Gedenken

20 Jahre Mauerfall - so feierte Berlin

Mit einem großen Feuerwerk sind in Berlin die Feierlichkeiten zum Jubiläum des Falls der Mauer 1989 beendet worden. Der offizielle Teil ist vorbei - zehntausende Menschen waren gekommen, trotz Regens. Morgenpost Online berichtete bis in die Nacht von den Veranstaltungen in der Stadt.

+++ 23.34 Uhr, Berlin: Die letzten Worte des Tages sollen Bundeskanzlerin Angela Merkel gehören: Sie habe den Tag mit einem Gefühl des Glücks erlebt, sagte sie der ARD. Sie sehe diesen Tag in der Geschichte als uneingeschränkt schön und fröhlich an. Die Deutschen seien vorangekommen und könnten den "wunderschönen Blick" zurück wagen.

+++ 22.19 Uhr, Brandenburger Tor: Der Scorpions-Sänger Klaus Meine ("Wind of Change") sagt in einem Interview, er glaube nicht, dass der Prozess des Zusammenwachsens schon abgeschlossen ist. "Der vielzitierte Satz von der Mauer in den Köpfen, den spürt man hier und da natürlich."

+++ 21.43 Uhr, Brandenburger Tor : Die Menschenmenge löst sich auf. Völlig reibungslos verstreuen sich die Zuschauer in alle Richtungen.

+++ 21.21 Uhr, Brandenburger Tor: Thomas Gottschalk verabschiedet sich und die Nation. Feuerwerk!

+++ 21.18 Uhr, Brandenburger Tor: Die restlichen Domino-Mauersteine kippen - gleichmäßig nach links und rechts, dort entlang, wo früher die Panzermauer stand.

+++ 21.15 Uhr, Brandenburger Tor: Paul van Dyks nicht wirklich mitreißende Mauerhymne ist abgespult.

+++ 21.02 Uhr, Brandenburger Tor: Der zweite Teil der Styropor-Mauer fällt nicht mehr - der Domino-Effekt ist angehalten worden. Thomas Gottschalk erläutert, das habe man getan, um auf solche Mauern zu erinnern, die noch immer Völker trennen. Friedensnobelrpeisträger Muhammad Yunus steht neben Gottschalk und überbringt Grüße aus Bangladesh, wo auch einer der Domino-Mauersteine bemalt worden ist. Yunus, der den Friedensnoblepreis für sein Bemühen erhalten hat, mit Kleinstkrediten an die Ärmsten zu vergeben und sie wirtschaftlich selbstständig zu machen: "Lasst uns gemeinsam die Armut ins Museum bringen".

+++ 21.02 Uhr, Ebertstraße: Der zweite Teil der Domino-Mauer fällt.

+++ 20.58 Uhr, Internet: "#mauermob war eher #mauerflop" twittert @andreaskurtz. An der Oberbaumbrücke und vor der East-Side-Gallery fanden sich einige ein und bildeten die Mauer als Menschenkette nach. In der Bernauer Straße gab es auch eine Menschenmauer. Bis zum Wochenende hatte Mauer-Mob-Macher Martin Butler an die 5000 Anmeldungen - aber 33.000, die den kompletten Mauerstreifen nachbilden, sind es dann doch nicht geworden. Trotzdem: "Ich bin sehr stolz, dass die Leute trotz des Wetters rausgekommen sind", sagte Butler. "Es wird bestimmt nicht die letzte Aktion dieser Art sein."

+++ 20.50 Uhr, Brandenburger Tor: Bon Jovi spielt "We Weren't Born to Follow".

+++ 20.35 Uhr, Brandenburger Tor: Das Quintett "Adoro" singt den Marius-Müller-Westernhagen-Titel "Freiheit". Ganz schön getragen. Da hätte es fröhlicher, kraftvoller sein dürfen. Was nicht heißt, dass wir für David Hasselhoff plädieren würden.

+++ 20.33 Uhr, Brandenburger Tor: Beim ZDF ist das Bild eingefroren, weil der Kameramann stürzte: Der sollte eigentlich mit einem zweirädrigen Segway den fallenden Mauersteinen hinterherfahren und dabei filmen. Doch die Mauersteine fielen, und der Kameramann auch. Bilder in unserer Bildergalerie .

+++ 20.32 Uhr, Am Reichstag: Der erste Mauerstein ist angestoßen - die Kette kippt. Und beim ZDF friert das Bild ein - genau in dem Augenblick, als der erste Stein fällt. Den Anstoß haben der Mitbegründer des Gewerkschaft Solidarnosc in Polen und spätere polnische Präsident, Lech Walesa, und der ehemalige ungarische Ministerpräsident Miklos Nemeth übernommen.

+++ 20.14 Uhr, Potsdamer Platz: Noch immer versuchen viele Menschen zum Pariser Platz zu kommen - doch die Zugänge sind inzwischen gesperrt, derart voll ist es. Der S- und U-Bahnhof Brandenburger Tor ist geschlossen. Am Potsdamer Platz aber findet mancher einen Schleichweg über Höfe und durch Seitenstraßen.

