25 Jahre Mauerfall

9. November 1989 - Das war die Nacht der Deutschen

An keinem anderen Datum ist in unserer Geschichte so viel passiert wie am 9. November. Eine Rekonstruktion des Tages 1989, der das Schicksal der Deutschen für immer veränderte.

Es ist der Tag der Deutschen. Abdankung des Kaisers 1918, Hitler-Putsch 1923 und die Pogromnacht 1938 sind nur einige der Ereignisse, die rein zufällig auf den 9. November fielen. Und natürlich, ebenfalls durch einen verrückten Einfall des Schicksals, der Fall der Mauer 1989. Auch wenn es im Rückblick erstaunlich erscheint: Absehbar waren die Ereignisse dieses Donnerstages und des anschließenden Wochenendes nicht. Eine Rekonstruktion des 9. November 1989.

Berlin-Prenzlauer Berg, vor 7 Uhr

In ihrer Wohnung in der Schönhauser Allee beginnt Angela Merkel ihren Tag. Die 35-Jährige freut sichauf den Abend, denn sie hat eine Karte für den Saunaabend im Thälmann-Bad ergattert. Vor ihr aber liegt ein ganz normaler Arbeitstag, im Zentralinstitut für Physikalische Chemie der Akademie der Wissenschaften in Berlin-Adlershof.

Berlin-Pankow, gegen 8.30 Uhr

Wolfgang Koch pocht das Herz. Der freiberufliche Kabarettist hat an diesem Morgen einen Termin beim Volkspolizeikreisamt in Wilhelmsruh. Er hat ein Visum für West-Berlin beantragt, um seine Mutter besuchen zu können, die dort in einem Krankenhaus liegt. Er ist entschlossen: Wird ihm die Reisegenehmigung verweigert, wird er einen Ausreiseantrag stellen, selbst wenn das vermutlich seine berufliche Existenz zerstören wird.

Berlin-Schöneberg, gegen 9 Uhr

In ihrem Büro schräg gegenüber des Schöneberger Rathauses sitzt an diesem Morgen Jutta Limbach. Die 55-jährige Professorin für Rechtssoziologie ist seit gut acht Monaten Justizsenatorin im rot-grünen Senat von Walter Momper; ihr Dienstsitz ist das frühere Gebäude der Nordstern-Versicherung am John-F.-Kennedy-Platz. Vor ihr liegt ein relativ normaler Tag – jedenfalls denkt sie das.

Berlin-Mitte, gegen 9 Uhr

Im DDR-Ministerium des Inneren in der Mauerstraße kommen im Büro von Gerhard Lauter vier Juristen zusammen. Der Oberst ist seit Anfang Juni verantwortlich für das Pass- und Meldewesen im SED-Staat. Am Vortag hat er einen brisanten Auftrag bekommen: Er soll in Kooperation mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) eine neue, vorläufige Reiseregelung ausarbeiten, die noch während der laufenden Sitzung des Zentralkomitees in Kraft treten soll – genau genommen am kommenden Morgen.

Berlin-Wilhelmsruh, kurz nach 9 Uhr

Pünktlich steht Wolfgang Koch vor dem Dienstzimmer mit dem Schild "Entscheidungsabholung", klopft an und tritt ein. Zu seiner großen Überraschung greift der Volkspolizist hinter dem Tresen in einen Stapel mit blauen DDR-Pässen, holt sein Dokument heraus und übergibt es im Austausch gegen den Personalausweis. Koch ist erleichtert, auch wenn er die neue Reisemöglichkeit an diesem Tag noch nicht nutzen kann – seine Kabaretttruppe ist am selben Abend in Hoyerswerder gebucht.

Berlin-Mitte, gegen 9.15 Uhr

Nach der Begrüßung trägt Oberst Lauter seinen drei Besuchern vor, was ihre Aufgabe ist: Sie sollen eine Formulierung für eine neue, vorläufige Reiseregelung finden, die hinreichend klar ist, um Druck abzubauen, aber zugleich nicht zu weit geht. An ein Ende der Kontrollen oder gar eine Öffnung der Mauer ist nicht gedacht.Berlin-Schöneberg, gegen 9.30 Uhr

Es ist ein normaler Arbeitstag für Jutta Limbach. Um elf Uhr tritt der Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses zusammen, an dem sie als zuständige Senatorin teilnehmen muss; vorher stimmt sie sich noch mit den Ausschussmitgliedern ihrer eigenen Partei, der SPD, ab.

Berlin-Mitte, gegen 10 Uhr

Im Gebäude des SED-Zentralkomitees kommt das höchste Gremium der DDR-Staatspartei zusammen, um seine dreitätigen Beratungen fortzusetzen. Hauptthema ist, wie die Entscheidungsgewalt der Kommunisten erhalten werden kann, obwohl Bürgerrechtler und Demonstranten längst die Machtfrage stellen.

