Treffen mit Scholz

Besuch in Berlin: Kaiserwetter für das spanische Königspaar

| Lesedauer: 8 Minuten
Nina Hermann

Für royale Fans gibt es am Montag und Dienstag zahlreiche Gelegenheiten, einen Blick auf König Felipe und Letizia zu werfen.

Berlin. König Felipe VI. (54) und Königin Letizia (50) sind zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Deutschland. Zum Auftakt wurden der König und die Königin am Montagvormittag bei strahlendem Herbstwetter von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender vor dem Schloss Bellevue mit militärischen Ehren begrüßt. Das Stabsmusikkorps der Bundeswehr spielte dabei beide Nationalhymnen.

Büdenbender und Letizia trugen am Montag dunkelblaue Kleider, wobei sich die Blautöne etwas bissen. Felipe schritt im schwarzen Anzug mit Steinmeier die Front des angetretenen Wachbataillons der Bundeswehr ab. Bevor Gastgeber und Gäste gegenseitig ihre Delegationen vorstellten, sprachen sie ausführlich mit einer Gruppe Schülerinnen und Schüler der Joan-Miró-Grundschule, einer bilingualen Schule in Berlin. Geduldig ließen sie Selfies mit sich machen und gaben Autogramme auf die kleinen deutschen und spanischen Papierfahnen, die die Kinder dabei hatten. Danach zogen die Staatsoberhäupter sich zu einem Gespräch zurück. Die Royals trugen sich dabei auch ins Gästebuch ein.

Steinmeier: Spanien und Deutschland können sich aufeinander verlassen

Nach dem Gespräch betonte Steinmeier die enge Verbindung Deutschlands mit Spanien auch in schwierigen Zeiten. "Spanien und Deutschland können sich aufeinander verlassen", sagte der 66-Jährige. Das gelte gerade auch in einer Zeit nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, in einer Zeit mit so viel Leid in der Ukraine und mit so vielen Flüchtlingen, die in anderen Teilen Europas Aufnahme gefunden hätten.

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine sei auch ein "Krieg gegen die Einheit Europas", sagte Steinmeier. "Unser Appell ist, dass Europa sich in dieser Situation nicht spalten lässt."

Der spanische König äußerte die Hoffnung, dass der dreitägige Staatsbesuch die beiderseitigen Beziehungen weiter vertiefen und ihnen neue Impulse verleihen könne. Er bedankte sich für den herzlichen Empfang in Berlin.

Der spanische König wird am Nachmittag auch von Olaf Scholz (SPD) im Kanzleramt empfangen. Der Bundeskanzler war erst Anfang Oktober mit seinem halben Kabinett zu deutsch-spanischen Regierungskonsultationen in La Coruña gewesen. Am Abend geben Steinmeier und Büdenbender ein Staatsbankett zu Ehren der Gäste aus Madrid.

König Felipe und Königin Letizia in Berlin: Auszüge aus dem Programm

Montag, 17. Oktober:

  • 10.30 Uhr: Begrüßung von König Felipe VI. und Königin Letizia von Spanien mit militärischen Ehren durch den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender am Schloss Bellevue. Die Zeremonie findet im Ehrenhof statt, der vom Spreeweg aus gut einsehbar ist.
  • 10.50 Uhr: Gästebucheintrag in der Eingangshalle
  • 12.30 Uhr: Kranzablage vor der Neue Wache, Unter den Linden 4
  • 14.30 Uhr: König Felipe besucht das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Zehlendorf, Faradayweg 4-6
  • 16.30 Uhr: Treffen von König Felipe und Bundeskanzler Olaf Scholz im Bundeskanzleramt
  • 19.30 Uhr: Staatsbankett zu Ehren des Königspaares mit dem Bundespräsidenten und Elke Büdenbender im Schloss Bellevue. Auf dem Menü stehen regionale Produkte, es kocht Jan-Göran Barth.

Dienstag, 18. Oktober

  • 9.15 Uhr: Teilnahme am Deutsch-Spanischen Forum mit Ansprachen des Bundespräsidenten und von König Felipe in der Bertelsmann Stiftung, Unter den Linden 1
  • 10.30 Uhr: Treffen von König Felipe mit Bundestagspräsidentin Bärbel Bas
  • 10.30 Uhr: Königin Letizia und Elke Büdenbender besuchen im Palais Populaire (Unter den Linden 5) die temporäre Ausstellung „Schreibt all ihre Namen – Spanische Künstlerinnen von 1960 bis heute“. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit Sammlungen des spanischen Helga de Alvear Museums entstanden.
  • 11.15 Uhr: Begrüßung der Staatsgäste durch die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey am Hauptportal des Roten Rathauses
  • 11.50 Uhr: Gang des Königspaares und der Regierenden Bürgermeisterin durch das Brandenburger Tor

Königspaar gewinnt Abstand von der schlechten Stimmung in der Heimat

Fünf Fakten über die spanische Königsfamilie
Fünf Fakten über die spanische Königsfamilie

Der Staatsbesuch in Deutschland ist für das Königspaar eine Möglichkeit, etwas Abstand von der schlechten Stimmung in ihrer Heimat zu gewinnen.