+++ 20.12 Uhr, Brandenburger Tor: TV-Moderator Thomas Gottschalk tritt im Regen ohne Schirm vor das Tor. Gleich werden die Dominosteine kippen.

+++ 20.06 Uhr, Brandenburger Tor: Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht. "Nutzen wir das unschätzbare, alles andere als selbstverständliche Gut der Freiheit." Merkel erinnert auch daran, dass der 9. November für die Deutschen nicht nur ein Freudentag ist, sondern dass an diesem Tag 1938 die Reichspogromnacht stattgefunden hat.

+++ 20.04 Uhr, Hauptbahnhof, Bahnhof Friedrichstraße, Ostbahnhof, Südkreuz: Das Sonderangebot der Bahn zum Jahrestag des Mauerfalls hat in Berlin und auf vielen deutschen Bahnhöfen zu einem Riesenandrang geführt. Schon vor dem Verkaufsstart für den 20 Euro teuren Fahrschein um 18.57 Uhr hattensich lange Schlangen gebildet. Ein Bahnsprecher in Berlin sagte, dass dies "landauf, landab" so gewesen sei. Die Bestellung im Internet gehe zeitweise "etwas langsam", die Kunden müssten etwas Geduld aufbringen.

+++ 20.03 Uhr, Washington/Brandenburger Tor: US-Außenministerin Hillary Clinton spricht - und übergibt an ihren Chef: Die Ansprach von US-Präsident Barack Obama an die Deutschen wird per Videobotschaft eingespielt. "Die Arbeit für die Freiheit darf nie zu Ende gehen." Der Fall der Mauer am 9. November vor 20 Jahren sei ein Zeichen für ein "starkes Ankämpfen gegen Tyrannei" gewesen. Hillary Clinton sagte, mit der Maueröffnung sei nicht nur ein neues Kapitel für Deutschland, sondern für die ganze Welt aufgeschlagen worden. Berlin stehe "im Zentrum eines neuen wohlhabenden Deutschland und eines neuen wohlhabenden Europa". Es gebe aber immer noch Millionen von Menschen, die getrennt seien, die hinter Mauern zurückgehalten würden. "Wir müssen für die Freiheit weiter kämpfen",

+++ 20.02 Uhr, Ebertstraße, Unter den Linden: Die sind die Zugänge zum Festgelände am Brandenburger Tor geschlossen - der Andrang ist zu groß. Kommentar aus der Menge: "Das ist ja wie vor 20 Jahren."

+++ 19.53 Uhr, Brandenburger Tor: Gordon Brown, an die Bundesbürger gerichtet: "Die ganze Welt ist stolz auf Sie!" Die "historische Nacht" vom 9. November 1989 sei durch die "unbeugsame Kraft des Geistes" von Berliner Männern und Frauen in Gang gebracht worden. "Sie haben gewagt, in der Dunkelheit zu träumen". Und Sie hätten schließlich bewiesen, dass ein Volk, das eng zusammenstehe, "alles erreichen kann".

+++ 19.50 Uhr, Brandenburger Tor: Nicholas Sarkozy hat seine Rede gehalten, jetzt spricht Russlands Ministerpräsident Dimitri Medwedew - auf Deutsch: "Meine Damen und Herren, liebe Berliner!" Als weitere Vertreter der Aliierten kommen dann noch der britische Premier Gordon Brown und US-Außenministerin Hillary Clinton - Barack Obama ist in Asien auf Reisen.

++++ 19.44 Uhr, Brandenburger Tor: Wowereit (SPD) gedenkt der vielen Mauertoten und der Opfer der DDR-Diktatur. Zugleich dankt er den Bürgerrechtlern für ihren Widerstand in der DDR. Bis vor 20 Jahren sei das Brandenburger Tor, an dem das Fest der Freiheit am Abend begann, "ein Ort des Schreckens" gewesen.

+++ 19.35 Uhr, Brandenburger Tor: Sie sind durch: Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Außenministerin Hillary Clinton, der russische Präsident Dmitri Medwedew und Staats- und Regierungschefs aus 30 Staaten sind symbolisch durch das Brandenburger Tor gegangen. Nun spricht Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. Es ist voll auf dem Pariser Platz.

+++ 19.30 Uhr, Pariser Platz: Es wurde dann noch heiter: Nach Musik von Richard Wagner, Arnold Schönberg und Ludwig van Beethoven hat die Staatskapelle zum Mauerfall-Jubiläum als Überraschung einen Berliner Gassenhauer gespielt: Das Stück "Berliner Luft" des Komponisten Paul Lincke. Gesungen wurde es von Tenor Placido Domingo. Die Staats- und Regierungschefs auf der Ehrentribüne machten den Eindruck, als seien sie von der überraschenden Einlage durchaus angetan.

