Berlin Friedrichshain

Tödlicher Taxiunfall: Intensivtäter raste über rote Ampel

Der Unfallfahrer von Friedrichshain ist ein polizeibekannter Intensivtäter. Er fuhr zu schnell, ohne Führerschein und bei Rot.

Die Karl-Marx-Allee in Friedrichshain ist mit Trümmern übersät. Bis zu 70 Meter weit sind die Teile eines Mercedes-Taxis und eines BMW verteilt. Polizisten vermessen die Straße, fotografieren die Unfallstelle. Ansonsten herrscht gespenstische Leere am Sonntagmorgen auf der sonst zu dieser Zeit belebten Ausfallstraße. Gegen 5.45 Uhr in der Frühe hat sich hier ein tragischer Unfall ereignet, bei dem ein Mensch sein Leben verlor und drei weitere schwer verletzt wurden.

Tödlicher Taxi-Unfall - die Polizei sucht Zeugen

Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei wollte ein 61-Jähriger mit seinem Taxi von der Karl-Marx-Allee in die Straße der Pariser Kommune abbiegen. „Ein 25-Jähriger befuhr die Karl-Marx-Allee stadteinwärts und steuerte einen BMW bei roter Ampel über die Kreuzung“, sagte ein Sprecher der Polizei. Der schwarze Wagen der 7er-Reihe erfasste den Mercedes mit voller Wucht. Der Zusammenprall war so heftig, dass beide Fahrzeuge herumschleuderten. Der Taxifahrer wurde dabei aus seinem Auto geschleudert. Der BMW knickte ein Straßenschild um und landete schließlich auf dem Mittelstreifen, wo er zum Stehen kam. Auf dem Fußgängerüberweg, über den der Wagen hinwegrutschte, waren in diesem Moment glücklicherweise keine Menschen.

Doch für den Taxifahrer endete der Unfall tödlich. Zwar versuchten Rettungskräfte noch verzweifelt, den Mann wiederzubeleben. Doch dies gelang ihnen nicht mehr, der Verletzte starb noch am Unfallort. Eine 28 Jahre alte Frau, die als Fahrgast im Taxi gesessen hatte, wird auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt.

"Deutlich überhöhte Geschwindigkeit"

Auch der BMW-Fahrer und ein weiterer Insasse des Autos wurden schwer verletzt. Beide Männer werden nach Auskunft der Polizei bei der Staatsanwaltschaft Berlin als Intensivtäter geführt. Ein Zeuge kam während der Beweissicherung aus seiner nahegelegenen Wohnung zurück an den Unfallort. Er hatte das dramatische Geschehen als Fahrgast eines Taxis von der anderen Fahrbahnseite aus miterlebt. Der Zeuge stand auch am Vormittag noch so unter Schock, dass er keine verlässliche Aussage machen konnte.

Andere Zeugen berichteten der Polizei allerdings, der BMW-Fahrer sei mit „deutlich überhöhter Geschwindigkeit“ unterwegs gewesen. Wie ein Sprecher der Behörde weiter mitteilte, hat der 25-Jährige keinen gültigen Führerschein. Außerdem besteht der Verdacht, dass er angetrunken gewesen sein könnte. Deshalb wurde ihm eine Blutprobe entnommen. Für die Vermessung und Reinigung des Unfallortes blieb die Karl-Marx-Allee bis gegen 11 Uhr in beide Richtungen gesperrt. Für die weiteren Untersuchungen, die noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden, haben die Ermittler des Verkehrsunfalldienstes die Autos sichergestellt.

Karl-Marx-Allee zählt zu größten Unfallschwerpunkten

Bei dem Taxifahrer handelt es sich um den 38. Verkehrstoten dieses Jahres im Berliner Stadtgebiet. Damit ist bereits jetzt ein Mensch mehr auf den Straßen ums Leben gekommen als im gesamten Jahr 2013. Die Zahl von 37 tödlich Verunglückten war jedoch im statistischen Vergleich ungewöhnlich niedrig. 2010 waren 44 Unfalltote zu beklagen, im Jahr darauf waren es sogar 54, 2011 gab es 42 und 2014 sogar 52 Todesopfer.

Die Karl-Marx-Allee zählt zu den größten Unfallschwerpunkten in Berlin. Laut Verkehrsstatistik der Polizei ereigneten sich auf der Hauptverkehrsstraße im vergangenen Jahr 19 Unfälle. Dabei wurden drei Menschen schwer verletzt, 19 Unfallbeteiligte kamen mit leichteren Verletzungen davon. Die Karl-Marx-Allee liegt damit auf dem zehnten Platz in Bezug auf die Unfallhäufigkeit. Angeführt wird die Statistik von der Alexanderstraße sowie dem Ernst-Reuter-Platz mit jeweils 32 verzeichneten Unfällen.