Olympia 2024

Olympia-Bewerbung – Hamburg schafft bereits Fakten

Hamburg prescht bei der Olympia-Bewerbung voran. Obwohl die Entscheidung erst Montag fällt, hat die Hansestadt bereits die Ausschreibung für die Bewerbung beim IOC veröffentlicht.

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Im Wettstreit um die mögliche Austragung der Olympischen Spiele zeigt sich Hamburg siegesgewiss – oder unnötig voreilig. Obwohl die Entscheidung erst am Montag fällt, schafft Hamburg bereits Fakten. Der Finanzsenator hat die Ausschreibung für die Olympiabewerbung der Hansestadt beim IOC im europäischen Amtsblatt veröffentlicht. Hamburg sucht demnach bereits eine Agentur für die "Planung, Koordinierung und Erstellung der Bewerbungsdokumente (Bid Book) im Rahmen des IOC-Verfahrens für die Vergabe der Olympischen und Paralympischen Spiele 2024", wie es in der Ausschreibung heißt, die am 6. März rausging und am 11. März im Amtsblatt veröffentlicht wurde. Bewerbungsende ist der 26. März, der Vertrag soll ab dem 12. Mai gelten.

Ein voreiliges Handeln im Gefühl des sicheren Sieges will der Hamburger Senat darin nicht sehen. "Selbstverständlich steht die EU-weite Bekanntmachung unter dem ausdrücklichen Vorbehalt der Entscheidung der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes am 21.03.2015", sagte Hamburgs stellvertretender Regierungssprecher Jörg Schmoll am Donnerstag. "Gleichwohl wurde die Bekanntmachung bereits jetzt veröffentlicht, um nach einem möglichen Zuschlag qualifiziert und vor allem fristgerecht die notwendigen Arbeiten anpacken zu können." Die Abgabe für die erste Bewerbung werde bereits für Anfang Januar 2016 verlangt, so die Argumentation des Hamburger Senats für die verfrühte Ausschreibung. Hamburg wolle vermeiden unnötig unter Zeitdruck zu geraten – sollte die Stadt den Zuschlag erhalten.

Berlin will es weiter sportlich halten

Berlin will sich zum ungewöhnlichen Vorpreschen des Olympia-Konkurrenten nicht äußern. "Wir haben es bislang ganz sportlich gehalten, das heißt, wir kommentieren nicht Entscheidungen in Hamburg, sondern nur die in Berlin", sagte Sportsenator Frank Henkel (CDU) am Donnerstag. "Das halten wir auch weiter so."

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sieht in der vorgezogenen Ausschreibung kein Foulspiel der Hamburger. "Beide Städte haben uns gebeten, ihnen die Leistungspakete für die Ausschreibung des IOC zuzuschicken, damit das langfristige Verfahren einer europäischen Ausschreibung möglichst zügig abgeschlossen wird", sagte DOSB-Sprecher Christian Klaue. Er gehe davon aus, dass auch Berlin zeitnah eine entsprechende Ausschreibung veröffentlichen werde.

Die erste offizielle Bewerbung einer Stadt – das sogenannte Bid Book – muss bereits Anfang Januar beim IOC vorliegen. Darin werden nach der bereits vorliegenden Interessenbekundung weitere Fakten zu einer möglichen Austragung der Spiele abgefragt. Es ist üblich, dafür eine erfahrene Agentur zu beauftragen, die sich mit den speziellen Anforderungen des IOC auskennt. Insgesamt werden die Bewerbungskosten auf bis zu 50 Millionen Euro geschätzt, bevor sich das IOC auf eine Stadt festlegt. Bislang haben sich für die Spiele 2024 bereits Boston, Paris und Rom beworben.

Noch unklar ist, ob sich Istanbul nach zwei gescheiterten Versuchen ein weiteres Mal bewirbt. Außerdem wird damit gerechnet, dass sich auch Katar für die Austragung der Spiele bewirbt. Die dortigen Machthaber haben angekündigt, in den kommenden Jahrzehnten sämtliche sportlichen Großveranstaltungen austragen zu wollen. Den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 hat das Land bereits – allerdings unter höchst umstrittenen Umständen – erhalten.

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