Vermummte

Randalenacht in Neukölln - Rathaus und Gericht attackiert

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Andreas Gandzior

Foto: ABIX

Rund 50 Vermummte haben mehrere Gebäude mit Steinen und Farbe attackiert. Der Staatsschutz ermittelt und prüft auch, ob es einen Zusammenhang mit dem Angriff auf eine Leipziger Polizeiwache gibt.

Das Amtsgericht und das Rathaus an der Neuköllner Karl-Marx-Straße sind mit Farbe beschmiert. Fensterscheiben von zwei Banken wurden mit Pflastersteinen eingeworfen. Unbekannte Täter haben Parolen auf die Fassaden der Gebäude geschmiert. In der Nacht zu Sonntag haben bis zu 50 zum Teil vermummte Personen in Neukölln randaliert und hohen Sachschaden verursacht. Mit sogenannten Krähenfüßen und einem Kettenschloss wollten die Täter zudem die Arbeit der Polizei sabotieren.

Auch Brezelbäckerei betroffen

„Es waren zwischen 30 und 50 Personen, die gegen 22.20 Uhr an der Karl-Marx-Straße Steine und Farbbeutel gegen insgesamt sieben Gebäude geworfen haben“, sagte ein Polizeisprecher der Berliner Morgenpost. „Außerdem sprühten sie mit roter Farbe linksgerichtete Parolen an einige Hausfassaden.“ Insgesamt wurden an sieben Gebäuden Beschädigungen festgestellt. Nach Auskunft der Polizei richteten sich die Angriffe nicht nur gegen das Rathaus, das Amtsgericht und zwei Banken, sondern auch gegen mehrere Läden in den Neukölln Arcaden. Dort waren ein Handyladen, eine Bäckerei und eine Brezelbäckerei betroffen. Außerdem besprühten sie einige Fassaden mit linksgerichteten Parolen.

Ins Visier der Angreifer geriet auch der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma und dessen Dienstwagen. Der Mann musste an einer roten Ampel an der Karl-Marx-Straße anhalten und wurde völlig unvermittelt von den Tätern angegriffen. Die Vermummten bewarfen das Fahrzeug mit Pflastersteinen. Dabei ging die Heckscheibe zu Bruch. Dann warfen die Unbekannten Farbbeutel in das Innere des Wagens. Der Fahrer des Sicherheitsunternehmens blieb unverletzt.

Offenbar im Zusammenhang mit den Stein- und Farbbeutelwürfen haben die Straftäter auch sogenannte Krähenfüße auf der Fahrbahn der Rollbergstraße vor dem Polizeiabschnitt 55 verteilt. Diese bestehen aus vier miteinander verbundenen Eisenstiften, wobei eine der Spitzen immer senkrecht nach oben zeigt. Fahren Fahrzeuge über einen Krähenfuß, zerstört das den Reifen. „Eine Frau, die zufällig mit ihrem Wagen durch die Rollbergstraße fuhr, hat sich beide Vorderreifen zerstört“, sagte ein Polizeisprecher. „Glücklicherweise ist sie unverletzt geblieben.“ Die Ermittler vermuten, dass derselbe Täterkreis an einer Torzufahrt zum Polizeiabschnitt 54 an der Sonnenallee ein Kettenschloss angebracht hat, um die Abfahrt von Einsatzfahrzeugen zu verhindern.

Vier Festnahmen

Vier Verdächtige wurden festgenommen, zwei von ihnen später wieder entlassen. Einen 22- und einen 26-Jährigen übergaben die Beamten dem ermittelnden Staatsschutz. Auf Flugblättern am Tatort nahmen die Randalierer Bezug auf den Tod des Flüchtlings Oury Jalloh. Er verbrannte vor zehn Jahren in Polizeigewahrsam in Sachsen-Anhalt. Bereits am Mittwochabend hatten Vermummte eine Polizeiwache im Süden von Leipzig angegriffen. 50 Vermummte bewarfen die Scheiben des Polizeireviers mit Pflastersteinen, Farbbeuteln und Feuerwerkskörpern und versuchten, eine Tür aufzubrechen, um den Polizeiposten zu stürmen.

Der Polizeiliche Staatsschutz bittet Zeugen in Neukölln, sich unter der Telefonnummer (030) 4664-952100, außerhalb der Bürozeiten unter (030) 4664-950130, zu melden. Hinweise nehmen auch alle anderen Polizeidienststellen entgegen.