S-Bahnhof Wuhletal

Regionalbahn in Berlin ausgebrannt - Polizei sucht Zeugen

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Rüdiger Finke

Die Bundespolizei hat die ausgebrannte Regionalbahn für genauere Untersuchungen beschlagnahmt. Sie hofft auf weitere Zeugenaussagen.

Nach dem Brand eines Regionalzuges der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) hat die Bundespolizei am Donnerstag ein Strafverfahren wegen Gefährdung des Bahnverkehrs eingeleitet. Nach Angaben von Bundespolizeisprecher Thorsten Peters wird das Verfahren „vollkommen offen in alle Richtungen geführt“. Damit seien keine Vorwürfe etwa gegen das Bahnunternehmen verbunden. Für die Ermittler ist es damit aber möglich, den ausgebrannten Zug zu beschlagnahmen, sodass daran keinerlei Veränderungen vorgenommen werden können.

Als Brandursache wird ein technischer Defekt vermutet, dies muss aber durch weitere Untersuchungen erhärtet werden.

Das Feuer war Mittwochabend gegen 20.10 Uhr ausgebrochen. Ein 50 Jahre alter Reisender hatte zu dieser Zeit im hinteren Teil der Bahn der Linie 26 Brandgeruch aus einem Schaltkasten bemerkt und den Lokführer verständigt. Nach Polizeiangaben stoppte der Lokführer die Bahn zwischen den S-Bahnhöfen Biesdorf und Wuhletal auf freier Strecke. „Gleichzeitig griff auch die Sicherheitstechnik“, wie NEB-Sprecherin Corinna Alder am Donnerstag sagte. Demnach wird bei Problemen eine Zwangsbremsung ausgelöst, alle Systeme werden automatisch heruntergefahren, der Motor geht aus. So konnte das Personal den Zug schnell evakuieren.

180 Fahrgäste verließen die Bahn

„Schätzungsweise 180 Fahrgäste verließen so die von Lichtenberg nach Küstrin (Kostrzyn) in Polen verkehrende Regionalbahn. 140 setzten ihren Weg sofort fort, zirka 40 Reisende blieben am Bahnhof Wuhletal“, teilte Polizeisprecher Peters weiter mit. Die Feuerwehr konnte aber trotz eines Großaufgebotes an Helfern den Zug nicht mehr retten. Es bestand jedoch keine Gefahr eines Übergreifens der Flammen, da keine Gebäude in der Nähe der Brandstelle sind.

Am Donnerstagmittag fuhr ein Werkstattwagen der Bahn am Unglücksort vor, um das Wrack für den Abtransport vorzubereiten. Anschließend wurde der völlig zerstörte Zug zum Bahnhof Kaulsdorf geschleppt. Brandermittler der Bundespolizei hatten schon vor Ort mit ihren Untersuchungen begonnen. Sie werden gemeinsam mit Experten der Eisenbahnuntersuchungsstelle des Bundes geführt. Für die Ermittler ist es wichtig, dass der Transport möglichst schonend geschieht, damit keine Spuren zerstört werden, wie die Bundespolizei unterstrich. Die Untersuchungen stehen erst ganz am Anfang und werden vermutlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Polizei sucht nun nach Zeugen des Brandes, die vielleicht wertvolle Hinweise zur Aufklärung des Vorfalles geben können. Insbesondere Reisende aus dem Zug, die am Mittwochabend keine Aussage gemacht haben, werden gebeten, sich zu melden.

Während des Feuerwehreinsatzes waren der Regional- und S-Bahnverkehr der Linie S5 eingestellt. Auch die U5 war vorübergehend unterbrochen. Die S-Bahn konnte von 0.30 Uhr an wieder fahren.

Betroffenes Modell bei vielen Gesellschaften im Einsatz

Am Unglücksort musste der Zustand der Schienen von Experten untersucht werden. Sie mussten klären, ob sich die Gleise durch die enorme Hitze verzogen haben. Am Donnerstagnachmittag wurde der Streckenabschnitt zwischen Lichtenberg und Strausberg schließlich wieder freigegeben, wie die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) mitteilte.

Bei dem ausgebrannten Zug handelt es sich um ein Exemplar der Triebwagenfamilie Talent des Herstellers Bombardier mit Dieselantrieb. Die Gelenkfahrzeuge werden von zahlreichen Eisenbahngesellschaften in Deutschland sowie auch in anderen europäischen Ländern eingesetzt. Sie sind zwei- bis vierteilig. Die NEB nutzt dreiteilige Züge und hat nun noch sieben Exemplare in Betrieb.

Probleme hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben damit bisher nicht. Allerdings sind bereits in den Jahren 2009 und 2012 Züge dieser Baureihe in Nordrhein-Westfalen in Brand geraten.

Fahrgäste des betreffenden Zuges werden gebeten, sich bei der Bundespolizei zu melden. Sachdienliche Hinweise nimmt die Bundespolizeiinspektion Berlin-Ostbahnhof unter der Rufnummer 030 297779 - 0 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen. Zudem kann auch die kostenlose Servicenummer der Bundespolizei 0800 6 888000 genutzt werden.