Nach Polizeieinsatz

Brennende Autos und Steinwürfe - Randale in Berlin

| Lesedauer: 4 Minuten
In der Glaßbrennerstraße in Pankow brannte ein Auto

In der Glaßbrennerstraße in Pankow brannte ein Auto

Foto: schroeder

Zerstörte Bushaltestestelle, brennende Autos und Farbbeutel: Nach dem Polizeieinsatz in der Rigaer Straße ist es zu Randalen gekommen.

Nach einem Polizeieinsatz in einem ehemals besetzten Haus in der Rigaer Straße in Friedrichshain ist es in der Nacht zu Donnerstag an verschiedenen Stellen in der Stadt zu Randalen gekommen.

Unter anderem zogen vermummte Randalierer durch die Schlesische Straße in Kreuzberg und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Sie entglasten drei Fahrzeuge sowie eine Bushaltestelle. Sie zündeten eine Mülltonne an und bewarfen das Bezirksamt Kreuzberg mit Steinen und Farbbeuteln. Polizisten sammelten Pflastersteine in Plastiktüten, um eventuelle DNA-Spuren als Beweismittel zu sichern.

Um 23 Uhr wurden am Frankfurter Tor Steine auf ein Polizeiauto geworfen. Der Tatverdächtige wurde verhaftet - genauso wie ein 23-Jähriger der kurze Zeit später einen Polizisten gegen den Kopf trat.

Anwohner blendet Hubschrauber-Piloten

Auch ein Polizeihubschrauber kam in Kreuzberg zum Einsatz. Der Pilot wurde dabei mit einem Laserpointer geblendet. Der grüne Lichtstrahl traf den Piloten, der mit starken Schmerzen in den Augen die Kontrolle des Helikopters sofort an den Copiloten übergeben musste. In der Wohnung, aus der der Laserpointer benutzt worden war, nahmen Polizisten wenig später den tatverdächtigen 60-jährigen Wohnungsinhaber fest und stellten den Laserpointer sicher. Nach seinen ersten Angaben habe er sich durch die Lautstärke des Hubschraubers belästigt gefühlt. Das Landeskriminalamt ermittelt nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr und wegen gefährlicher Körperverletzung.

In der Straße Dora-Benjamin-Park auf der Halbinsel Stralau brannten um kurz vor 2.30 Uhr drei gleich zwei Autos. Die Feuerwehr musste die meterhohen Flammen schnell löschen, um ein Übergreifen auf weitere Fahrzeuge zu verhindern.

In der Finnländischen Straße in Pankow standen Baumaschinen in Brand. In der Glaßbrennerstraße wurde um kurz nach Mitternacht ein BMW Z4 in Brand gesetzt. An Bankfilialen in der Beusselstraße, am Halleschen Ufer und in der Heinrich-Heine-Straße wurden Fensterscheiben eingeworfen. In der Köpenicker Straße in Kreuzberg wurden Steine gegen das Verdi-Gebäude geworfen. Und in der Kopenhagener Straße entdeckte ein Zeuge die zerstörten Scheiben eines Wahlkreisbüros.

Ob die Straftaten in Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz in der Rigaer Straße stehen, war zunächst nicht ganz klar, es wird aber vermutet. Der Staatsschutz wird in allen Fällen die Ermittlungen übernehmen, da davon auszugehen ist, dass die Taten politisch motiviert waren. Im Internet gab es Aufrufe zu weiteren Gewalttaten. So solle ein „Sachschaden von zehn Millionen Euro“ erreicht werden. Aus Polizeikreisen hieß es, dass Beamte in den nächsten Tagen verstärkt kontrollieren werden.

300 Polizisten sicherten Bauarbeiten

Eine Werkstatt und eine Kneipe der linksextremen Szene in der Rigaer Straße waren am Mittwoch im Auftrag der Hausverwaltung geräumt worden. 300 Polizisten schützten rund um das von Autonomen bewohnte Haus Nummer 94 laufende Bauarbeiten.

>> Nach Rigaer Straße: Polizei in Kreuzberg im Einsatz

In der Werkstatt stellten die Beamten einen Koffer mit drei Schlagstöcken und - nach erster Einschätzung - eine Gaspistole sicher.

In der linksautonomen Szene war von einem „Angriff“ die Rede, „Tag X“ sei gekommen. Indirekt wurde zu Gewalt gegen Banken, Polizeiwachen und Bürohäuser aufgerufen. Vorgeschlagen wurden dezentrale Aktionen, um der Polizei die Vorkehrungen zu erschweren.

Autonome errichteten am Abend gegen 20 Uhr bei einer Spontandemo an der Kreuzberger Wrangelstraße Barrikaden. Die Polizei war vor Ort und baute die Sperren wieder ab. Die Demonstration löste sich friedlich auf. Gegen 22.30 Uhr versammelten sich einige Linksautonome an der Oberbaumbrücke, dort löste die Polizei die Gruppe auf, auch ein Wasserwerfer fuhr auf.

Innensenator verurteilt Übergriffe

Innensenator Frank Henkel (CDU) verurteilte die Gewaltausbrüche. „Ausschreitungen dieser Art sind überhaupt nicht zu rechtfertigen“, sagte er im Abgeordnetenhaus. „Sie machen wieder einmal deutlich, welche brutale Energie die linksextreme Szene in dieser Stadt nach wie vor aufbringen kann.“ Der Berliner Morgenpost sagte er: „Die Opposition hat mir in den letzten Monaten immer wieder überhartes Vorgehen in der Rigaer Straße vorgeworfen. Die Ereignisse von gestern zeigen aber, dass ein Zurückweichen vor den Gewalttätern völlig falsch wäre. Deshalb bleibt es bei meinem klaren Kurs. Wir müssen linke Gewalt ebenso entschieden bekämpfen wie rechte Gewalt.“

( BM )