+++ 19.09 Uhr, Brandenburger Tor: Auftritt Daniel Barenboim: "Wir sind alle sehr bewegt, heute Abend hier zu sein und spielen zu dürfen." Und erinnert wurde nicht allein an den Mauerfall, sondern auch an die "Reichspogromnacht" und den Holocaust: Zu Arnold Schönbergs "A Survivor from Warsaw" las Schauspieler Klaus Maria Brandauer.

+++ 19.09 Uhr, Brandenburger Tor: Und das ist die Programmfolge für das "Fest der Freiheit":

Konzert von Staatskapelle Berlin und der Staatsopernchor (Herren) unter Leitung von Daniel Barenboim:
- Richard Wagner: Lohengrin, Vorspiel zum 3. Akt
- Arnold Schönberg: A Survivor from Warsaw (Ein Überlebender aus Warschau) op. 46 (Sprecher: Klaus Maria Brandauer)
- Ludwig van Beethoven - Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92, 4. Satz: Allegro con brio
- Friedrich Goldmann: Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen (Fragment, 2009)

Abschließend gehen die Ehrengäste (Staats- und Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft) durch das Brandenburger Tor von Ost nach West.

Gegen 19.30 Uhr Grußbotschaften von Klaus Wowereit und Angela Merkel sowie des französischen Premiers Nicolas Sarkozy, des russischen Ministerpräsidenten Dimitri Medwedew, des britischen Premiers Gordon Brown und der US-Außenministerin Hillary Clinton. Anschließend sprechen Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes, dazu die Bürgerrechtlerin Katrin Hattenhauer und der in der DDR verfolgte Journalist Roland Jahn.

Gegen 20 Uhr sollen der frühere polnische Präsident Lech Walesa und der frühere ungarische Ministerpräsident Miklos Nemeth am Reichstag die ersten Dominosteine anstoßen. Es folgen ein Beitrag von Adoro - fünf jungen Opernsängern - sowie ein Gespräch mit Michail Gorbatschow, ehemaliger Präsident der Sowjetunion, und Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Der amerikanische Rocksänger Bon Jovi spielt den Titel "We Weren't Born To Follow", der der Friedlichen Revolution von 1989 gewidmet ist.

Gegen 20.15 Uhr beginn Schüler der Europaschulen gemeinsam mit dem früheren polnische Ministerpräsidenten Jerzy Buzek und dem Präsidenten der EU-Kommission José Manuel Barroso den Dominofall vom Potsdamer Platz aus, live begleitet von der Percussion-Gruppe Stamping Feet. Anschließend sprechen der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus und der koreanische Künstler Ahn Kyu-Chul.

Zum Finale am Brandenburger Tor wird gegen 20.30 Uhr auf dem Platz des 18. März die Friedenshymne "We Are One" des Berliner Techno-DJ Paul van Dyk uraufgeführt. Zu diesem Zeitpunkt sollen die letzten Dominosteine fallen - und es gibt ein großes Feuerwerk.

+++ 19.04 Uhr, Brandenburger Tor: Der Regen, so scheint es, wirkt gar nicht abschreckend. Am Brandenburger Tor hat das "Fest der Freiheit" zum 20. Jahrestag des Mauerfalls begonnen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) begrüßte zehntausende Menschen, die schon in den Stunden vorher im strömenden Regen zum Pariser Platz gekommen waren.

+++ 18.57, Internet und an allen Bahnhöfen mit Kartenschaltern: Nach der Telekom, die zum Mauerfall-Jubiläum SMS verschenkt, startet nun auch die Bahn AG eine Mauerfall-PR-Aktion: das Mauerfall-Spezial - Fahrkarten für 20 Euro pro einfache Fahrt zu einem Ziel in Deutschland, unabhängig von der Streckenlänge. Die Tickets gelten auch für Fahrten im ICE, sind allerdings nur wenige Stunden buchbar - online vom 9. November, 18.57 Uhr bis zum 10. November, 3 Uhr. An den Kartenschaltern wird so lange verkauft, wie der Vorrat reicht. Einige der Bahn-Reisezentren haben darum am heutigen Montag länger geöffnet - hier gibt's die Sonderöffnungszeiten als PDF . Doch selbst am späten Abend schien der Andrang auf die Website so groß zu sein, dass viele Interessierte nicht buchen konnten.

+++ 18.36 Uhr, Schloss Bellevue: Die Präsidentensuites in der Stadt sind ausgebaucht - auch weil Bundespräsident Korst Köhler geladen hatte: Köhler empfing die Staatsgäste am Abend in seinem Berliner Amtssitz. Unter ihnen waren die Präsidenten von Russland und Frankreich, Dmitri Medwedew und Nicolas Sarkozy, US-Außenministerin Hillary Clinton sowie Altbundespräsident Richard von Weizsäcker. Der Wandel, der auf den Mauerfall folgte, habe das Gesicht Europas verändert, sagte Köhler. Mit dem Ende des Kalten Krieges seien jedoch keineswegs alle Probleme gelöst worden. Vielmehr habe sich gezeigt, dass der Ost-West-Konflikt Menschheitsprobleme wie Armut und Hunger nur in den Hintergrund gedrängt habe.

