Hintergrund

Mauer & Kunst

Foto: picture-alliance / dpa / dpa

East Side Gallery

Es beginnt im Frühjahr 1990: An der Mühlenstraße bemalen 118 Künstler aus 21 Ländern ein 1316 Meter langes Stück der Berliner Mauer zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke. In den Mauerbildern spiegeln sich die Aufbruchstimmung der Wende und der Schrecken der Teilung wider. East Side Gallery nennen die Künstler dieses Mahnmal. 1991 wird dieses längste noch erhaltene Mauerstück unter Denkmalschutz gestellt. Doch bald stellt sich heraus: Zumindest physisch gesehen war die Berliner Mauer nicht für die Ewigkeit gebaut.

Streit um den Erhalt

Weil sich für den Erhalt des bröselnden Bauwerks weder der Senat noch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zuständig fühlen, gründen die Künstler 1997 einen Verein. Drei Jahre später gewinnen sie den Verband der Lackindustrie als Sponsor, um die ersten 40 der insgesamt 100 Bilder zu renovieren. Der Verein kann zwar nicht verhindern, dass der Senat der amerikanischen Anschutz Entertainment Group genehmigt, ein 45 Meter langes Teilstück herauszubrechen, um einen direkten Durchgang von der O2 World zu einem eigenen Bootsanleger an der Spree zu schaffen.

Zuschüsse

Dem Vereinsvorsitzenden Kani Alavi gelingt es aber, 2,5 Millionen Euro an staatlichen Zuschüssen locker zu machen, um alle Bilder komplett zu sanieren. Allerdings müssen dafür die Reste der ursprünglichen Bilder beseitigt werden – der Beton der Mauer muss grundsaniert werden. Das bedeutet: Die Bilder können nicht originalgetreu restauriert werden, sondern die Künstler müssen sie neu erschaffen.

Geplante Fertigstellung

Seit Oktober 2008 dauern die Arbeiten an. Rechtzeitig zum 20. Jahrestag des Mauerfalls soll die East Side Gallery wieder vollständig sein, wenn auch nicht genauso wie früher. Viele Künstler nutzen die Gelegenheit, ihre Werke von einst zu aktualisieren, ihnen das Gesicht zu geben, das sie 20 Jahre nach dem Mauerfall als angemessen empfinden. Die Touristen wird es nicht stören, im Gegenteil: Der Zustrom der Neugierigen aus aller Welt ist ungebrochen.

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