Reinickendorf

Panisches Wildschwein greift zwei Männer im Garten an

In Reinickendorf ist eine Bache auf zwei Männer losgegangen. Einer der beiden wurde mit Bisswunden im Krankenhaus behandelt. Der Stadtjäger hat das Tier mittlerweile erlegt.

Die Begegnung mit einem Wildschwein am Sonntagvormittag endete für einen 78-Jährigen im Krankenhaus. Der Mann hatte zusammen mit seinem 48 Jahre alten Sohn das Tier auf dem Grundstück im Hermsdorfer Lachtaubenweg entdeckt. Bei dem Versuch, das Wildschwein zu vertreiben, griff das Tier plötzlich an und verletzte den 78-Jährigen schwer. Auch der Sohn erlitt Verletzungen, die ambulant behandelt werden mussten.

Die alarmierte Polizei bat daraufhin einen Stadtjäger um Hilfe. Nachdem auch die weiteren Versuche, die Wildsau zu vertreiben, scheiterten, und das Tier nun auch begann den Stadtjäger zu attackieren, griff dieser zum Gewehr und tötete das Wildschwein. Mehrere Schüsse habe der Jäger abgefeuert, berichtet ein Augenzeuge der Berliner Morgenpost.

Die zwei Männer hatten sich auf ihrem Grundstück aufgehalten und offenbar das Gartentor offen gelassen. So konnte die Bache – so die korrekte Bezeichnung für weibliche Wildschweine – ungehindert auf das Areal gelangen und sich hinter dem Einfamilienhaus verstecken. Als die Männer das Tier von dort verjagen wollten, kam es zu dem Angriff. Das Wildschwein hatte offenbar keinen Ausweg gefunden und deshalb in Panik zugebissen.

Unklar blieb am Sonntag, warum es nicht gelang, die Bache vom Grundstück zu vertreiben. Und auch die Frage, ob die Bache Frischlinge hatte und deswegen eigentlich nicht hätte getötet werden dürfen, blieb offen.

„Die kommen beinahe täglich hier entlang“

Wildschweine gehören in der idyllischen Waldsiedlung am Stadtrand zu den Zaungästen, ebenso wie Rehe oder Füchse. Hundebesitzer führen ihre Vierbeiner an der Leine aus, immer in der Sorge, dass der Jagdinstinkt mit ihnen durchgehen könnte. „Die kommen beinahe täglich hier entlang“, sagt Anwohnerin Monika Becker.

Eigentlich seien die Tiere friedlich und behelligten keinen der Siedlungsbewohner. „Dennoch habe ich Respekt vor ihnen“, sagt sie weiter. Dies sei auch der Grund gewesen, warum sie sich vor kurzer Zeit an ihrem Grundstück einen stabilen Zaun habe setzen lassen. Doch einige Anwohner würden die Tiere in falsch verstandener Tierliebe füttern. So habe eine Nachbarin in der Vergangenheit eigens Spaghetti für die Wildschweine gekocht und am Waldrand niedergelegt.

Mit ihren kräftigen Rüsseln graben Wildschweine den Boden auf oder drücken Zäune hoch, um an die Nahrung in Komposthaufen, Papierkörben oder Abfalltonnen zu gelangen. In den Berliner Stadtrandlagen leben etwa 4000 Wildschweine.

Senatsverwaltung empfiehlt Umfriedung von Gärten

Eine Broschüre der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beschreibt den hervorragenden Geruchssinn der Tiere. Sie wittern auch aus großer Entfernung Nahrung wie Zwiebeln, Obstreste oder Knollen. Deshalb empfiehlt die Senatsverwaltung, Gärten zu umfrieden. Da die Tiere sehr viel Kraft entfalten würden, müsse der Zaun sehr solide gebaut werden, um den Rüsseln Stand zu halten. Wildschweine könnten im Bedarfsfall auch springen. Deshalb sollte die Umfriedung des Gartens eine gewisse Höhe (ca. 1,50 m) aufweisen.

Bei einer Begegnung mit einem Wildschwein sollte man Ruhe bewahren und den Tieren eine Rückzugsmöglichkeit gewähren. Auf keinen Fall dürfe ein Wildschwein eingeengt oder in einen verschlossenen Raum in eine Zaun- oder Hausecke gedrängt werden. Eine Bache mit Frischlingen müsse in großem Abstand umgangen werden