Berlin-Mitte, gegen 10 Uhr

Gerhard Lauter überzeugt seine Besucher: Entgegen dem Auftrag der Partei- und Staatsführung will er nicht nur eine neue Regelung für die ständige Ausreise formulieren, sondern gleich noch die Erlaubnis für "Privatreisen". Nur so könne das Ziel erreicht werden. Auch die beiden Stasi-Männer stimmen diesem Vorschlag zu – das MfS ist stets auf dem Laufenden. Veröffentlicht werden soll die Neuregelung am 10. November um vier Uhr morgens. So bleibt genug Zeit, die zuständigen Dienststellen der Volkspolizei zu informieren. Wirksam wird die Reisefreiheit unter Vorbehalt erst am Wochenende.

Berlin-Mitte, gegen 10.30 Uhr

In der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in der DDR in der Hannoverschen Straße treffen sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) und der Honecker-Vertraute und Chef-Menschenhändler der DDR, der Anwalt Wolfgang Vogel. Es geht um humanitäre Verbesserungen in der DDR.

Berlin-Schöneberg, gegen 11 Uhr

Bei der stellvertretenden Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technologie, Ingrid Firchau, klingelt das Telefon. Ein Journalist ist am Apparat und fragt: "Was gedenkt der Senat zu tun, wenn heute Abend die Mauer fällt?" Firchau ist konsterniert – auf diese Frage hat sie keine Antwort.

Hamburg, wenig später

Peter Brinkmann, Reporter der "Bild"-Zeitung, nimmt einen Anruf aus der West-Berliner Senatskanzlei entgegen. Sein Informant teilt ihm mit, im anderen Teil der Stadt tue sich Wichtiges. Brinkmann macht sich sofort auf den Weg nach Ost-Berlin. Er ist als Reisekorrespondent zuständig für die Berichterstattung aus der DDR, weil die größte westdeutsche Zeitung kein festes Büro in Ost-Berlin unterhalten darf.

Berlin-Tiergarten, gegen 12 Uhr

Der Regierende Bürgermeister Walter Momper (SPD) hört am Rande einer Sitzung im Reichstagsgebäude gerüchteweise, in Ost-Berlin stehe eine wichtige Entscheidung bevor. Es fallen sogar die Worte: "Heute Abend geht die Mauer auf." Der SPD-Politiker ist vorsichtig, warnt aber doch die für Verkehr und für Inneres zuständigen Senatoren. Sie sollen sich auf den Fall der Fälle vorbereiten.

Berlin-Mitte, gegen 12.30 Uhr

In der Raucherpause der ZK-Sitzung trifft sich das Politbüro der SED zu einer kurzen Besprechung. Während sich die Mitglieder bei Zigaretten und Kaffee kurz entspannen, berichtet Generalsekretär Egon Krenz berichtet von der neuen Reiseregelung, die Gerhard Lauter ausgearbeitet und vom Innenministerium herüber geschickt hat. Die Hälfte der obersten Parteiführung ist anwesend. Krenz verliest den Entwurf und weist darauf hin, dass es noch am selben Tag verabschiedet werden soll. Es gibt nur eine kurze Diskussion, die sich vor allem um die Frage dreht, ob die Regelung mit der Sowjetunion abgestimmt sei? Krenz bestätigt. Das Politbüro reicht den Entwurf für die neue Reisereglung mit ganz wenigen Änderungen weiter an die formal zuständige DDR-Regierung, den Ministerrat. Im Umlaufverfahren sollen die 44 Minister das Papier absegnen, bis 18 Uhr.

Bonn, gegen 13 Uhr

Helmut Kohl (CDU) besteigt im Garten des Bundeskanzleramtes einen Hubschrauber, um zum Flughafen Köln-Bonn zu fliegen und von dort nach Warschau, zum Staatsbesuch bei der ersten frei gewählten polnischen Regierung.

Berlin-Schöneberg, gegen 13.30 Uhr

Im Schöneberger Rathaus trifft Wolfgang Vogel den Leiter der West-Berliner Senatskanzlei, Dieter Schröder. Es geht unter anderem um einen Bootsmann der Grenztruppen, der bei einem Fluchtversuch schwer verletzt worden ist und trotzdem eine lebenslange Haftstrafe im Stasi-Gefängnis Bautzen absitzen soll. Vogel signalisiert, die neue SED-Führung werde Entgegenkommen beweisen.

Berlin-Pankow, gegen 14 Uhr

Wolfgang Koch und die Mitglieder seines Ensembles packen ihre Utensilien zusammen, Kostüme, Verstärker und Instrumente, um gemeinsam nach Hoyerswerda zu fahren und dort im "Haus der Berg- und Energiearbeiter" aufzutreten.

Berlin-Schöneberg, gegen 14 Uhr

Der Pressesprecher des Senates, Werner Kolhoff, bekommt einen Anruf einer West-Korrespondentin in Ost-Berlin. Sie hat aus unsicherer Quelle gehört, dass im ZK der SED über Reiseangelegenheit beraten würde. Kolhoff ruft Walter Momper an, der ähnliches bereits gehört hat. Was bevorsteht, wissen aber beide nicht.

