Strafanzeige gestellt

Ermittlungen nach fremdenfeindlichem Übergriff in S-Bahn

Ein Video auf Facebook zeigt, wie ein Mann fremdenfeindlich beleidigt wird. Die Bundespolizei ermittelt nun.

In Berlin hat es erneut einen fremdenfeindlichen Übergriff gegeben Die Initiative „Hellersdorf hilft“ hat auf ihrer Facebookseite ein Video veröffentlicht, das nach eigenen Angaben am vergangenen Donnerstag in einem Zug der Linie S5 der Berliner S-Bahn aufgenommen wurde. Darin wird ein Flüchtling von einem Fahrgast obszön und rassistisch beschimpft.

Das Opfer stammt laut Stephan Jung, Sprecher der Initiative „Hellersdorf hilft“, aus Pakistan und sei zusammen mit mehreren Begleitern auf dem Weg zu seiner neuen Wohnung gewesen. Mit dabei hatten sie zwei alten Gartenstühle, die sie zuvor von einer älteren Dame geschenkt bekommen hatten. Der Beschuldigte bezeichnete die Fahrgäste als „typisch Kanaken“ und warf ihnen vor, die Stühle gestohlen zu haben. Zugleich trat er mit dem Fuß nach den Stühlen.

Einer der Betroffenen filmte den Angriff in der S-Bahn mit seiner Handykamera. Ein weiterer Fahrgast griff ein und zog schließlich die Notbremse. Zum Schluss des Handy-Videos ist zu sehen, wie zwei Sicherheitsmitarbeiter der Bahn erscheinen. Laut Jung ist der Angreifer an der nächsten Station der Polizei übergeben worden.

„Dieses Video veranschaulicht auf erschreckende Art und Weise den Alltag, den geflüchtete Menschen derzeit in Berlin und anderswo erleben müssen. Sie werden vorverurteilt, kriminalisiert, beleidigt und angegriffen“, heißt es auf der Facebook-Seite von „Hellersdorf hilft“. Dort wird auch für das couragierte Eingreifen eines Fahrgastes gedankt.

Die Bundespolizei hat jetzt ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Es sei Strafanzeige gegen unbekannt gestellt worden, bestätigte ein Sprecher der Bundespolizei am Sonntag der Berliner Morgenpost. In dem Verfahren gehe es darum, unter anderem im Kontakt mit dem Verein „Hellersdorf hilft“ weitere Informationen zum Hergang und Ablauf der Vorgänge in einem Zug der Berliner S-Bahn zu erlangen. Geprüft werden sollen auch Aufnahmen der Überwachungskameras im Bahnhof Alexanderplatz. Die Opfer selbst hatten keine Strafanzeige gestellt.