Berlin-Lichtenberg

Überfall auf Geldtransport-Firma - Täter machen Millionen-Beute

Vier Maskierte sind mit Maschinenpistolen auf das Firmengelände einer Geldtransport-Firma an der Frankfurter Allee gestürmt und haben dort Bargeld erbeutet - vermutlich in Millionenhöhe.

Nach mehreren bewaffneten Raubüberfällen auf einzelne Geldtransporter in den vergangenen Monaten in Berlin, haben bislang unbekannte Täter in der Nacht zu Dienstag nun gleich den Firmensitz eines Geldtransportunternehmens überfallen.

Erst Ende September hatten mehrere Männer einen Geldtransporter dieser Firma in Charlottenburg ausgeraubt. Am späten Montagabend haben dann mindestens vier bewaffnete und maskierte Männer die Zentrale der Werttransportfirma in Lichtenberg überfallen.

Die Räuber gelangten am Abend auf das Firmengelände des Unternehmens an der Frankfurter Allee. Nach Polizeiangaben bedrohten sie die anwesenden zwei bis drei Mitarbeiter mit Schusswaffen und erbeuteten Bargeld.

„Gegen 22.40 Uhr haben die Unbekannten zunächst den Metallzaun des Geländes an der Frankfurter Allee zerstört und sich so Zutritt verschafft“, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag. „Anschließend haben sie die anwesenden Mitarbeiter mit Langwaffen bedroht und die Herausgabe des Geldes gefordert.“

Mit Maschinenpistolen bewaffnet

Nach ersten Ermittlungen des Landeskriminalamtes (LKA) hat es sich bei den Schusswaffen vermutlich um Maschinenpistolen gehandelt. Das hätten Zeugenbefragungen ergeben. Die Mitarbeiter des Unternehmens blieben unverletzt, die Täter flüchteten unerkannt mit ihrer Beute. Zur Höhe des Schadens machte die Polizei keine Angaben. Es wird vermutet, dass es sich um mehrere Millionen Euro handelt.

„Aufgrund der Weihnachtszeit, den Weihnachtseinkäufen am vergangenen Wochenende und den hohen Einnahmen in den Kaufhäusern und in den Einkaufscentern wird es sich um eine sehr hohe Summe handeln“, sagte Andreas Paulick, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste e.V. (BDGW), der Berliner Morgenpost. „Zu dieser Jahreszeit – vor Weihnachten – ist deutlich mehr Bargeld im Umlauf, als in den übrigen Monaten.“

Dass große Summen zunächst an den Firmensitz gebracht werden, wussten vermutlich auch die mit Sturmhauben vermummten Männer, die das Geld von mehreren Touren der Werttransporter erbeutet haben.

Paulick erklärte die Rolle der Wertdienstleister im Wirtschaftskreislauf: „Geldtransporter holen das Geld von den Filialen der Deutschen Bundesbank ab und bringen es auf Bestellung zu den einzelnen Banken“, sagte er. „Dort holen sich die Verbraucher das Geld aus den Geldautomaten oder heben es ab.“ Schließlich lande es in den Kassen der Händler.

„Der Handel will seine Einnahmen dann wieder ,entsorgen’ und beauftragt ein Wertdienstunternehmen, das Geld abzuholen“, so Paulick. „In einem nächsten Schritt bearbeiten Mitarbeiter des Wertdienstunternehmens es dann bundesbankgerecht auf.“

Das Geld wird gezählt, untersucht, das Falschgeld aussortiert und schließlich werden die Noten mit Banderolen versehen und das Münzgeld gerollt. Dann muss das Geld den einzelnen Kunden der Firma zugeordnet werden, damit es korrekt verbucht werden kann. „Da gibt es Standards, die die Bundesbank vorgibt.“ Abschließend werde das Geld dann wieder zu einer Bank gebracht.

Täter kamen mit dem Rollstuhl

Bereits Ende September waren die Fahrer eines Geldtransporters, der zu der der am Montag überfallenen Firma gehörte, ausgeraubt worden. Drei maskierte Männer, die bis heute nicht gefasst sind, hatten sich dem Transporter an der Hannah-Karminski-Straße in Charlottenburg genähert. Einer der Täter saß in einem Rollstuhl, um keinen Verdacht zu erwecken.

Die Mitarbeiter hatten ihr Fahrzeug am Ende einer Sackgasse geparkt und offenbar eine Pause eingelegt. Zwei Angestellte standen außerhalb des Wagens, während der Fahrer im Auto saß. Als die drei Maskierten auf der Höhe der Angestellten waren, zogen sie ihre Schusswaffen, bedrohten die Sicherheitsleute und nahmen ihnen die Dienstwaffen ab. Dann schossen sie mehrfach auf den Transporter.

Daraufhin verließ auch der Fahrer den Wagen. Die Räuber zwangen ihn, die Hecktür zu öffnen, griffen sich das Geld und flüchteten in einem bereitstehenden Audi. Kritik am Verhalten der Angestellten der Sicherheitsfirma kam wenig später vom BDGW. „Die Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens haben sich grob fahrlässig verhalten“, sagte Silke Wollmann, Sprecherin des Verbandes.

„Mitarbeiter dürfen nur in gesicherten Bereichen oder vor den Geschäften, die sie anfahren, das Fahrzeug verlassen.“ Ebenso grob fahrlässig sei das Parken an Orten, an denen sie nicht schnell wegfahren könnten. Der Geldtransporter war in Richtung Spree geparkt. Bei einem Fluchtversuch hätten die Angestellten erst wenden müssen, um sich in Sicherheit zu bringen. In beiden Fällen ermittelt ein Raubkommissariat des Landeskriminalamtes.