Berlin-Mitte, 14.30 Uhr

Kuriere bringen den Wortlaut der Beschlussvorlage aus dem Zentralkomitee direkt in die Ministerbüros. Doch nur 16 der 44 Minister weilen dort – viele der anderen halten sich als ZK-Mitglieder in der Parteizentrale auf.

Berlin-Charlottenburg, 15 Uhr

Im Bundeshaus an der Bundesallee treffen sich Wolfgang Vogel und der Staatssekretär im Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen, Walter Priesnitz. Die beiden reden aneinander vorbei: Vogel warnt vor gewaltsamen Übergriffen auf die Sperranlagen, Priesnitz fordert, die DDR möge für Reisefreiheit sorgen.

Berlin-Mitte, gegen 15.30 Uhr

Nach der schnellen Fahrt auf der Transitautobahn von Hamburg nach Berlin reiht sich Peter Brinkmann am innerstädtischen Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße in die Schlange von Autos ein, deren Ziel Ost-Berlin ist. Bei der Kontrolle durch die DDR-Posten fällt ihm nichts Besonderes auf.

Berlin-Mitte, gegen 16 Uhr

SED-Generalsekretär Egon Krenz unterbricht die Tagesordnung des strikt geheim tagenden Zentralkomitees und ergreift das Wort: "Was wir auch machen in dieser Situation, wir machen den falschen Schritt. Schließen wir die Grenzen zur CSSR, bestrafen wir im Grunde genommen die anständigen Bürger der DDR, die dann nicht reisen können und auf diese Art und Weise ihren Einfluss auf uns ausüben." Dann verliest der Generalsekretär Punkt für Punkt den Entwurf, einschließlich der Frist 10. November 1989 für die Veröffentlichung, und fährt fort: "Wie wir's machen, machen wir's verkehrt. Aber das ist die einzige Lösung, die uns die Probleme erspart, alles über Drittstaaten zu machen, was dem internationalen Ansehen der DDR nicht förderlich ist."

Berlin-Mitte, kurz nach 16 Uhr

Im Büro von Riccardi Ehrman, Chefkorrespondent der italienischen Nachrichtenagentur ANSA, klingelt das Telefon. Am Apparat ist Günter Plöschke, der Generaldirektor der DDR-Agentur ADN und Mitglied des SED-Zentralkomitees. Vor ihm liegt die Pressemitteilung über die neue Reiseregelung, die am folgenden Morgen veröffentlicht werden soll. Plöschke rät ihm, in der abendlichen Pressekonferenz den SED-Sprecher Günter Schabowski "unbedingt nach dem Reisegesetz zu fragen".

Berlin-Mitte, 17.30 Uhr

Günter Schabowski bespricht sich im Gebäude des Zentralkomitees kurz mit Egon Krenz, um Instruktionen für die Pressekonferenz zu bekommen. Der Generalsekretär schiebt seinem Medienbeauftragten schnell ein paar Zettel hinüber und sagt: "Teil das mit, das ist noch ein Extraknüller!"

Berlin-Mitte, 17.45 Uhr

Das DDR-Justizministerium erhebt aus formalen Gründen Einspruch gegen die neue Reiseregelung. Damit ist die Zustimmung im Umlaufverfahren unterbrochen. Laut Geschäftsordnung muss nun der DDR-Ministerrat in einer ordentlichen Sitzung entscheiden.

Berlin-Tiergarten, kurz vor 18 Uhr

Im Reichstagsgebäude eröffnet Jutta Limbach eine Diskussion mit den Rechtspolitikern des Europaparlaments.

Berlin-Kreuzberg, zur selben Zeit

Walter Momper trifft beim Hochhaus des Axel Springer Verlages an der Kochstraße ein, direkt an der Mauer. Hier wird heute Abend das "Goldene Lenkrad" offiziell verliehen, der Preis für die besten Autos des Jahres 1989.

Berlin-Prenzlauer Berg, kurz vor 18 Uhr

Angela Merkel ist aus Adlershof zurückgekehrt, packt jetzt ihre Sachen für den Sauna-Abend.

Grenzübergang Gudow (Schleswig-Holstein), 18 Uhr

Pünktlich beginnt Wilfried Brinkmeier, Oberkommissar beim Bundesgrenzschutz, seine abendliche Schicht. Er hat nicht die leiseste Ahnung, dass in der bevorstehenden Nacht etwas passieren wird.

Berlin-Mitte, 18 Uhr

Auf die Minute genau betritt Günter Schabowski den bis auf den letzten Platz besetzten Saal des Pressezentrums in der Mohrenstraße. "Bild"-Reporter Brinkmann hofft, dass sich die umherschwirrenden Gerüchte über eine wichtige Entscheidung bewahrheiten. Doch Der Sprecher des SED-Politbüros enttäuscht die Erwartungen: Rund eine Dreiviertelstunde lang gibt es Worthülsen und Banalitäten von sich, ohne konkret zu werden.