+++ 17.13 Uhr, Westjordanland: Am 20. Jahrestag des Mauerfalls haben Hunderte Palästinenser am Montag ein rund acht Meter hohes Mauersegment der israelischen Sperranlage zum Westjordanland niedergerissen. Die Demonstranten schwenkten palästinensische Fahnen und forderten den vollständigen Abbau der Mauer. Die Palästinenser brachten das Mauersegment mit Hilfe eines Drahtseils und eines Lastwagens zu Fall. Daraufhin entstand in der Nähe des Kalandija-Grenzübergangs eine kleine Lücke zwischen dem Westjordanland und Ostjerusalem. Die Organisatoren erklärten, dass die israelische Mauer länger und höher als die ehemalige Mauer in Berlin sei. Israel hatte nach einer Serie blutiger Anschläge von Palästinensern im Juni 2002 beschlossen, eine Sperranlage zum Westjordanland zu bauen. Rund 60 Prozent der mehr als 700 Kilometer langen Anlage sind fertiggestellt. Israel weist darauf hin, dass seitdem die Zahl der Anschläge und damit verbundenen Todesopfer deutlich zurückgegangen sei.

+++ 16.58 Uhr, Am Karlsbad: Es sieht nach Rekord aus. Die Hotels sind so voll wie nie. Nach Angaben der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) sind nur noch vereinzelt Zimmer verfügbar - und die Präsidentensuiten der Stadt sind komplett belegt. BTM-Geschäftsführer Burkhard Kieker erwartet, dass der Besucheransturm zum Mauerfall-Jubiläum Berlin zu einem neuen Tourismus-Rekord verhilft.

+++ 16.29 Uhr, Pariser Platz/Ebertstraße: Man ist offenbar sehr gespannt: Schon jetzt haben sich laut Veranstalterangaben Zehntausende am Brandenburger Tor zum "Fest der Freiheit" versammelt - das soll der Höhepunkt der Feierlichkeiten werden. Zu sehen ist - inzwischen beleuchtet - das 1,5 Kilometer lange Domino-Kunstwerk, das am Abend in einem symbolischen Akt umgestoßen wird.

+++ 16.04 Uhr, Warschau: Mauerfall in Handarbeit: In Warschau hat der deutsche Botschafter Michael H. Gerdts die Mauer eingerissen, oder besser: umgestürzt. Die Mauerteile nämlich sehen zwar aus, als wären sie aus Beton und tonnenschwer. Bemalt sind sie auch. Aber leichtgewichtig: Sie bestehen aus Plastikschaum.

+++ 16.03 Uhr, München: Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, sieht das Mauerfall-Jubiläum kritisch: Das Gedenken an die "Reichspogromnacht" am 9. November 1938 werde "von der Freude über 20 Jahre Mauerfall überlagert". In Zukunft müsse beider Ereignisse in angemessener Form gedacht werden, forderte Knobloch in München. In München hatte NS-Propagandaminister Joseph Goebbels mit einer Hetzrede den Startschuss für die blutigen Ausschreitungen im ganzen Reich gegeben. Bei Gedenkveranstaltungen in Berlin und anderen Orten wurde an den Mauerfall und an die Reichspogromnacht 1938 erinnert. Bundespräsident Horst Köhler nannte den 20. Jahrestag des Mauerfalls einen "glücklichen Tag" in der jüngeren deutschen Geschichte, sagte aber auch: "Der 9. November 1938 und der 9. November 1989 sind miteinander verbunden."

+++ 15.47 Uhr, Paris: In Frankreich zweifelt man an Staatschef Nicolas Sarkozy. Der hatte auf seiner Facebook-Seite behauptet, er er sei am 9. November 1989 nach Berlin gereist und habe dort Stücke aus der Mauer gehauen. Das will Alain Auffray nicht glauben. Nicht einmal in Berlin, geschweige denn in Paris habe am Morgen des 9. November damals jemand ahnen können, dass die DDR die Grenzen öffnen würde, schrieb der französische Journalist und langjährige Deutschland-Korrespondent in seinem Blog für die Zeitung "Libération" . Sarkozy sei an jenem geschichtsträchtigen Tag vermutlich wie jedes Jahr in Colombey-les-Deux-Eglises gewesen, zum Gedenken an Republikgründer Charles de Gaulle.

Auch der ehemalige Regierungschef Alain Juppé, mit dem Sarkozy seinerzeit nach Berlin reiste, wollte sich nicht auf den 9. November festlegen. Zusammen mit seinen Parteifreunden der damaligen Partei RPR müsse er "am Abend des 9. November oder ein paar Tage später" in Deutschland gewesen sein, schrieb der Konservative in seinem Blog – vor einigen Wochen datierte er die Reise im Fernsehen auf den 10. oder 11. November. In einem 1993 veröffentlichten Buch berichtete Juppé noch, er sei am 16. November 1989 in Berlin gewesen. Dem Archiv der Nachrichtenagentur AFP zufolge sprach Juppé am 10. November 1989 mit dem Fernsehsender Antenne 2 über den Mauerfall, ohne mit einer Silbe einen Besuch dort zu erwähnen.

