Leiche in Treptow

Kofferleiche ist identifiziert - Verdächtiger ermittelt

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Steffen Pletl
Polizeibeamte durchsuchten einen Kulturverein in Wedding

Polizeibeamte durchsuchten einen Kulturverein in Wedding

Foto: Steffen Pletl

60 Hinweise zur toten Frau aus dem Treptower Park sind bislang bei der Polizei eingegangen. Die Polizei sieht eine heiße Spur.

In den ersten Tagen hatte der Leichenfund vom Treptower Park für die Berliner Polizei nur Fragen aufgeworfen. Es handelte sich um eine in zwei Koffern verpackte Tote, die nach ersten Erkenntnissen etwa eine Woche lang im Wasser gelegen hatte. Keine persönlichen Dokumente, die Hinweise auf die Identität der Toten geben könnten, wurden bei ihr gefunden. Außerdem gab es keine Spur, wann genau und vor allem wo die am 13. Juni entdeckte tote Frau ins Wasser gelangt sein könnte. Die Untersuchung der Gerichtsmedizin hatte zunächst lediglich zwei Fakten ergeben: Die Tote war eine relativ kleine Frau im Alter von 20 bis 40 Jahren. Und: Sie kam gewaltsam ums Leben.

Vier Tage später hatte die Polizei dann insgesamt acht Fotos veröffentlicht, von den Kleidungsstücken und auffälligem Schmuck des Mordopfers. Außerdem die Bilder von den beiden Rollkoffern, in der sich die Tote befand. Die Bilder und die Beschreibung der Unbekannten, so hofften die Ermittler der 3. Mordkommission, könnten zu wichtigen Hinweisen führen.

Diese Annahme scheint sich gut eine weitere Woche später zu bestätigen. Nachdem bei der Mordkommission binnen sieben Tagen 60 Zeugenhinweise eingingen, kam es, wie berichtet, am Mittwoch zu einer Hausdurchsuchung in Wedding. Mehrere Hinweise hatten sich auf eine Kunstgalerie in der Sparrstraße bezogen. Die Informationen der Zeugen führten dazu, dass ein Durchsuchungsbefehl für das Objekt beantragt und vollstreckt werden konnte.

Auf der Spur des Verdächtigen

Die Galerie „Paradise KulturRaum“ besteht erst seit gut einem Vierteljahr. Wie die Berliner Morgenpost von Anwohnern erfuhr, finden dort drei Mal pro Woche kulturelle Veranstaltungen statt. Das Atelier wird von einer aus Chile stammenden Frau geführt, hieß es weiter. Künstler können in der Galerie ihre Werke ausstellen, zudem würden dort regelmäßig Musikveranstaltungen stattfnden. Zuvor waren die Räume im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses an der Sparrstraße als Gaststätte genutzt worden. Ob die Mieter der Galerie selbst in den Mordfall involviert sind, blieb zunächst aber unklar.

Die neun Räume des erst seit ein paar Wochen bestehenden Treffpunktes durchsuchten die Spezialisten der Mordkommission am Mittwoch mehr als acht Stunden lang.

Dabei konnten die Beamten zahlreiche Beweisstücke sichern, die unter anderem einer DNA-Untersuchung unterzogen werden sollen. Nicht auszuschließen ist, dass an den Spuren die DNA des Mordopfers entdeckt wird.

„Möglicherweise führt die Durchsuchung des Objekts zur Identifikation des Opfers sowie ihres Mörders“, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, noch am Donnerstagvormittag auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Bereits wenige Stunden später wurde dann bekannt, dass die Ermittler - offenbar im Zuge der Durchsuchung - auf die Spur zu einem Tatverdächtigen gestoßen sind.

Dieser Mann sei jedoch auf der Flucht. Es soll sich um einen Südamerikaner handeln, hieß es in Ermittlerkreisen. Die Polizei fahndet nach ihm. Gleichzeitig wurde ein weiterer Verdächtiger vorläufig festgenommen und anschließend vernommen. Dem Mann wird Strafvereitelung vorgeworfen, indem er Spuren beseitigt haben soll, sagte Martin Steltner, ohne jedoch weitere Einzelheiten zu nennen. So ist unklar, ob der Mann eventuell ein Mittäter sein könnte.

Dass das Atelier auch der Ort ist, an dem die Frau getötet wurde, ist ebenfalls noch nicht sicher. Allerdings soll es Indizien hierfür geben. Mehrere der gesicherten Spuren sollen das Gewaltverbrechen belegen.

Keine Angaben zur Identität

Ein großes Rätsel konnten die Ermittlungen durch Polizei und Staatsanwaltschaft inzwischen lösen. Die Tote ist mit großer Sicherheit identifiziert. Letzte Zweifel sollen weitere Untersuchungen klären, äußerte sich die Staatsanwaltschaft indes weiter vorsichtig. Angaben zur Identität wollte die Behörde nicht machen. Zunächst müssten die Angehörigen informiert werden, hieß es zur Begründung.

Trotz der Ermittlungsfortschritte sind weitere sachdienliche Zeugenhinweise gefragt. Denn ob die bei Durchsuchung von der Polizei gesicherten Beweisstücke zur Aufklärung des schrecklichen Mordfalls ausreichen werden, ist fraglich. Hinweise, die auf Wunsch auch vertraulich behandelt werden, nimmt die 3. Mordkommission unter der Berliner Telefonnummer 4664 – 911 333, per Mail unter LKA113-Hinweis@polizei.berlin.de oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Ungeklärt sind nach wie vor auch die Hintergründe zu einer anderen Leiche, die im vergangenen Jahr in einem Koffer entdeckt worden war. Beamte der Bundespolizei hatten im September 2014 in Spandau einen grausigen Fund gemacht. In einem Schuppen auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs am Brunsbüttler Damm waren die Beamten auf eine in einem Koffer deponierte Leiche gestoßen.

Nach Polizeiangaben hatte die Leiche bereits so starke Verwesungen aufgewiesen, dass nicht einmal festgestellt werden konnte, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte. Nachdem die Bundespolizisten ihre Kollegen von der Landespolizei verständigt hatten, hatte die 4. Mordkommission die weiteren Ermittlungen übernommen – denn bei einer Leiche in einem Koffer liegt ein Verbrechen verständlicherweise nahe. Im Fall der in Treptow entdeckten Toten hatte sich dies denn auch rasch bestätigt. Der Spandauer Fall ist nach wie vor ungeklärt.

( pletl )