Berlin-Prenzlauer Berg, gegen 18.45 Uhr

Angela Merkel hat den Fernseher angemacht und verfolgt mit halber Aufmerksamkeit, was Günter Schabowski im Internationalen Pressezentrum mitteilt. Für besonders bedeutsam hält sie seine Ausführungen nicht.

Berlin-Mitte, wenig später

Endlich bekommt Peter Brinkmann das Mikrofon, um eine Frage zu stellen. Doch statt nach der Reiseregelung zu fragen, die ihn eigentlich interessiert, sagt er: "Hier ist die ,Bild'-Zeitung. Wenn Sie das alles machen wollen, mit freier Presse – wird dann die Zensur aufgehoben?" Kaum sitzt Brinkmann wieder und hört Schabowskis nichtssagende Antwort, ärgert er sich über sich selbst: Warum stellt er eine so unbedeutende Frage? Weshalb nutzt er die Chance nicht besser? "Völlig idiotisch", erkennt der erfahrene Reporter.

Berlin-Kreuzberg, zur selben Zeit

Im Axel Springer Haus verfolgen Bruno Waltert, der Chefredakteur der "Berliner Morgenpost", und sein Stellvertreter Jochim Stoltenberg die Übertragung von Schabowskis Auftritt. Pflichtprogramm, mit besonderen Nachrichten rechnen die beiden Journalisten nicht.

Berlin-Mitte, 18.52 Uhr

Endlich ist im Internationalen Pressezentrum Riccardo Ehrman an der Reihe, eine Frage zu stellen: "Herr Schabowski, Sie haben von Fehler gesprochen. Glauben Sie nicht, dass es war ein großer Fehler, diesen Reisegesetzentwurf, das Sie haben jetzt vorgestellt vor wenigen Tagen?" Schabowski reagiert instinktiv. Ein Mitglied des Politbüros wird gefragt, ob die SED einen Fehler gemacht habe? Dabei hat doch die Partei bekanntlich "immer Recht". Also antwortet er: "Nein, das glaube ich nicht." Allerdings reicht das nicht. Jetzt erinnert sich Schabowski, dass Krenz ihm doch vorhin im Zentralkomitee ein Papier in die Hand gedrückt hat, auf dem die neue Reiseregelung steht. Er solle es mitnehmen in die Pressekonferenz, hat der Generalsekretär gesagt. Doch Schabowski ist bisher nicht dazu gekommen, es zu lesen. Er sucht in dem dicken Bündel vor sich auf dem Tisch nach den zwei Seiten; ein Mitarbeiter hilft ihm. Die Zeit überbrückt Schabowski mit floskelhaftem Gestammel.

"Es ist eine Abfolge von Schritten, und die Chance, also durch Erweiterung von Reisemöglichkeiten, die Chance also, durch die Legalisierung und Vereinfachung der Ausreise, die Menschen aus einer, sagen wir einmal psychischen Drucksituation zu befreien - viele dieser Schritte sind ja im Grunde genommen unüberlegt erfolgt." Fast drei Minuten überbrückt er so.Berlin-Mitte, 18.55 Uhr

Endlich hält Schabowski das Papier in Händen, das er gesucht hat. Er atmet durch und setzt neu an: "Allerdings ist heute, soviel ich weiß, eine Entscheidung getroffen worden. Es ist eine Empfehlung des Politbüros aufgegriffen worden, dass man aus dem Reisegesetz den Passus herausnimmt und in Kraft treten lässt, der – wie man so schön oder so unschön sagt – die ständige Ausreise regelt, also das Verlassen der Republik. Weil wir es für einen unmöglichen Zustand halten, dass sich diese Bewegung vollzieht über einen befreundeten Staat, was ja auch für diesen Staat nicht ganz einfach ist. Und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen."

Berlin-Mitte, 18.56 Uhr

Im Saal des Pressezentrums ist es immer unruhiger geworden. Viele der Journalisten haben das Gerücht gehört, es werde eine neue Reiseregelung geben. Ein Reporter ruft Schabowski zu: "Das gilt...", ein anderer: "Ab wann tritt das..." Gleichzeitig setzt Ehrman nach: "Ohne Pass?" In diese Unruhe hinein stellt "Bild"-Journalist Peter Brinkmann, dessen Stimme weit trägt, eine knappe klare Frage: "Ab sofort?" Schabowski ist von der Reaktion der Journalisten überrascht und verwirrt. Er spricht die Vertreter der Weltpresse als "Genossen" an und fährt fort: "Mir ist das hier also mitgeteilt worden, dass eine solche Mitteilung heute schon verbreitet worden ist. Sie müsste eigentlich in ihrem Besitz sein."