+++ 15.39 Uhr, Mauerstraße: Und noch eine Protestaktion, für die das Mauerfall-Jubiläum dem Rahmen abgeben soll: Nahe der ehemaligen Berliner Mauer haben Mitglieder der Großen Tarifkommission Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di am 20. Jahrestag des Mauerfalls in der Mauerstraße in Mitte ein "Tarifmärchen" aufgeführt. Damit sollte für die Angleichung der Gehälter der ostdeutschen Einzelhandelsbeschäftigten an das Westniveau demonstriert werden. Nach Angaben der Gewerkschaft müssen Vollzeitbeschäftigte in Ostberlin und Brandenburg bei gleichem Gehalt eine Stunde länger arbeiten als ihre Kollegen in Westberlin. Zudem erhielten sie weniger Weihnachts- und Urlaubsgeld.

+++ 15.32 Uhr, Bornholmer Straße: : Liedermacher Wolf Biermann trägt im Nieselregen plattdeutsche Gedichte vor – auf Sächsisch. "Das ist eine Mischung wie Senf und Marmelade, ich hab das alles von meiner Oma Meume gelernt", rief der Künstler, den die DDR 1976 ausgebürgert hatte. Biermann lebt in Hamburg, will aber nach Berlin zurückkehren. Seinem Publikum versicherte er am Montag: "Hier verberlinerfiziere ich mich wieder."

+++ 15.24 Uhr, Bornholmer Straße: Die Demokratiebewegung in der DDR hatte auch Qualitäten, die manchem Werbetexter gut zu Gesicht stehen würden: Der brillante Slogan "Wir sind das Volk war "so unglaublich einfach, aber so unendlich kraftvoll", findet der frühere DDR-Bürgerrechtler und ehemalige Chef der Stasi-Unterlagenbehörde Joachim Gauck.

+++ 15.11 Uhr, Bornholmer Straße: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht symbolisch spazieren: Gemeinsam mit dem ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow ist Merkel über die Bornholmer Brücke in Berlin gegangen. Im dichten Gedränge - es sei "etwas weniger geordnet" als sonst bei diplomatischen Empfängen, sagte Merkel - wurde sie bei dem symbolischen Spaziergang auch vom früheren polnischen Gewerkschafter und Staatspräsidenten Lech Walesa, Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und ehemaligen DDR- Bürgerrechtlern.

Interaktive Karte: Die Veranstaltungen zum Mauerfall-Jubiläum

+++ 14.44 Uhr, Finnländische Straße: Greenpeace trifft Angela Merkel: Auf dem Dach eines Wohnhauses an der Finnländischen Straße haben Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace ein Transparent entrollt. Die Aktion steht im Zusammenhang mit der Klimakonferenz in Kopenhagen. Um 15 Uhr will die Kanzlerin gemeinsam mit ehemaligen DDR- Bürgerrechtlern über die frühere Grenze an der Bornholmer Straße gehen - in Sichtweite der Greenpeace-Aktivisten und des Greenpeace-Transparentes.

+++ 14.30 Uhr, Warschau: Die Katholische Nachrichtenagentur KNA berichtet: Papst Johannes Paul II. hat nach Einschätzung von Polens früherem Staatspräsidenten Lech Walesa am meisten zum Fall der Berliner Mauer beigetragen. Walesa sagte am Montag im polnischen TV-Nachrichtensender TVN24: "Die Öffnung der Mauer ist zu 50 Prozent ein Verdienst des Heiligen Vaters." Die von Walesa gegründete polnische Gewerkschaft Solidarnosc habe zu 30 Prozent und die sonstige Welt nur zu 20 Prozent dazu beigetragen. Walesa ist derzeit in Berlin. Er sollte am Abend den ersten Stein einer überdimensionalen Dominoreihe entlang des ehemaligen Mauerverlaufs anstoßen.

+++ 14.22 Uhr, Hof: Die friedliche Revolution in der DDR und der Fall der Mauer seien ein Triumph der Freiheit gewesen, sagt der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Aktuelle Probleme wie die Finanzkrise dürften kein Vorwand sein, am Wert der Freiheit und der Sozialen Marktwirtschaft zu zweifeln. Das bayerische Kabinett hatte heute wegen des 20. Jahrestags des Mauerfalls in der früheren Grenzstadt Hof getagt. Auch bei einem anschließenden Festakt in Mödlareuth rief Seehofer dazu auf, die Herausforderungen mutig anzugehen und zu bewältigen. Mödlareuth, vielen besser bekannt als "Little Berlin", war jahrzehntelang durch den quer durchs Dorf laufenden DDR-Grenzzaun getrennt.

