Friedenau

Stolperstein-Infokasten zerstört - kurz vor Besuch aus Israel

In der Stierstraße in Friedenau erinnern 57 Stolpersteine an deportierte Juden. Ein Infokasten informiert darüber. Doch zum wiederholten Mal wurde er attackiert. Nun hängt dort ein Zeugenaufruf.

Foto: Martin U. K. Lengemann

Einen Tag nach der Zerstörung des Schaukastens der Stolperstein-Initiative in Friedenau überlegen die Mitglieder, ob die Scheiben schnell ersetzt werden sollen, oder aber zersplittert mahnen soll. „Der Infokasten mit der zerstörten Scheibe kann auch ein Mahnmal sein und die rechtsradikalen Umtriebe hier in der Straße deutlich sichtbar machen", sagte die Sprecherin.

Bislang noch unbekannte Täter hatten die Glasscheiben in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag mit Pflastersteinen zerstört. Die Info-Tafeln hinter Glas stehen auf dem Grundstück der Philippuskirche an der Stierstraße. Die Scheibe sei an vier Stellen gesplittert, an einer Stelle habe ein Stein die Scheibe durchdrungen und liege jetzt in dem Kasten.

Der Pfarrer hatte den Schaden am Sonntagvormittag entdeckt und die Polizei alarmiert. „Es ist schon der dritte Anschlag auf den Infokasten, in dem sich Dokumente und Fotos zu den 57 Stolpersteinen, die in der Stierstraße liegen, ausgestellt sind", sagte Petra Fritschs, Sprecherin der Initiativgruppe der Berliner Morgenpost. „Ich hatte erst am Sonnabendvormittag eine Einladung zu einem Informationsrundgang zu den Stolpersteinen anlässlich des 70. Jahrestage der Befreiung vom Faschismus ausgehängt."

Angehörige aus Israel zu Besuch erwartet

Am Dienstag aber wird eine Verwandte von deportierten und ermordeten Angehörigen, für die in der Stierstraße Stolpersteine liegen, aus Israel anreisen. „Was wird sie wohl denken, wenn sie den beschädigten Informationskasten sieht?", stellte Fritsche stellvertretend für einen Teil der Initiativgruppe die Frage. Am Montag wollte die Sprecherin gemeinsam mit der Initiativgruppe eine Lösung finden.

„Die Frau, die uns besucht, ist eine Verwandte der Familien Herrmann und Riesenburger", sagte sie. Vier Stolpersteine liegen in der Stierstraße für die Familienmitglieder. „Die Frau selber konnte als Kind Berlin noch verlassen und hat in Frankreich überlebt. Später ist sie nach Israel ausgewandert.“ Die heute 90-Jährige besucht seit ihrer Kindheit zum ersten Mal wieder ihre Geburtsstadt Berlin. Sie möchte am Dienstag an den Stolpersteinen beten und wollte sich auch an dem Informationskasten einen Überblick über die Arbeit der Initiativgruppe verschaffen.

Die Ermittlungen hat der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt übernommen. Die Initiativgruppe hat einen Zeugenaufruf an dem zerstörten Kasten ausgehängt.

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