Lüftungsausfall

Polizei muss wegen Panne einen Schießstand schließen

Der Ausfall von Schießständen ist für die Berliner Polizei schon lange ein Problem. Jetzt gibt es einen Defekt an der Anlage in Moabit.

Polizeischüler trainieren auf einem Schießstand der Landespolizeischule in Berlin

Polizeischüler trainieren auf einem Schießstand der Landespolizeischule in Berlin

Foto: Rainer Jensen / picture alliance / dpa

Die Berliner Polizei muss erneut mit einem Schießstand weniger auskommen. "Wegen eines Lüftungsausfalls wurde am Mittwoch die Schießanlage der Polizei Berlin in der Moabiter Kruppstraße vorübergehend außer Betrieb genommen. Die Reparatur wird voraussichtlich bis Mitte nächster Woche andauern", teilte die Polizei am Donnerstagvormittag mit.

Die Anlage an der Kruppstraße hatte zuletzt zum Jahreswechsel schließen müssen. Der Grund: Schadstoffbelastung, erhöhte Bleiwerte. Der Schießstand sei durch Abschuss von dort nicht zugelassener bleihaltiger Munition verunreinigt worden, sagte ein Polizeisprecher seinerzeit.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost fiel die Lüftungsanlage am Mittwoch zweimal aus. Sie konnte zunächst wieder hochgefahren werden. In der Folge stellten aber alle Schießtrainer einen rauen, kratzigen Hals mit Auswirkung auf die Stimme sowie ein Brennen in den Augen und eine spürbar belegte Zunge fest. Außerdem seien deutlich mehr Ablagerungen und Pulverrückstände auf dem Fußboden als sonst festgestellt worden. Daraufhin wurde der Stand um 11.15 Uhr gesperrt.

Immer wieder werden Anlagen dichtgemacht

Wegen Lüftungsproblemen, Asbestverdacht, Schadstoffbelastung sind seit September 2012 nach und nach immer wieder Anlagen in Berlin dichtgemacht worden. Im Jahr 2010 verschwanden sogar Gutachten, die den desolaten Zustand belegen. Lüftungsprobleme treten bei nahezu allen Schießstände immer wieder auf. Nach Informationen der Berliner Morgenpost gab es beispielsweise auch am Schießstand in Ruhleben vorübergehende Ausfälle. So am 19. Februar, am 8. und am 22. März.

Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP), kritisiert, dass von einst 73 Schießbahnen der Polizei derzeit nur noch 32 für den Schuss mit der scharfen Waffe zur Verfügung stehen. „Wenn die Polizei den sicheren Schusswaffengebrauch ihrer Beamten und Beamtinnen und damit die innere Sicherheit in der Stadt gewährleisten soll, dann muss umgehend in die Sanierung der Schießstände investiert werden“, fordert Jendro. Das Üben mit Laserwaffen sei keine Alternative.

Die Polizei plant zwar neue Einsatztrainingszentren mit integrierten Schießstätten. Doch nur für einen von vier geplanten Standorten steht auch ein Eröffnungstermin fest. Für den Standort Charlottenburger Chaussee wird das Jahr 2019 genannt. Zu spät, wie viele Experten meinen.

Grüne: Schießanlagen in "erbärmlichem" Zustand

Benedikt Lux, innenpolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, kommentierte die erneute Schließung der Anlage an der Kruppstraße so: „Der Fall zeigt erneut, wie stark die Schießanlagen auf Verschleiß gefahren worden sind. Hier muss die Gesundheit vorgehen. Der Senat ist dringend gefordert den erbärmlichen Zustand der Berliner Schießausbildung zu beenden. Es fehlt aber bislang jedes Konzept, um das nötige Training zu gewährleisten.“

Es kommt zu Trainigs-Ausfällen

Aufgrund der maroden Situation vieler Schießanlagen musste das notwendige Schießtraining für die 16.000 Beamten der Berliner Polizei in der Vergangenheit immer weiter reduziert werden. Was der nun insgesamt fast dreimonatige Ausfall der Anlage an der Kruppstraße für das Training bedeutet, konnte die Polizei am Donnerstag nicht genau beziffern. „Sicher ist, dass es zu Ausfällen gekommen ist“, sagte ein Polizeisprecher.

Polizeipräsident Klaus Kandt ist sich der Problematik um die maroden Schießanlagen bewusst. Für die offenkundigen Versäumnisse der Vergangenheit trägt er keine Verantwortung. Anfang Dezember hatte er die Beamten in einem hausinternen Blog aufgefordert, ihm über ihre Erfahrungen zu berichten und Missstände zu benennen. Das haben viele Polizisten genutzt. Kandt hatte in diesem Zusammenhang versichert: "Ich möchte an dieser Stelle nochmals betonen, dass die aktuell genutzten Schießstätten gesundheitlich unbedenklich sind." Vier Wochen später musste die Kruppstraße geschlossen werden, weil kurz vor Silvester Beamte mit falscher, bleihaltiger Munition übten. Nun ist die Anlage wieder geschlossen, weil offenbar Wartungsintervalle nicht eingehalten wurden.