+++ 14.05 Uhr, London: Die Mauer ist weg - geschmolzen: Vor der deutschen Botschaft am Belgrave Square hatten der in Dresden geborenen Künstlers Benjamin Walther und seine britische Frau Manon Awsr eine 3,5 Meter hohe Mauer aus Eisblöcken errichtet. Bei zehn Grad plus in der britischen Hauptstadt fing die Installation mit dem Titel "Work in Progress" sofort zu schmelzen an.

+++ 14.01, Rom: Die Mauer ist da - direkt an der Spanischen Treppe: Mit einer multimedialen Installation auf einem der meistbesuchten Plätze Roms feierte die italienische Hauptstadt am Montag den 20. Jahrestag des Mauerfalls. Bürgermeister Gianni Alemanno die Installation, die am Abend auch die Kulisse für einer Veranstaltung unter dem Motto "Hin zur (für die) Freiheit" liefern sollte. Der Fall der Mauer markiere das "Jahr null" der gegenwärtigen Epoche, sagte Alemanno. Allein in Rom waren Dutzende Ausstellungen, Installationen, Spektakel und Debatten rund um den Jubiläumstag vorbereitet worden.

+++ 13.23 Uhr, Voßstraße: Die Deutsche Gesellschaft hat ihren Preis für Verdienste um die deutsche und europäische Verständigung an den früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher verliehen sowie an die Moderatoren des Runden Tisches der DDR: Monsignore Dr. Karl-Heinz Ducke, Pastor Martin Lange und den früheren Oberkirchenrat Martin Ziegler. Schauspielerin Veronica Ferres hielt die Laudatio. Sie sagte: "250 000 Jahre Gefängnis in Bautzen, Cottbus, Chemnitz und Hohenschönhausen werden wir nicht vergessen. Dieses Leid hat sich in die Seelen von Millionen Menschen eingebrannt." Genscher sagte in seiner Rede: "Niemand ist mit leeren Händen in die deutsche Einheit gekommen. Die einen haben eine lebendige Demokratie und eine leistungsfähige Wirtschaft eingebracht, die anderen etwas sehr Kostbares, nämlich die friedlich und selbst errungene Freiheit, das hat uns Deutsche in einem ideellen Sinne reicher gemacht."

+++ 13.17 Uhr, Holzmarktstr. 33, Radialsystem V: Angela Merkel gibt eine Antwort auf die zentrale Frage der Falling Walls Conference im Radialsystem: Es war die Technik. Die Mauer fiel, weil die Ostdeutschen mutig waren - und wegen des technologische Fortschritts im Westen, so Merkel: Durch die hohe technologische Fähigkeit des Westens sei das planwirtschaftliche System an eine Grenze gestoßen, sagte die Kanzlerin auf der wissenschaftlichen Konferenz der Einstein Stiftung. Dort versuchen sich internationale Spitzenforscher an Antworten auf die Frage: "Welche Mauern fallen als nächstes - und wie wird das unser Leben verändern?"

+++ 13.00 Uhr: In den Tagen des Mauerfalls hat Udo Jürgens (75) in Berlin "Begrüßungsgeld" verteilt. Das verriet der Schlagersänger erst jetzt. "Ich habe überall gesehen, wie die Menschen in die Schaufenster geguckt haben. Ich habe 5000 Mark genommen und den Leuten in die Tasche gesteckt, in Hundertern. Das habe ich ganz heimlich gemacht."

+++ 12.45 Uhr, Berlin/Brüssel: EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat den 9. November als ein Datum in Erinnerung, an dem "alles möglich" schien. Barroso ist in Berlin - er reißt die Mauer ein, die aus Styropor, indem er mit dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, die Domino-Reihe anstößt. In einer von der Kommission veröffentlichten Stellungnahme wird Barroso mit den Worten wiedergegeben, der 9. November 1989 "war ein Moment, in dem alles möglich schien, gekennzeichnet von Glück, dem Verlangen nach Freiheit und der Idee einer friedlichen Revolution."

+++ 12.15 Uhr, Paris: Diese Mauer kann man essen: Der Pariser Schokolademacher Patrick Roger hat die Mauer aus Schokolade nachgebaut, 15 Meter lang, 900 Kilogramm Schokolade hat Roger verarbeitet. Damit die Mauer echt aussieht, bemalte Roger sie mit Bildern und Sprüchen aus Kakaopulver und Lebensmittelfarbe – nach dem Vorbild der echten Graffitis an der "East Side Gallery" in Berlin. Unter anderem ist auf der Schokomauer der berühmte Bruderkuss zwischen DDR-Staatschef Erich Honecker und dem sowjetischen Parteichef Leonid Breschnew zu sehen.

+++ 12.00 Uhr, Brandenburger Tor: Aufregung und Vorfreude - Schüler einer 13. Klasse der Torhorstschule in Oranienburg treffen Außenministerin Hillary Clinton am Brandeburger Tor. Die Jugendlichen haben einen der Dominosteine bemalt und dürfen ihr Werk der Außenministerin am Brandenburger Tor präsentieren. Clinton findet die Idee der tausend Steine, die zum Fallen gebracht werden, großartig. Auf dem Dominostein durchbricht ein voll besetzter Trabbi die Mauer und fährt aus dem Dunklen ins Licht. Über dieser Szene ist ein Regenbogen – "das Symbol für Licht und Freiheit", sagt Schüler Mona – und dass Hillary "eine ganz nette Person" sei. Aber da ist die US Außenministerin schon fort.

