Berlin

"Karneval der Kulturen"-Laster in Brand gesetzt

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Regina Köhler

Ein Laster, der von Schülern für den Karneval der Kulturen geschmückt werden sollte, ist in der Nacht zu Donnerstag ausgebrannt.

Für die Schüler der Neuköllner Röntgen-Schule war es ein Schock. Als sie am Donnerstag auf den Schulhof kamen, mussten sie feststellen, dass der von ihnen gestaltete Wagen für den Karneval der Kulturen völlig zerstört worden ist. Auf den Lkw, den sie von der Berliner Polizei geliehen hatten, war ein Brandanschlag verübt worden.

Der stellvertretende Schulleiter der Röntgen-Schule, Heinz Haberland, sagte der Berliner Morgenpost, dass ihm beim Anblick des zerstörten Fahrzeugs die Tränen gekommen seien. „Der Wagen ist regelrecht hingerichtet worden.“ Keines der bemalten Holzteile sei mehr dran gewesen. Haberland gestaltet seit 2007 mit Schülern der Röntgen-Schule jedes Jahr einen Wagen für den Umzug beim Karneval der Kulturen. „Auch in diesem Jahr haben sich die Jugendlichen große Mühe gegeben und die hölzernen Seitenwände des Wagens fantasievoll bemalt“, sagte Haberland.

„Eine feige Form von vermeintlichem Protest“

Der Brandanschlag war in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag verübt worden. Anwohner hatten gegen 2.40 Uhr die Feuerwehr alarmiert. Er habe die Teilnahme des Neuköllner Wagens abgesagt, nachdem er den Schaden gesehen hätte, sagte Haberland. Doch in der Polizeidirektion 2 an der Friesenstraße habe man ihm und den Schülern Mut gemacht. Das kriegt ihr hin, hätten sie gesagt, so Haberland. Auch die Schüler hätten nicht aufgeben wollen.

Neuköllns Bildungsstadtrat Jan-Christopher Rämer (SPD) beeindruckte diese Haltung. Er nannte den Brandanschlag „eine feige Form von vermeintlichem Protest“ und organisierte, dass die Firma Holz Possling den Schülern kostenlos Holz zur Verfügung stellt, damit sie schnell einen neuen Wagen startklar machen können. Sie würden es zwar nicht mehr schaffen, die Seitenwände des Wagens neu zu bemalen, sagte Haberland. „Wir haben aber noch Fotos vom letzten Jahr. Eine Druckerei wird uns diese auf große Transparente drucken, die wir dann auf dem Wagen aufhängen werden, mit dem Hinweis darauf, was passiert ist.“

Der Karnevalswagen, den die Schüler der Röntgen-Schule seit Jahren gestalten, repräsentiert nicht nur ihre Schule, sondern auch den Bezirk Neukölln, die Neuköllner Musikschule und die Berliner Polizei. Schulleiter Detlef Pawollek sagte, dass seine Schüler und sein Kollegium tief betroffen seien von dem Anschlag.

Schüler gestalten einen neuen Umzugswagen

„Wir lassen uns von unserem Vorhaben, vereint auch 2016 am Karneval der Kulturen teilzunehmen, nicht abhalten“, sagte er. Blinder Zorn dürfe nicht siegen. Deshalb würden sich alle Beteiligten der Herausforderung stellen, in kürzester Zeit einen neuen Wagen zurechtzumachen. „Mithilfe eines neuen Fahrzeuges der Polizei werden am Sonntag alle Partner pünktlich an den Start gehen“, sagte Pawollek.

Thema des von der Röntgen-Schule gestalteten Wagens ist der Großstadtdschungel. Dabei gibt es seit Jahren den gleichen Ablauf: Die Schüler gestalten an vielen Abenden und Wochenenden den Wagen und fertigen Aufbauten an, die sie bemalen. Die Musikschule Paul Hindemith steuert das Musikprogramm bei. Die Berliner Polizei stellt das Fahrzeug samt Fahrer und hilft beim Aufbau. Der Karnevalswagen ist schon mehrmals preisgekrönt worden.