Der letzte Zwischenfall ereignete sich nämlich erst letzten Mittwoch: König Felipe VI. und seine Frau Letizia mussten vor der Militärparade am spanischen Nationalfeiertag in Madrid entgegen dem Protokoll länger im Rolls Royce warten, weil Ministerpräsident Pedro Sánchez sich zur zeremoniellen Begrüßung verspätet hatte. Das Foto der mit ernster Miene im Auto ausharrenden Royals wurde Tags darauf von der renommierten Zeitung „El Mundo“ und anderen Blättern auf Seite eins veröffentlicht. Der Regierungschef habe absichtlich gehandelt, meinten „El Mundo“ und andere unisono. Er habe damit das Pfeifkonzert der mit seiner Arbeit unzufriedenen Zuschauer abschwächen und auch der Monarchie eins auswischen wollen, hieß es.

Knappe Mehrheit der Spanier für Abschaffung der Monarchie

Der nun von Montag bis Mittwoch anstehende Staatsbesuch in Deutschland ist für Felipe mit Sicherheit auch eine willkommene Erholung vom Dauerstress in der Heimat, wie ein Fernsehkommentator hervorhob. Der 54-Jährige hat sich bisher zwar nichts zuschulden kommen lassen, er gilt als „Saubermann“, der allenfalls etwas zu „langweilig“ ist. Und auch die sozial engagierte Letizia ist bei den Spaniern recht beliebt. Doch die politischen und familiären Probleme sind groß.

Der Unabhängigkeitskonflikt in Katalonien und Probleme wie der ständige Streit der linken Regierung mit der konservativen Opposition, der unter anderem zu einer Blockade der Justiz geführt hat, weil man sich seit 2018 nicht auf die Besetzung wichtiger Richterposten einigen kann, belasten die Arbeit des Staatsoberhaupts. Und da ist auch noch die ständige Kritik des Koalitions-Juniorpartners Unidas Podemos (UP). UP fordert, dass das Königreich Spanien eine Republik wird. Mit dieser Forderung stehen die Linken nicht alleine da. Nach einer Umfrage des angesehenen Meinungsforschungsinstituts 40dB war zuletzt eine knappe Mehrheit der Spanier (53 Prozent) davon überzeugt, dass die Monarchie eine nicht mehr zeitgemäße Institution ist, die abgeschafft gehöre.

Daran schuld ist in erster Linie Altkönig Juan Carlos. Felipes Vater lebt aufgrund verschiedener Skandale seit Sommer 2020 in Abu Dhabi im Exil. Bei seinem seitdem ersten und bisher einzigen Heimatbesuch schaffte es der 84-Jährige in nur fünf Tagen, dem Image der Monarchie weitere Kratzer zuzufügen. Er trat, wie Medien meinten, „unbescheiden“ auf. Juan Carlos habe „die Chance verpasst“, die Bürger „um Verzeihung zu bitten“ und die „weder ethischen noch vorbildhaften Handlungen der vergangenen Jahre zu erklären“, klagte auch Regierungssprecherin Isabel Rodríguez.

Die Zeche zahlt in erster Linie Felipe. Da hilft es wenig, dass das Königshaus zunehmend auf Transparenz und Genügsamkeit setzt. Als einzige Institution Spaniens bekommt die „Casa Real“ auch nächstes Jahr wieder mal keine Etaterhöhung und muss mit 8,4 Millionen Euro auskommen. Felipe legte dieses Jahr erstmals sein Privatvermögen von 2,6 Millionen Euro offen. Eine respektable Summe, aber fast „Peanuts“ im Vergleich zum Vermögen anderer europäischer Monarchen.

Kundgebungen gegen die Monarchie sind zwar nicht häufig, sie kommen aber auch in Madrid immer wieder vor. Im katalanischen Girona wurde dieses Jahr unter anderem auch eine Pappfigur des Königs unter lautem Jubel verbrannt. Proteste müssen Felipe und Letizia in Deutschland nicht befürchten. Sie erwartet aber nach ihrer Ankunft am Sonntagnachmittag in Berlin ein volles Programm. Offiziell beginnt der Besuch am Montag mit einem Empfang im Schloss Bellevue durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Gemeinsam waren Felipe und Letizia zuletzt 2014 in Deutschland. Diesmal ist es aber ein Staatsbesuch, das spanische Königspaar absolvierte seit 2014 insgesamt nur zwölf davon. Der letzte liegt fast ein Jahr zurück und ging nach Schweden. Der Staatsbesuch in Deutschland sei „von enormer Bedeutung“ und unterstreiche „die ausgezeichnete Dynamik der bilateralen Beziehung“, zitierte „El Mundo“ diplomatische Kreise in Madrid.

( mit dpa )

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