Berlin-Mitte, 18.57 Uhr

Günter Schabowski liest die Sätze über "Privatreisen" vom Blatt ab, die Gerhard Lauter und seine drei Offizierskollegen sechs Stunden zuvor aufgeschrieben haben. Zahlreiche Reporter ahnen, dass sie gerade etwas sehr Wichtiges erleben. Aber was genau? Gilt die eben verkündete neue Reiseregelung wirklich ab sofort? Schabowski reagiert nervös auf die Nachfragen, ja unsicher: "Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich."

Berlin-Mitte, 19.01 Uhr

Verunsichert beendet der SED-Mann nun die Pressekonferenz rasch – er hat dem US-Sender NBC und seinem Anchorman Tom Brokaw ein persönliches Interview versprochen.

Frankfurt/Main, 19.02 Uhr

Am schnellsten fängt sich der deutsche Dienst der britischen Nachrichtenagentur Reuters. "Ausreise über alle DDR-Grenzübergänge ab sofort möglich - Schabowski" lautet der Text der ersten Eilmeldung schlicht. Sekunden später folgen Details: "Ausreisewillige DDR-Bürger können ab sofort über alle Grenzübergänge der DDR in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen. Das teilte SED-Politbüromitglied Günter Schabowski am Donnerstagabend vor Journalisten in Ost-Berlin mit. Schabowski sagte, die Ausreisewilligen bräuchten nicht mehr den Umweg über die Tschechoslowakei zu nehmen. Die zuständigen Ämter der Polizei seien angewiesen worden, Visa für die Übersiedlung sofort auszustellen."

Hamburg, 19.04 Uhr

Die größte westdeutsche Agentur, dpa, schickt ihre erste Vorrangmeldung: "Von sofort an können DDR-Bürger direkt über alle Grenzstellen zwischen der DDR und der Bundesrepublik ausreisen."

Berlin-Kreuzberg, wenig später

"Morgenpost"-Chefredakteur Bruno Waltert schnappt sich die ersten Agenturmeldungen und fährt hinauf in den 18. Stock des Verlagshauses, zur Verleihung des "Goldenes Lenkrades". Er informiert Walter Momper, der nicht völlig, aber ziemlich überrascht ist. Der Regierende Bürgermeister macht sich auf zum Sender Freies Berlin, um in der "Abendschau" aufzutreten.

Berlin-Prenzlauer Berg, wenig später

Mit ihrem Sauna-Beutel macht sich Angela Merkel auf den Weg zum Thälmann-Bad. Sie ist dort mit einigen Freundinnen verabredet.

Mainz, 19.17 Uhr

Gegen Ende der "Heute"-Sendung im ZDF verliest der Sprecher eine Meldung, die ihm kurz zuvor gereicht worden ist: "Noch einmal zurück nach Ost-Berlin. SED-Politbüromitglied Günter Schabowski hat vor wenigen Minuten mitgeteilt, dass von sofort an DDR-Bürger direkt über alle Grenzübergänge zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland ausreisen dürfen. Mit dieser heutigen Entscheidung sei eine Übergangsregelung bis zur Verabschiedung des neuen Reisegesetzes geschaffen worden. Schabowski äußerte sich vor der internationalen Presse."

Berlin-Charlottenburg, 19.35 Uhr

Im Studio der "Abendschau" gibt Walter Momper ein erstes Statement ab: "Es ist ein Tag, den wir uns lange ersehnt haben, seit 28 Jahren."

Berlin-Tiergarten, wenig später

Nur ein paar Meter westlich der Mauer ahnt Jutta Limbach nichts von den neuesten Entwicklungen. Etwa zwei Stunden bleibt sie im Reichstag abgeschnitten von der Weltsensation. Denn niemand stört die Debatte der Europa-Parlamentarier und informiert sie. Auch nicht, als die "Tagesschau" um 20 Uhr mit der Meldung aufmacht: "DDR öffnet Grenze".

Berlin-Prenzlauer Berg, kurz vor 20 Uhr

Mit einem knappen Dutzend anderer Frauen geht Angela Merkel in die Sauna. Es ist ein Ritual und tut gut.

Hamburg, 20.01 Uhr

Im Studio der ARD- "Tagesschau" verliest Jo Brauner mit ungerührter Miene die Spitzenmeldung. Der erste Satz lautet: "Die DDR öffnet die Grenze." Hoyerswerda, gegen 20.45 Uhr

Das "Sündikat" beendet, entgegen allen gewohnheiten, seinen Auftritt ohne Zugaben und beginnt sofort, die Utensilien einzupacken. Die Kabarettisten wollen nur eines: zurück nach Berlin!

Marienborn, kurz vor 21 Uhr

Mutter und Tochter Reffert erreichen in ihrem beigen Wartburg das Grenzgebiet. Nach kurzer Diskussion mit dem Posten, während der sie sich auf Günter Schabowskis Erklärung berufen, lässt sie der erste Kontrolleur durch.