+++ 12.00 Uhr, Villa Schöningen, Potsdam: Direkt an der Glienicker Brücke in Potsdam öffnet die Villa Schöningen ihre Türen für die Besucher. Bis 1989 traf hier Brandenburg auf West-Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Sonntagabend das neue Museum eingeweiht. Das Haus beherbergt eine Ausstellung zur deutsch-deutschen Geschichte und zeitgenössische Kunst.

+++ 11.54 Uhr, Pariser Platz: Brandenburger Schüler erklären US-Außenministerin Hillary Clinton, wie das mit den Mauersteinen funktioniert. Clinton besuchte am Vormittag die Dominosteine am Brandenburger Tor, die Schüler zeigten der Außenministerin einen Stein, den sie eigens für die amerikanische Botschaft bemalt hatten. Darauf zu sehen ist ein Trabi zu sehen, der durch eine Mauer fährt.

+++ 11.30 Uhr, Mauer Gedenkstätte, Bernauer Straße: Die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße hat ein neues Besucherzentrum. "Wir müssen jüngere Generationen daran erinnern, dass Diktatur in Deutschland keinen Platz hat", sagt Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Das Gebäude an der Ecke Gartenstraße kostete 2,5 Millionen Euro und wurde innerhalb eines Jahres gebaut. Besucher sollen dort nach Angaben der Gedenkstätte "alle Grundinformationen zum Thema Mauer" erhalten. Besucher der Gedenkstätte zünden für die Opfer der Berliner Mauer Kerzen an.

+++ 11.27 Uhr, Hamburg: Außenminister Guido Westerwelle (FDP) weinte - vor Glück: "Ich bin nicht nah am Wasser gebaut, aber es gibt drei Momente in meinem Leben, wo ich wirklich am Fernsehen Weltgeschichte verfolgt habe und geweint habe", sagte Westerwelle in der für Montagabend aufgezeichneten ARD-Talksendung "Beckmann". "Als die Mauer fiel und eingerissen wurde, war ich wirklich völlig begeistert, gerührt und einfach richtig glücklich in dem Augenblick."

+++ 10.56 Uhr, Kanzleramt: Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt die US-amerikanische Außenministerin Hillary Clinton im Kanzleramt. Danach geht es dann zum Mittagessen mit Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Am Abend nimmt Clinton an den Feierlichkeiten am Brandenburger Tor teil. Die beiden Außenminister hatten sich bereits am Sonntagabend bei einer Galaveranstaltung des Atlantic Council im Hotel Adlon getroffen. Dort hatten Clinton und Westerwelle den Freedom Award für ihr Streben nach Freiheit und Demokratie für ihr jeweiliges Land entgegengenommen.

+++ 10.46, Bernauer Straße: Ernst Cramer, Vorstandsvorsitzender der Axel-Springer-Stiftung, spricht bei der Eröffnung der Gedenkstätte Bernauer Straße. Den Mauerfall empfinde er als "ein Wunder" der deutschen Geschichte. Cramer, der in der NS-Zeit im KZ Buchenwald inhaftiert war, erinnerte zudem an die Reichspogromnacht am 9. November 1938.

+++ 10.32 Uhr, Markgrafenstraße, Axel-Springer-Passage: Auch bei Placido Domingo erfreut sich Michail Gorbatschow besonderer Wertschätzung. Der Tenor - der in Berlin gastiert - kaufte am Sonntag einen Trabant mit Gorbatschow-Bildern darauf, für immerhin 28.000 Euro. Am Sonntagabend hatte Gorbatschow bei einem Galadinner in Berlin einen Ehrenpreis von der Benefizgala Cinema for Peace erhalten wie auch einen Preis des Musiksenders MTV. Zwischendurch signierte Gorbatschow Mauerteile aus Porzellan.

+++ 10.30 Uhr, Markgrafenstraße, Axel-Springer-Passage: Für seine Verdienste um den Mauerfall vor 20 Jahren ehrt der Verlag Axel Springer den ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow. Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Friede Springer enthüllten in der Axel-Springer-Passage eine Bronzebüste. "Seht auf diesen Mann Michail Gorbatschow, der den Mut hatte, die Lage in seinem Land zu ändern, dass sich die ganze Welt änderte", sagte Genscher in seiner Laudatio. "Das ist eine historische Leistung."

