Polizei

Wie bei Grimms: Mann "verläuft sich" in fremder Wohnung

Die Polizisten kamen sich vor wie im Märchen: Ein Mann behauptete, er habe sich in einer fremden Wohnung verlaufen.

Warum hat der Teufel seine Großmutter erschlagen? Weil ihr keine Ausreden mehr einfielen. Der Einbrecher, den Beamte des Abschnitts 51 am Donnerstagnachmittag in Friedrichshain festnahmen, muss keine Angst vor dem Teufel haben. Er erklärte sein Dasein in der Wohnung in der Dossestraße so: Er habe sich im Kiez verlaufen und sei so in die fremde Wohnung geraten. Wie zum Teufel genau, könne er sich auch nicht mehr erklären.

Aufgebrochen? Die Ermittler fanden zunächst keine offensichtlichen Einbruchspuren. Na also. Die muss doch offen gewesen sein. Doch Polizisten ließen nicht locker, quälten den Ärmsten mit weiteren investigativen Fragen. Wie es denn dazu gekommen sei, dass in der Wohnung Schubladen geöffnet und durchwühlt seien, wollten sie wissen. Darauf kam die zwingend logische Antwort: Er sei gestolpert. Klar, fremde Wohnung, schlecht beleuchtet. Und womöglich noch vollkommen unaufgeräumt. Da kann man ja nur ins Straucheln kommen und sich an Kommodenschubladen festhalten, damit nichts Schlimmeres geschieht.

Etwa ein Beinbruch beim Einbruch. Und dass die Kommoden nicht standfest sind und so leichtgängige Schubladen haben, weiß ja nun auch jeder Ikea-Fan. Vielleicht hätte er es dem Ehepaar, dem die Wohnung gehört, noch erzählt, wenn sie ihn nicht so überraschend in ihrer Wohnung überrascht hätten. Das letzte Indiz dafür, dass die Polizei immer gleich das Schlimmste vermutet, ist aber ganz klar die Festnahme im Hinterhof. Wäre nicht passiert, wenn er den richtigen Ausgang zur Straße gefunden hätte.

Und sieht man nicht in jedem Krimi, dass Gauner ihren Rückweg vom Tatort minutiös und bis ins letzte Detail planen? Also wenn das kein glasklarer Beweis dafür ist, dass er sich wirklich einfach nur verlaufen hat? Die Beamten des Abschnitts aber blieben bei ihren Zweifeln. Sie übergaben den Meister der Ausflüchte den Ermittlern des Kripodauerdienstes K1. Und die sind schon ganz gespannt auf weitere Ausreden.