Bonn, gegen 21 Uhr

Im Bundestag gibt Kanzleramtsminister Rudolf Seiters in der laufenden Abenddebatte über das Vereinsförderungsgesetz bekannt, dass die DDR ihre Grenzen geöffnet habe.: "Damit wird praktisch erstmals Freizügigkeit für die Deutschen in der DDR hergestellt." Spontan stehen die Abgeordneten auf und stimmen die Nationalhymne an: "Einigkeit und Recht und Freiheit".

Berlin-Tiergarten, 21.05 Uhr

Zum ersten Mal an diesem Abend fallen den DDR-Grenztruppen am Brandenburger Tor West-Berliner auf, die auf die breite, aber mit 2,20 Meter relativ niedrige Mauer vor dem Berliner Wahrzeichen geklettert sind. Das MfS stellt fest, "eine männliche Person" sei verwiesen worden: "Der Verweisung wird Folge geleistet."

Berlin-Prenzlauer Berg, 21.19 Uhr

Rund 100 Trabant stauen sich östlich des Übergangs Bornholmer Straße, außerdem 500 bis 1000 Fußgänger. Ein Offizier der Grenztruppen versucht, die Menschen zum gehen zu bringen: "Es ist hier und jetzt nicht möglich, Ihnen die Ausreise zu ermöglichen." Die Stimmung beginnt zu kippen.

Helmstedt, 21.25 Uhr

Nach mehreren Kontrollen erreichen Annemarie und Juliane Reffert die Grenze zur Bundesrepublik. Sie mussten zwar mehrfach anhalten, aber aufgehalten worden sind sie nicht.

Berlin-Prenzlauer Berg, 21.30 Uhr

Die Grenzkontrolleure wissen sich nicht mehr anders zu helfen, als besonders lautstarke und unzufriedene DDR-Bürger einzeln durch die Kontrollbaracken zu lassen. Jeder bekommt einen Stempel in den Personalausweis gedrückt, quer über das Foto. Ohne dass sie es erfahren, werden sie ausgebürgert aus der DDR. Ihnen soll die Wiedereinreise verweigert werden. Zwischen Stasi-Zentrale und Grenzübergangsstellen ist diese "Ventillösung" ausgeheckt worden.

Washington D.C., 15.34 Uhr Ortszeit (21.34 Uhr deutscher Zeit)

Aus dem Oval Office gibt US-Präsident George Bush eine kurze Erklärung ab. Er begrüße die Entscheidung, die Mauer zu öffnen. Bush ist sehr vorsichtig, vermeidet jeden Triumph Auf die Frage: "Sind Sie zufrieden?", antwortet er aber lächelnd: "ich bin sehr zufrieden!"

Warschau, 21.45 Uhr

Für die Ausgabe des "Heute-Journals" interviewt Peter Voss den Bundeskanzler live. Helmut Kohl äußert sich vorsichtig über die mutmaßliche Grenzöffnung: "Was wirklich aus dieser Entscheidung erwachsen wird, weiß ich nicht."

Berlin-Tiergarten, zur selben Zeit

Jutta Limbach erfährt, dass sich Bedeutendes ereignet. Alle Mitglieder des Senates sollen zu einer Sondersitzung im Schöneberger Rathaus kommen, gegen 22 Uhr. Die Justizsenatorin macht sich sofort auf den Weg.

Berlin-Mitte, gegen 21.50 Uhr

SED-Chef Egon Krenz versucht, den Chef der KPdSU zu erreichen. Doch Michail Gorbatschow hat sich schon zurückgezogen – in Moskau ist es bereits zehn Minuten vor Mitternacht.

Berlin, 21.53 Uhr

Das DDR-Fernsehen unterbricht den laufenden Spielfilm, um die ADN-Pressemitteilung über die neue Reiseregelung bekannt zu geben. Vier Minuten später wird die ungewöhnliche Maßnahme wiederholt, diesmal mit der Ergänzung: "Also – die Reisen müssen beantragt werden!" Es ist der letzte Versuch, den Dammbruch zu verhindern.

Marienborn, gegen 22 Uhr

Weil sie am morgigen Freitag Dienst im Krankenhaus hat, ist Annemarie Reffert mit ihren Wartburg und Tochter Juliane auf dem Rückweg. Die Einreiseformalitäten halten die beiden Magdeburgerinnen auf.

Berlin-Schöneberg, gegen 22.10 Uhr

Als eines der letzten Regierungsmitglieder kommt Jutta Limbach im Senatssaal an. Die Sitzung bringt wenig, denn außer Notfallpläne in Gang zu setzen kann die West-Berliner Landesregierung nichts tun. Die größte Sorge ist, dass es zu Ausschreitungen kommen könnte.

Warschau, gegen 22.30 Uhr

Helmut Kohl ist ärgerlich: Während in Berlin Geschichte geschrieben wird, sitzt er in Polen – und kann aus protokollarischen Gründen nicht einfach den Staatsbesuch abbrechen. Hektisch wird telefoniert, wie der Kanzler mit einer alliierten Macshine schnellstmöglich in die frühere Hauptstadt gebracht werden kann.