Michail Gorbatschow bedankte sich "bei allen, die die Idee hatten, so etwas zustande zu bringen". Gorbatschow erinnerte an die historische Bedeutung des Wendejahres 1989. "Es war der Schlusspunkt des Kalten Krieges und viel mehr als die Lösung der deutschen Frage", sagte Gorbatschow. Er gratulierte allen Deutschen zum 9. November und verwies auf die neue Verantwortung des vereinten Deutschlands. "Wir müssen ein gemeinsames Europa schaffen, das friedlich ist." Wenn das gelinge, werde Deutschland die Lokomotive für ein aufstrebendes Europa sein.

Die Enthüllung des Bronze-Bildnisses fand in Anwesenheit des Vorsitzenden der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, des ehemaligen Außenministers der USA, Henry Kissinger, und des Bildhauers Serge Mangin statt, der die Skulptur entworfen hat.

+++ 10.30 Uhr, Bernauer Straße, Kapelle der Versöhnung: An der Bernauer Straße beginnt eine Andacht in der Kapelle der Versöhnung . Der Gottesdienst wird auch nach draußen übertragen. Dort haben sich rund 100 Menschen versammelt. Der ovale Holzbau wurde auf den Fundamenten der zu DDR-Zeiten gesprengten Versöhnungskirche errichtet und steht auf dem ehemaligen "Todesstreifen".

Durch den Mauerfall sei "eine in Ost und West tief gespaltene Welt" eins geworden, sagte der Pfarrer der Versöhnungsgemeinde und Vorstand des Trägervereins der Gedenkstätte, Manfred Fischer. Er erinnerte daran, dass die Mauer wie eine Gefängnismauer gegen die Bürger der DDR gerichtet war.

+++ 10.12 Uhr, Stargarder Straße, Gethsemanekirche: Draußen Niesel, drinnen beim ökumenischen Gottesdienst in der Gethsemanekirche auch Bundespräsident Horst Köhler, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), Bundesbildungsministerin Anette Schavan (CCDU), Grünen-Vorsitzende Claudia Roth und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Berlins Bischof Wolfgang Huber sagt in seiner Hinführung: "Heute wollen wir die Freiheit bewahren, die damals erkämpft wurde.", sagte in seiner Hinführung. Die Kirchen, sagte Huber, seien wachsam, "wenn dem Unrecht des SED-Staats der Mantel der Verharmlosung umgehängt wird". Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskoferenz, warnte in seiner Predigt vor "potenziellen Mauerbauern", die es auch heute noch gebe. "Sie sollten nicht das Sagen haben, weder in der Gesellschaft noch in den Kirchen.

+++ 9.51 Uhr, Bernauer Straße: Zehnjährige Kinder aus Pankow in gelben Leuchtjacken vor den Fotos an der Mauergedenkstätte Bernauer Strasse. "Da ist die Grenze. Da war die", sagt ein Junge. Daneben ein älteres Paar aus Wien. "Also wir sind jetzt hier, dann muss da Osten gewesen sein."

+++ 9.32 Uhr, Zimmerstraße: Im ehemaligen Café Adler, jetzt eine "Einstein"-Filiale, sitzen zwei Auslandkorrespondenten an Ihren Laptops und geben Ihre Korrespondetnberichte durch - der eine nach Großbritannien, der andere nach Russland. Auf der Straße fotografieren Touristen den Checkpoint Charlie.

+++ 8.42 Uhr, Potsdamer Platz: Im Studioturm von Deutsche Welle TV nehme die Moderatoren noch ein wenig Wasser - gerade wird ein Beitrag eingespielt. Unter macht jemand den Kamerkran fertig. Gegenüber sind Bildschirme in der Größe einer vertitablen Reihenhausterrasse schon in Betrieb. Es läuft Werbung.

+++ 8.24 Uhr, Varian-Fry-Strasse: "Das hätten die ja auch mal früher ansagen können" - der Mann mosert: Die Buslinie M85 fährt durch den Tiergartentunnel, nicht über die Ebertstraße - dort stehen die Mauersteine für die Dominoaktion und Polizisten, beides bestaunt von von mehreren Schulklassen.

+++ 7.33 Uhr, Palo Alto: Google feiert den Mauerfall auch, mit einem "Doodle" - die Google-Schriftzug-Grafik ist ein Mauerfall-Motiv. Aber nur in Deutschland. In Australien feiert Google 40 Jahre Semstraße - mit Graf Zahl im Doodle. Das Netzwerk StudiVZ gönnt sich heute auch ein Mauerfall-Logo.

+++ 7.32 Uhr, Berlin: Schönes Wetter ist etwas anderes: Der 9. November 2009 wird ein feuchter Tag. Laut Wettervorhersage wird die Mindesttemperaturbei fünf Grad liegen, die Höchstemperatur bei 6 Grad. Regenwahrscheinlichkeit: 58 Prozent. Die gute Nachricht: Es wird besser. Ein wenig: Morgens gibt es Regen, am Nachmittag und am Abend dann Sprühregen.

+++ 0.23 Uhr Uhr, Internet: Die Deutsche Telekom gibt zum Mauerfall-Jubiläum einen aus, genau: ein paar Millionen. SMS nämlich: Kunden des Konzern können am 9. November den ganzen Tag über kostenlos simsen.

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