Lichtenberg

Rechtsextremer uriniert in S-Bahn auf zwei Kinder

Ein 32-Jähriger soll in einem Zug Kinder rassistisch beleidigt und auf sie uriniert haben. Er ist als Räuber und Vergewaltiger bekannt.

In dem Zug der Ringbahn S41 müssen sich albtraumhafte Szenen abgespielt haben: Erst brüllen zwei Betrunkene eine Mutter und ihre Kinder mit fremdenfeindlichen und rassistischen Sprüchen an. Dann entblößt sich einer der beiden betrunkenen Männer und uriniert auf die beiden Kinder. Der unglaubliche Vorgang spielte sich laut Bundespolizei am vergangenen Sonnabend ab. Die Rechtsextremisten hatten den Zug gegen 21.45 Uhr am S-Bahnhof Landsberger Allee in Lichtenberg betreten.

Zum Glück reagierten Fahrgäste umgehend. Sie riefen die Polizei über den Notruf. Nach dem Übergriff endete die Fahrt der bereits durch rechtsextreme Straftaten aufgefallenen Männer schnell. Schon im S-Bahnhof Frankfurter Allee nahmen Beamte der Bundespolizei die mutmaßlichen Täter fest. Gegen sie wird wegen Beleidigung, Körperverletzung und der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole ermittelt. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigte sich entsetzt. „In meinem Amt glaubt man, schon vieles gehört zu haben. Aber das ist ein besonders abstoßender und widerlicher Vorfall“, erklärte er.

"Als Gewalttäter rechts bekannt“

Nach dem Übergriff auf die mutmaßlich osteuropäische Familie wurde am Montag bekannt, dass die 32 und 37 Jahre alten Beschuldigten bereits in der Vergangenheit mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. „Beide beschuldigten Männer sind polizeilich in Neukölln gemeldet und bereits als sogenannte Gewalttäter rechts bekannt“, sagte Bundespolizeisprecher Jens Schobranski. So würden Straftäter bezeichnet, die eindeutig politisch motivierte Taten verüben.

Der 32-Jährige wurde nach Informationen von Ermittlern bereits wegen Brandstiftung und Gewaltdelikten wie Nötigung, schweren Raubes und einer Vergewaltigung juristisch belangt. Zudem fiel er wegen Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole auf. Dieser Terminus beschreibt etwa den Hitler-Gruß oder das Rufen von Nazi-Parolen. Der 37-Jährige ist wegen Diebstahls und Sachbeschädigung vorbestraft.

2,31 und 1,79 Promille

Nach der Festnahme hatten Polizisten die Personalien der beiden Neuköllner notiert, die mit 2,31 und 1,79 Promille stark alkoholisiert waren. Sie kamen auf freien Fuß. Juristisch könne die Tat als Beleidigung oder als Körperverletzung gewertet werden, so ein Ermittler. Zum möglichen Strafmaß wollte er sich nicht äußern. Dies hänge auch davon ab, ob die Opfer das Geschehen als ekelerregend oder psychischen Angriff sehen würden. Der Grad der Alkoholisierung könne die Strafe zwar mindern, nicht aber wenn Gutachter feststellen, dass die Täter an große Mengen Alkohol gewöhnt sind. Die S-Bahn sprach ein Beförderungsverbot aus: Beide Männer dürfen ein Jahr lang nicht mehr mitfahren. Den Mitreisenden dankte das Unternehmen für ihren „mutigen Einsatz.“

Die Bundespolizei sucht dringend nach den Opfern des Übergriffs. Es handele sich um eine Frau mit zwei Kindern im Alter von etwa fünf und 15 Jahren, so eine Sprecherin. Die Familie sei in der S-Bahn geblieben und werde gebeten, sich bei der Bundespolizei unter 030-297 77 90 oder jeder anderen Dienststelle zu melden.