Hamburg, 22.42 Uhr

Wegen einer Fußballübertragung verspätet beginnen die ARD-"Tagesthemen". Moderator ist Hanns-Joachim Friedrichs. "Guten Abend, meine Damen und Herren", hebt der elegante Journalist an: "Im Umgang mit Superlativen ist Vorsicht geboten, sie nutzen sich leicht ab. Aber heute Abend darf man einen riskieren: Dieser 9. November ist ein historischer Tag. Die DDR hat mitgeteilt, dass ihre Grenzen ab sofort für jedermann geöffnet sind. Die Tore in der Mauer stehen weit offen."

Berlin-Mitte, 22.44 Uhr

Mehr als 200 DDR-Bürger haben am Sperrzaun vor dem Pariser Platz versammelt und schauen in Richtung Brandenburger Tor, das unerreichbar scheint. Von West-Berlin schallen Sprechchöre herüber.

Berlin-Tiergarten, 22.47 Uhr

Live schaltet die ARD zu Robin Lautenbach. Der SFB-Reporter steht auf westlicher Seite der Mauer und antwortet auf Friedrichs' Frage, ob die Grenze tatsächlich geöffnet sei: "Hier in der Invalidenstraße auf der anderen Seiten haben die Grenzpolizisten offenbar diese Weisung noch nicht bekommen oder sie haben sie nicht verstanden. Aber an sehr vielen anderen Grenzübergängen, nicht nur in der Bornholmer Straße, wir haben es auch gehört von der Sonnenallee und vom Ausländerübergang Checkpoint Charlie, ist es offenbar bereits möglich, mit dieser neuen Regelung völlig komplikationslos nach West-Berlin zu kommen."

Berlin-Prenzlauer Berg, gegen 23 Uhr

Mehrere zehntausend Menschen, irgendwo unter ihnen auch Angela Merkel, stehen auf Ostseite des Grenzübergangs Bornholmer Straße und verlangen, dass die Tore geöffnet werden. Harald Jäger, Stasi-Offizier und Kommandeur vor Ort, weiß: Er hat keine Alternative. Freiwillig werden die DDR-Bürger nicht mehr gehen, und wenn er schießen lassen sollte, würden seine Männer und er mit Sicherheit gelyncht werden.

Berlin-Kreuzberg, gegen 23.15 Uhr

Am Checkpoint Charlie haben sich mehrere tausend West-Berliner versammelt, die auf Ost-Berliner warten, deren baldige Ankunft erwartet wird. Die Stimmung heizt sich auf.

Berlin-Prenzlauer Berg, 32.25 Uhr

Verzweifelt telefoniert Harald Jäger mit seinem Vorgesetzten: "Es ist nicht mehr zu halten, wir müssen die Grenzübergangsstelle aufmachen." Sein Vorgesetzter antwortet schicksalsergeben: "Na, ist gut."

Berlin-Prenzlauer Berg, 23.30 Uhr

Endlich weist Harald Jäger seine Leute an: Kontrollen einstellen, Tore öffnen und Schlagbäume aus dem Weg schwenken! Ein Stasi-Offizier teilt die unabwendbare Entscheidung dem diensthabenden Grenztruppen-Major mit den Worten mit: "Wir fluten jetzt!" Die Grenze ist offen.

Autobahn Dresden-Berlin, 23.45 Uhr

Die beiden "Sündikat"-Trabbis kommen in den Empfangsbereich des Rias. Vor ihnen macht ein weiteres Auto wilde Lichtzeichen; gemeinsam rollen die drei Fahrzeuge auf den nächsten Parkplatz. Der Wagen hat ein Autoradio, das UKW empfängt, und Wolfgang Koch hört zum ersten Mal an diesem Abend mit eigenen Ohren die Sensation: "Ganz Berlin feiert eine große Party!", haucht der Moderator ins Mikrofon. Es ist wahr, die Mauer ist offen.

Berlin-Schöneberg, gegen Mitternacht

Jutta Limbach lässt sich nach Hause fahren. Seit sie als Mädchen den Krieg überstanden hat, bekommt sie in Menschenmassen Angstzustände. Also will sie, statt an die Mauer oder gar ans Brandenburger Tor, lieber nach Zehlendorf. Vor dem Fernseher kann sie sich genauso gut informieren wie auf der Straße.

Berlin-Wedding, zur selben Zeit

Im großen Strom von mehreren zehntausend Menschen ist Angela Merkel über die Bornholmer Straßen und die Bösebrücke nach West-Berlin gekommen. Sie will eigentlich ihre Tante in Hamburg anrufen, aus West-Berlin – aber sie hat kein westliches Münzgeld bei sich. Mit einigen wildfremden Menschen landet sie in einer Wohnung, trinkt Dosenbier, das jemand ausgibt. Als die Truppe weiterziehen Richtung Kurfürstendamm, seilt sich die Naturwissenschaftlerin ab: Sie muss am kommenden Morgen in Adlershof erscheinen.

