Berliner Ring

Tödlicher Unfall auf A10 - Fahrer soll befragt werden

Nach dem Unfall mit sechs Toten will die Polizei den schwerverletzten Fahrer zur Ursache befragen. Ein weiterer Mann liegt im Koma.

Auch einen Tagen nach dem schweren Auffahrunfall am Dreieck Barnim ist die eigentliche Ursache noch vollkommen offen. "Wir wissen nur, dass der Fahrer des Kleintransporters am Stauende offenbar ungebremst auf den stehenden Lkw aufgefahren ist", sagte Polizeisprecherin Bärbel Cotte-Weiß der Berliner Morgenpost. Der schwer verletzte 27 Jahre alte Fahrer habe von der Polizei nur kurz befragt werden können. "Wir hoffen, den Fahrer, der beim Unfall am wenigsten verletzt wurde, am Montag vernehemen zu können", sagte die Sprecherin. "Dann erfahren wir vielleicht mehr zur Ursache."

Bei dem Unfall auf dem Berliner Ring waren am Freitagnachmittag sechs Menschen tödlich verunglückt. Bei den Opfern handelt es sich laut Brandenburger Staatskanzlei um drei Frauen im Alter von 15, 30 und 61 Jahren und drei Männer von 18, 33 und 36 Jahren aus Bulgarien. Für sie kam jegliche medizinische Hilfe zu spät. Die Wucht des Aufpralls war zu stark.

Sie saßen laut Polizei in einem Kleintransporter, der in einem Stau auf der A10 am Dreieck Barnim nördlich von Berlin ungebremst auf einen Sattelzug auffuhr. Die Fahrerkabine des Transporters wurde dabei komplett zerstört. Zwei weitere Männer aus Bulgarien wurden schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber in Spezialkrankenhäuser geflogen.

Zwei Verletzte bei Folgeunfall

Etwa eine Stunde nach dem Crash kam es am Stauende auf der Fahrbahn Richtung Hamburg zu einem weiteren Unfall, an dem vier Autos beteiligt waren. Dabei seien zwei weitere Menschen schwer verletzt worden, berichtete ein Sprecher der Feuerwehr. Die beiden Verletzten seien mit Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden.

24-Jähriger schwebt in Lebensgefahr

Ein 24-Jähriger wurde ins Unfallkrankenhaus (UKB) nach Berlin-Marzahn gebracht. Er hatte Knochenbrüchen im Gesicht und an der Wirbelsäule erlitten, sagte eine UKB-Sprecherin. Der Mann wurde noch am Freitagabend operiert. Er schwebte am Sonnabend noch in Lebensgefahr. Seine Identität konnte noch nicht ermittelt werden, wie die Berliner Morgenpost erfuhr.

"Der Zustand ist hochkritisch", sagte Angela Kijewski, Sprecherin der Unfallkrankenhauses Berlin UKB, der Berliner Morgenpost. Er sei deshalb in ein künstliches Koma versetzt worden und werde intensivmedizinisch betreut.

Zur Klärung der Unfallursache wurden Sachverständige eingeschaltet. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein kurzer Moment der Unachtsamkeit des Transporter-Fahrers zu der Katastrophe am Freitagnachmittag geführt haben könnte. Bei dem Unfall handelt es sich um einem der schwersten der vergangenen Jahre.

In dem Kleintransporter hatten Polizeibeamte bulgarische Personaldokumente gefunden. Susan Fischer, stellvertretende Sprecherin des Innenministeriums, bestätigte, dass es sich bei den Unfallopfern um Bulgaren handele. Sie sagte der Berliner Morgenpost am Sonnabendmittag: „Die bulgarische Botschaft hat sich inzwischen bei uns gemeldet.“ Diese werde die Angehörigen jener Opfer informieren, deren Identität geklärt ist. Allerdings seien noch nicht alle eindeutig zugeordnet. „Die rechtsmedizinischen Ergebnisse liegen noch nicht vor“, so Fischer. Die Identität von vier Toten und des Fahrers seien geklärt, aber die des im Koma liegenden Mannes und eines der toten Männer sei noch offen, sagte sie.

Ungebremst auf den Sattelauflieger aufgefahren

Wie das Polizeipräsidium in Potsdam am Freitagabend mitteilte, war nach ersten Erkenntnissen der Kleintransporter mit bulgarischer Zulassung auf der A10 mit hoher Geschwindigkeit ungebremst gegen den Sattelauflieger eines Lkw aus dem Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt geprallt. Das Gespann hatte kurz vor dem Dreieck Barnim gegen 15 Uhr an einem Stauende gehalten, als sich der in Richtung Hamburg fahrende Mercedes-Sprinter von hinten näherte. Den Einsatzkräften von Feuerwehr und Polizei bot sich an der Unfallstelle bei der Bergung der Fahrzeuginsassen ein Bild des Grauens.

Kilometerlange Staus

Etwa eine Stunde nach dem Horrorunfall kam es am Stauende zu einer weiteren Kollision, an der insgesamt vier Fahrzeuge beteiligt waren. Dabei sind in einem Wohnmobil und einem Pkw insgesamt zwei Personen schwer verletzt worden, berichtete ein Sprecher der Feuerwehr. Sie wurden mit Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

Für die Bergung der Opfer und die Unfallaufnahme musste die Autobahn zwischen der Anschlussstelle Hohenschönhausen und dem Dreieck Bernau in Richtung Dreieck Havelland komplett gesperrt werden. In kürzester Zeit bildete sich auf dem Berliner Ring ein langer Rückstau. Auch auf den umliegenden Verkehrsverbindungen kam es zu massiven Beeinträchtigungen. So stauten sich etwa auf der Bundesstraße 2 die Fahrzeuge vorübergehend bis nach Weißensee zurück.

Einen langen Rückstau gab es auch auf der Schwanebecker Chaussee, der bis in den Pankower Ortsteil Buch reichte. Gegen 19 Uhr waren dann an der Unfallstelle zwei Fahrspuren wieder befahrbar, die endgültige Freigabe des Rings erfolgte noch vor 20 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt stand nur noch der nicht mehr fahrtüchtige Sattelauflieger auf der Standspur. Erst gegen 21.30 Uhr hob die Polizei die Sperrung komplett auf.

Am Dreieck Barnim zweigt vom Berliner Ring die A11 in Richtung Prenzlau ab. Seit 2013 mündet auch die Bundesstraße 2 aus Weißensee in den Knotenpunkt. Die Anlage, die aus dem Jahr 1936 stammt und lange Zeit Dreieck Schwanebeck hieß, war bis 2013 für rund 57,5 Millionen Euro umgebaut worden.

Bereits mehrere tödliche Unfälle

Auf dem Berliner Ring kam es in der Vergangenheit mehrfach zu tödlichen Unfällen. So starben im Juni 2014 zwei Männer auf der westlichen A10 nahe Potsdam. Ein 49 Jahre alter Geisterfahrer war frontal in das Auto eines 57-Jährigen gerast. Eine Frau hatte damals unmittelbar vor der Kollision noch dem Wagen des 49-Jährigen ausweichen können.

Das schwerste Unglück hatte sich am 26. September 2010 auf dem südlichen Ring am Schönefelder Kreuz ereignet. 14 von insgesamt 47 Insassen aus Polen kamen ums Leben, als ihr Reisebus von einem Mercedes gerammt wurde und gegen einen Brückenpfeiler krachte. Die Fahrerin hatte die Auffahrtkurve zu schnell genommen. Sie wurde wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.