Lichtenberg

Leiche in Müll-Container - Bruder dringend tatverdächtig

Die Polizei machte am Sonntagmorgen einen grausigen Fund: In einer Mülltonne lag eine Leiche. Ein Mann wurde festgenommen.

Die Kriminaltechnik sichert Spuren an der Mülltonne, in der die Leiche gefunden wurde

Die Kriminaltechnik sichert Spuren an der Mülltonne, in der die Leiche gefunden wurde

Foto: schroeder

Ein grauenhafter Leichenfund in einer Plattenbausiedlung und die Festnahme eines Tatverdächtigen in einer Klinik beschäftigt derzeit die 3. Mordkommission des Landeskriminalamtes. Ein 34 Jahre alter Mann aus dem Ortsteil Fennpfuhl ist tot, sein acht Jahre jüngerer Bruder wurde als dringend Tatverdächtiger festgenommen. Unklar ist bisher noch, wie und warum es zu der Familientragödie kommen konnte. Auch zum Todeszeitpunkt machten die Ermittler vorerst keine Angaben. Der 34-Jährige ist laut Polizei das erste Opfer eines Tötungsdelikts im neuen Jahr in Berlin.

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hatte der Bruder des Opfers in der Nacht zu Sonntag gegen 1.30 Uhr einen Zeugen angerufen und Selbsttötungsabsichten geäußert. Weiter soll der 26-Jährige in dem Anruf vage angedeutet haben, seinen Bruder getötet zu haben. Der Angerufene, bei dem es sich nach Informationen dieser Zeitung um den Betreuer des 26-Jährigen handelt, informierte daraufhin umgehend die Polizei.

Die alarmierten Beamten fuhren kurz darauf zu dem jungen Mann, der die Andeutungen den Polizisten gegenüber wiederholte und zudem auch Hinweise gab, wo sie eine Leiche finden würden: auf einem eingezäunten Platz für Müllcontainer vor einem neungeschossigen Plattenbau an der Rudolf-Seiffert-Straße. Gegen 3 Uhr bestätigten sich die Aussagen: Das Opfer wurde leblos in einem Müllcontainer aufgefunden. Der Fundort wurde mit rot-weißem Flatterband abgesperrt, Kriminaltechniker rückten noch in der Nacht in ihren weißen Schutzanzügen an, um Spuren sicherzustellen.

Der Leichnam wurde später zur Obduktion in die Gerichtsmedizin gebracht. Die Polizei versiegelte unterdessen die Wohnungstür des 34-Jährigen, der offenbar allein in einer 30 Quadratmeter großen Ein-Zimmer-Wohnung im obersten Stockwerk des Hochhauses gelebt hatte.

Am Sonntagvormittag untersuchten Kriminaltechniker die Wohnung des Opfers, nachdem die Obduktion zweifelsfrei ergeben hatte, dass es sich bei der Leiche um den Bruder des 26-Jährigen handelt. Gleichzeitig befragten Kriminalbeamte in dem Plattenbau Mitbewohner, ob ihnen etwas Verdächtiges aufgefallen sei. Nach Morgenpost-Informationen sollen die Brüder zuvor noch gemeinsam in der Ein-Zimmer-Wohnung gefeiert haben. Die Polizei wollte dies zunächst nicht bestätigen.

Beschuldigter ist vermutlich psychisch gestört

Die Staatsanwaltschaft teilte der Berliner Morgenpost auf Anfrage mit, dass der Verdächtige am Sonntag in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht wurde. „Es gibt konkrete Anhaltspunkte für eine psychische Störung“, informierte Staatsanwaltschaftssprecher Martin Steltner. Er ergänzte außerdem, dass der 34-Jährige erdrosselt worden sei. Der 26-Jährige konnte zunächst nicht vernommen werden. „Am Montag soll entschieden werden, ob der Verdächtige einem Ermittlungsrichter zur Verkündung eines Haftbefehls vorgeführt wird“, sagte Steltner.

Bis dahin wollten die Ermittler weiter versuchen, den Mann im Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge zu vernehmen. Die Todesursache und der Umstand, dass sich der Bruder des Opfers nach der Tat das Leben nehmen wollte, lassen darauf schließen, dass er die Tat nicht geplant hatte, sondern im Affekt gehandelt haben könnte.