Flughafen Tegel

Schmuck im Wert von drei Millionen aus Kofferraum gestohlen

Fahndung in einem skurrilen Berliner Fall: Am Flughafen Tegel wurde ein Koffer voller Schmuck aus einer Limousine gestohlen.

Diamonds are not forever – so die schmerzliche Erfahrung einer Londonerin, die kürzlich mit dem Flugzeug einen Abstecher in die deutsche Hauptstadt machte. Mit schwerem Gepäck: Einen Koffer mit Schmuck im Wert von rund drei Millionen Euro brachte die 38-Jährige über die Zollgrenze.

Das Gepäckstück verstaute sie nach Ankunft im Kofferraum einer Limousine. Doch noch bevor das Auto aus dem Ankunftsbereich des Tegeler Flughafens rollen konnte, öffnete ein Unbekannter kurzerhand den Kofferraum und nahm den Koffer mit. Seitdem fahndet die Berliner Polizei nach dem Tatverdächtigen – und seitdem ohne Erfolg.

Inzwischen geht die Direktion 1 der Berliner Kriminalpolizei deshalb sogar auf ihrer Facebook-Seite auf Spurensuche. Dort sorgt der „Glücksfinger“, so ein Nutzerkommentar, für umso abenteuerlichere Spekulationen. Eine veritable Gemeinde von Verschwörungstheoretikern und Hobbydetektiven straft die Geschichte als „schönes Märchen von Ali Baba und den vierzig Räubern“ ab.

Manch anderer wundert sich über die Leichtsinnigkeit der Bestohlenen. So spottet eine Besucherin: „Wie kann man so blöde sein, den in den Kofferraum zu stellen. Ich kann nur lachen über so viel Dummheit.“ Und ein weiterer fragt, warum die Frau für den Transport des Schmucks überhaupt den Limousinen-Service beordert hat. „Bei einem solchen Wert an Schmuck beauftragt man da nicht einen Kurier dafür und somit wäre dieser dann auch versichert gewesen?! Klingt alles sehr komisch“, schreibt er auf der Plattform.

Wie genau es zu dem mutmaßlichen Diebstahl im Türbereich des Flughafens kam, das stellt auch die Berliner Polizei vor ein Rätsel. Den Fall haben die Beamten bislang hauptsächlich aus Angaben der Londoner Reisenden rekonstruiert. Sie schilderte den Diebstahl bei der Berliner Polizei.

Ankunft um 20.45 Uhr

Und so könnte es demnach gewesen sein: Am Abend des 5. Juni, einem Freitag, kam die Geschädigte um etwa 20.45 Uhr am Flughafen Tegel an. Wie die anderen Passagiere auch, verließ sie den abgesperrten Bereich und passierte die Zollkontrolle. Am Gebäudeausgang wartete ein Wagen des Limousinen-Service auf sie, um sie abzuholen.

Der 66 Jahre alte Fahrer begrüßte die Frau, nahm ihr das Gepäck ab, verstaute es im Kofferraum und stieg ins Auto. Was dann geschah, das weiß niemand so genau. Zeugen wollen gesehen haben, wie ein Mann an den Kofferraum trat, einen Koffer der ausländischen Reisenden griff und mit ihm davonrannte. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurde der Tatverdächtige noch verfolgt, verlor sich dann aber in der Menschenmenge, blieb unerkannt.

Mit ihm verschwanden nach Angaben der Geschädigten unter anderem eine silberne Uhr der Luxusmarke Hublot, eine Diamantenkette, ein Paar Ohrringe mit naviblauem Stein von Dior, ein weiteres mit Perlen und ein drittes mit einem grünen Diamanten. Der Gesamtwert der Stücke soll drei Millionen Euro betragen.

Hilferuf auf Facebook

Für die Fahndung nach dem Tatverdächtigen suchte die Britin akribisch die Fotos der Schmuckstücke zusammen und stellte sie der Polizei zur Verfügung. Die hat inzwischen ihren Hilfsaufruf auf Facebook gepostet: „Wem wurden diese Schmuckstücke zum Kauf, Tausch oder als Pfand angeboten?“ – „Wer hat die abgebildeten Schmuckstücke nach der Tat gesehen?“ – „Wer hat möglicherweise die Tat am Flughafen beobachtet?“ – „Wer kann sonstige Angaben zum Tatverdächtigen oder sonstige sachdienliche Hinweise geben?“

In der Netzgemeinde sorgt der Fall inzwischen für Erheiterung über die so prompte Begrüßung der Britin am Tegeler Flughafen: „Dann sag ich mal Willkommen in Berlin. Eine unvergessliche Reise“, kommentierte ein Besucher auf der Plattform. Andere hielten den Diebstahl für einen bloßen PR-Gag der Schmuckindustrie. Und wieder andere drehten den Spieß einfach um und funktionierten den Eintrag zur gewinnbringenden Partnerbörse um. Frau sucht Schmuck?

„Gegenfrage: Frau gesucht, die sich Schmuck im Wert von drei Millionen leisten kann“, schrieb ein weiterer Nutzer. Der Umstand, dass sämtliche Fotos der Schmuckstücke von der Britin stammten, rief einige skeptische Leser auf den Plan. Eine Nutzerin fand es „schon seltsam, dass gerade bei diesem Kofferinhalt ein Dieb so schnell zur Stelle war. Was hatte sie denn mit dem Schmuck vor?“ Und ein anderer fügt hinzu: „Die viel spannendere Frage ist doch: Hat die Dame das denn beim Zoll gemeldet, bevor es im Kofferraum gelandet ist?“

Polizei bittet um Mithilfe

Doch glaubt man einigen anderen Kommentatoren, dann kommt ein Diebstahl am Flughafen immer wieder mal vor. Als einer der Facebook-Nutzer nach seiner Türkeireise den Koffer öffnete, fehlte angeblich ein Teil seiner Medikamente. In einem anderen Kommentar heißt es, nach dem Flug in die USA habe man sogar Schokolade vermisst.

Die Berliner Polizei fahndet inzwischen weiter nach dem Tatverdächtigen. Hinweise werden an die Dienststelle der Polizeidirektion 1 erbeten, entweder telefonisch unter der Nummer (030) 4664-172214 oder per E-Mail an die Adresse fahndung@polizei.berlin.de.

Die Öffentlichkeitsfahndung der Polizei finden Sie hier.