Berlin Wedding

Tatverdächtige stellen sich nach Schießerei in Wedding

Nach einer Schießerei mit einem Todesopfer in Wedding haben sich sieben Verdächtige gestellt. Aussagen machten sie bislang nicht.

Das Geschehen an der Hochstädter Straße in Wedding erinnerte an Dreharbeiten. Schüsse, Schreie und blutende Männer, die auf der Straße liegen. Doch es war brutale Wirklichkeit. Wie berichtet, waren am 2. Weihnachtsfeiertag ein 31-Jähriger tödlich und drei weitere Männer schwer verletzt worden. Rund eineinhalb Wochen nach dem blutigen Anschlag auf vier Männer, bei der ein Mann ums Leben kam, steht die Tat nun vor der Aufklärung. „In den vergangenen Tagen haben sich insgesamt sieben Tatverdächtige gestellt“, teilte Staatsanwaltschaftssprecher Martin Steltner am Dienstag mit.

Den 22 bis 46 Jahre alten Beschuldigten wird ein gemeinschaftlicher Mord, Mordversuch in drei Fällen sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Bislang habe sich keiner der Beschuldigten zu den Vorwürfen geäußert, so Steltner weiter. Die Ermittlungen der 7. Mordkommission und der Staatsanwaltschaft dauern an. Gegen die Tatverdächtigen waren bereits Haftbefehle erlassen worden, sie befinden sich inzwischen in Untersuchungshaft.

Hintergrund des brutalen Angriffs mit Messern und einer Pistole auf die 31, 36, 44 und 56 Jahre alten Opfer in der Hochstädter Straße sollen nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden eskalierte Streitigkeiten zwischen zwei Familien bosnischer Herkunft sein. Täter und Opfer sollen der Volksgruppe der Roma angehören.

Am frühen Nachmittag des 26. Dezembers vergangenen Jahres hielten mindestens zwei Autos vor einer Gaststätte an der Hochstädter Straße. Mehr als zehn Männer sprangen gegen 13 Uhr aus den Wagen und gingen sofort mit Messern auf die vier Opfer los, die gerade ein Haus verlassen hatten und in einen Wagen steigen wollten. Während des Angriffs fielen auch Schüsse. Unmittelbar darauf fuhren zwei BMWs mit hoher Geschwindigkeit davon. Den Angreifern gelang zunächst unerkannt die Flucht.

31-Jähriger starb auf dem Weg ins Krankenhaus

Ein schwer verletzter 31-Jähriger wurde am Tatort von einem alarmierten Notfallsanitäter reanimiert. Der Mann starb aber kurz darauf noch auf dem Weg ins Krankenhaus an den Folgen eines Messerstichs, wie die Obduktion später ergab. Der Vater des Opfers und zwei seiner Cousins hatten Schuss- und Stichverletzungen erlitten und mussten schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt ins Rudolf-Virchow-Krankenhaus der Charité eingeliefert werden. Vor der Klinik nahe des Amrumer Platzes versammelten sich am späten Nachmittag Dutzende besorgte Angehörige und Bekannte der Opfer.

Die Befragungen der Verletzten durch Ermittler der Mordkommission ergaben dann sehr bald, dass sich Täter und Opfer kannten. Wenige Tage nach dem aufsehenerregenden Angriff konnte die Staatsanwaltschaft die bereits identifizierten Tatverdächtigen zur Fahndung ausschreiben und Haftbefehle gegen die Beschuldigten beantragen.

Die intensive Fahndung nach den Tätern blieb jedoch bis zum Jahreswechsel ergebnislos. Die Gesuchten waren zunächst untergetaucht, sämtliche Nachforschungen der Mordkommission liefen anfangs ins Leere. Doch die Verdächtigen meldeten sich laut Staatsanwaltschaft nach und nach mit Anwälten bei der Polizei. Am Montagabend habe sich der Siebte gestellt, hieß es. Wie die Morgenpost erfuhr, soll es in der Vergangenheit bereits Streitigkeiten zwischen den rivalisierenden Großfamilien gegeben haben. Bei einem Zwischenfall in einem Lokal soll ein Beteiligter eine Handverletzung erlitten und beinahe einen Finger verloren haben.