburg immer wieder vorkommen.

Die Züge der U-Bahnlinie 7 durften während der Spurensicherung durch die Polizei im Bahnhof Jungfernheide nicht mehr halten. Während des Einsatzes musste ein Ausgang gesperrt werden. Die Vorschriften besagen jedoch, dass die Benutzung eines U-Bahnhofs nur dann erlaubt ist, wenn zwei Ein- und Ausgänge zur Verfügung stehen. Nachdem die Trümmer und die Reste des Geldautomaten beseitigt worden waren, hielten die Bahnen ab kurz vor 13 Uhr wieder. Der S-Bahnverkehr war zuvor von der Sperrung nicht betroffen.

Viele Taschendiebstähle in den U-Bahnstationen

Solch spektakuläre Straftaten sind in den Berliner U-Bahnhöfen die Ausnahme. In erster Linie ereignen sich dort Diebstähle und Betrugsfälle. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres verzeichnete die Polizei auf den 173 U-Bahnhöfen der BVG 15.079 Delikte. Dies geht aus den Antworten auf eine kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Björn Eggert hervor. Darin hat die Innenverwaltung detailliert das Straftatenaufkommen im Berliner Untergrund aufgelistet. „Viele Bürger klagen in meinen Sprechstunden darüber, dass sie besonders in den Abendstunden Angst haben, die U-Bahn zu benutzen“, nannte der Parlamentarier als Anlass für die Anfrage.

Die höchste Kriminalitätsbelastung hat den Behördenangaben zufolge der U-Bahnhof Alexanderplatz. 722 Straftaten wurden dort von Januar bis Juni dieses Jahres angezeigt. Wobei mit 422 mehr als die Hälfte der Taten Taschen- und Ladendiebstähle waren. Als weitere Brennpunkte der Kriminalität folgen die Bahnhöfe Kottbusser Tor mit 700 Fällen, Hermannplatz (437), Osloer Straße (358) und Zoologischer Garten (331). Auch an diesen Plätzen hat die Diebstahlskriminalität den größten Anteil. Im Bahnhof Jungfernheide gab es 64 Taten. Ein Hort der Sicherheit ist der Bahnhof Bundestag. Dort wurde keine Straftat begangen.

„Diese Taten geschehen, obwohl schon seit dem Jahr 2013 alle U-Bahnhöfe videoüberwacht sind. Eine Forderung nach mehr Kameras ist daher sinnlos und populistisch“, sagte der SPD-Familienpolitiker Eggert.

Der öffentliche Personennahverkehr dürfe nicht zum rechtsfreien Raum werden. Nur mehr Personal bei der Polizei helfe gegen die Kriminalität. Doppelstreifen von uniformierten Polizisten mit BVG-Sicherheitspersonal sieht Eggert als sinnvolles Mittel an, um für mehr Sicherheit zu sorgen.

„Präsenz mit Sicherheitspersonal zu zeigen, hilft und gibt vielen Menschen ein gutes Gefühl“, sagte auch BVG-Sprecherin Petra Reetz. Die Doppelstreifen, die es bis 2003 gab und seitdem noch bei gemeinsamen Schwerpunkteinsätzen, seien von den Kunden immer wieder gelobt worden. „Aber auch Kameras schrecken Straftäter ab“, sagte Petra Reetz. Allerdings sei die Zahl der Straftaten in Berliner U-Bahnen im Verhältnis zum Fahrgastaufkommen nicht sehr hoch. Bei den U-Bahnhöfen mit dem höchsten Straftatenaufkommen handele es sich um die Stationen mit den meisten Fahrgästen. „Die absoluten Zahlen bedeuten daher nicht, dass es dort gefährlicher ist als anderswo“, betonte die BVG-Sprecherin. Sie wies darauf hin, dass auf allen Bahnsteigen zwei Notruf-Säulen stehen: „Darüber kann bei Notfällen immer schnell Hilfe geholt werden.“