Berlin-Tiergarten, 0.17 Uhr

Der Regierende Bürgermeister trifft am Übergang Invalidenstraße ein. Auch hier herrscht Freude, aber auch Anspannung. Momper schnappt sich ein Megafon und redet beruhigend auf die Massen ein.

Straußberg bei Berlin, 0.20 Uhr

Der Chef der DDR-Grenztruppen, Klaus-Dieter Baumgarten, befiehlt "erhöhte Gefechtsbereitschaft" für das Grenzkommando Mitte. 11.500 Mann, fast 600 Schützenpanzer und weitere schwere Waffen stehen bereit.

Berlin-Zehlendorf, 0.35 Uhr

Über die westliche Kontrollstelle Dreilinden, an der schon seit Jahren nicht mehr kontrolliert wird, kommen die ersten DDR-Bürger in ihren Trabbis und Wartburgs an. Vor der Kontrollstelle Drewitz auf Ostseite soll es einen Rückstau von 15 Kilometern geben.

Berlin-Spandau, 0.41 Uhr

Auch über den Übergang Heerstraße kommen DDR-Bürger nach West-Berlin. Alles bleibt friedlich.

Berlin-Mitte, gegen 1 Uhr

Peter Brinkmann ist unterwegs, um Stimmungen entlang der offenen Grenze einzufangen. Doch wie bringen sie ihre Notizen hinüber nach West-Berlin? Kurzerhand engagiert der Reporter eine Deutsch-Russin namens Nelly als Kurierin, die über den Checkpoint Charlie Notizen und belichtete Filme zum Axel Springer Verlag bringt.

Berlin-Mitte, 1.06 Uhr

Rund 150 Personen blockieren die Weidendammer Brücke an der Spree udn fordern, dass die mauer sofort und dauerhaft geöffnet werden müsse. Die Volkspolizei sieht sich mit der Räumung der Brücke, über die die Friedrichstraße verläuft, überfordert.

Berlin-Treptow, gegen 1.30 Uhr

Endlich sind Wolfgang Koch und seine "Sündikat"-Kollegen im südöstlichen Ost-Berlin angekommen. Doch schon weit vor dem Grenzübergang Sonnenallee sehen sie einen Riesentross von Menschen, in den sie sich einreihen. Die Stimmung ist gelöst, ja fröhlich.

Berlin-Kreuzberg, bald nach 2 Uhr

Zum letzten Mal in dieser Nacht wird die "Berliner Morgenpost" aktualisiert. Die Offsetmaschinen im langgestreckten Druckhaus an der Kochstraße laufen im Akkord. Vor den Eingängen drängen sich unzählige DDR-Bürger; die Kantine schickt frisch gebrühten Kaffee hinunter.

Berlin-Neukölln, wenig später

Mit seinem gültigen Besuchsvisum für West-Berlin in der Hand ist Wolfgang Koch durch die Kontrollen gerutscht -– nur interessiert sich kein Grenzer für das Dokument. Dabei war Koch am Morgen noch so glücklich, endlich seinen pass bekommen zu haben.

Berlin-Charlottenburg, am frühen Morgen

An zahllosen Orten in West-Berlin, vor allem aber am Kurfürstendamm steigt die bis dahin größte Party der deutschen Geschichte. Unbekannte menschen liegen einander in den Armen, jubel gemeinsam und freuen sich.

Berlin-Wedding, gegen drei Uhr

Der Chef des Pharmakonzerns Schering, der italienische Wahlberliner Giuseppe Vita, verlässt die Party am Grenzübergang Invalidenstraße, weil er am kommenden Morgen zu einem Termin nach Frankfurt fliegen muss. Er ist erschöpft, aber glücklich.

Berlin-Pankow, gegen 4.30 Uhr

Nach wenigen Stunden im Westen kommt Wolfgang Koch zurück in seine Wohnung an der Vinetastraße. Er legt sich hin, will aber schon gegen Mittag seine Mutter im Krankenhaus in West-Berlin besuchen - das notwendige Visum hat er ja.

Berlin-Mitte, gegen 6 Uhr

Nach einem 20-stündigen Arbeitstag kehrt Peter Brinkmann zurück in sein Hotel. Doch viel Zeit zum Ausruhen bleibt nicht.

Berlin-Zehlendorf, zur selben Zeit

Justizsenatorin Jutta Limbach lässt sich ins Büro fahren. Sie weiß: Jetzt muss unendlich viel organisiert werden.

Berlin-Adlershof, 7.15 Uhr

Pünktlich erscheint Angela Merkel zur Arbeit im Zentralinstitut für Physikalische Chemie der Akademie der Wissenschaften. Einige ihrer Kollegen allerdings erscheinen nicht.Mitarbeit: Cäcilie von Trotha

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