Soko Leipzig

Marco Girnth - Unruhiger Geist mit Anker in Leipzig

| Lesedauer: 6 Minuten
Schauspieler Marco Girnth wurde in Düsseldorf geboren. Heute lebt er mit seiner Frau Katja Woywood und dem gemeinsamen Sohn am Volkspark Wilmersdorf.

Schauspieler Marco Girnth wurde in Düsseldorf geboren. Heute lebt er mit seiner Frau Katja Woywood und dem gemeinsamen Sohn am Volkspark Wilmersdorf.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Der Berliner Schauspieler Marco Girnth feiert im Januar 20. Jubiläum bei der "Soko Leipzig". Trotzdem ist er ein unsteter Charakter.

Berlin. Es ist ein kalter Nachmittag am letzten Tag im November, als wir Marco Girnth zum Interview im Volkspark Wilmersdorf treffen. Der Schauspieler wohnt um die Ecke und hat "seinen Park" für einen Spaziergang ausgewählt. Trotz des unwirtlichen Wetters herrscht in der Grünanlage Hochbetrieb. Spielende Kinder, Nordic Walker, Kaffeeverabredungen – auch er komme regelmäßig zum Joggen her, sagt Girnth, viele Alternativen gebe es schließlich gerade nicht.

Anfangs habe er den Ausdauersport als notwendiges Übel betrachtet, heute genieße er den meditativen Charakter und die Tatsache, einmal ganz für sich zu sein. Sonst sei in seinem Leben einfach immer etwas los. Direkt nach unserem Gespräch ist Girnth schon wieder auf dem Sprung zu einem PCR-Test. Eine Folge der ZDF-Reihe "Frühling" muss noch abgedreht werden. Danach geht es direkt weiter ans Set von "Soko Leipzig".

Optisch hat er sich kaum verändert

Ende Januar sind es 20 Jahre, die Marco Girnth als Kriminaloberkommissar Jan Maybach für die Krimiserie (immer freitags 21.15 Uhr im ZDF und eine Woche vorab ab 10 Uhr in der Mediathek) vor der Kamera steht. Wie das passieren konnte, könne er sich selbst nicht erklären, sagt der Schauspieler und lacht. "Ich habe die erste Staffel noch genau vor Augen. Ich fasse es nicht, dass die Zeit so schnell vergangen ist." Ein bisschen weniger Boygroup-Haartolle, ein bisschen weniger Unterhemd vielleicht. Ansonsten haben sich Marco Girnth und Jan Maybach optisch kaum verändert. 2020 feierte der Wahlberliner seinen 50. Geburtstag. Auf die altersentsprechende Weisheit warte er bis heute, im Kopf fühle er sich immer noch wie 20 oder 30. "Offenbar muss ich noch vieles sehen."

Natürlich habe er beim Start 2001 nicht damit gerechnet, die Rolle über einen so langen Zeitraum zu spielen, sagt Marco Girnth. Weil sein Charakter aber immer wieder interessante Wandlungen durchlaufen habe, sei ihm der Job nie langweilig geworden. "Jan Maybach ist wie ein naher Verwandter, dessen Leben ich mit begleiten darf. Das finde ich sehr schön", sagt er. Hinzu komme die Vertrautheit und freundschaftliche Verbundenheit im Team, die in der Branche eine absolute Seltenheit sei. "Die 'Soko' ist für mich ein wichtiger Anker, ein Heimathafen, zu dem ich immer wieder gerne zurückkehre", sagt Girnth.

Freiheit und Verbundenheit - so ist es auch in der Ehe

Natürlich sei nicht immer als Rosa, natürlich gebe es auch Phasen, in denen er weniger brenne, so der TV-Kommissar. Das Geheimnis seiner Langzeitbeziehung mit Jan Maybach sei eine Balance aus Freiheit und Verbundenheit. Er habe neben der "Soko" immer die Möglichkeit gehabt, auch andere Projekte zu drehen. Deshalb komme er dann auch wieder gerne zum Vertrauten zurück. Ein ähnliches Konzept gelte übrigens auch für seine Ehe mit Schauspielkollegin Katja Woywood, mit der er seit 1998 verheiratet ist und einen 17-jährigen Sohn hat.

Für drei "Soko Leipzig"-Episoden hat Marco Girnth seit 2018 das Drehbuch geschrieben. Bereits seit einiger Zeit arbeite er auch an einem Kurzfilm, im normalen Alltag blieb dafür häufig wenig Raum – bis Corona kam. Den ersten Lockdown habe er unter anderem zum Schreiben genutzt, sagt Girnth. Und dazu, sich selbst zum Runterfahren zu zwingen. "Ich bin rastlos", sagt Marco Girnth. "Ich komme selten in den Gefühlszustand, alles fertig zu haben. Ich denke ständig: Ich müsste noch ..."

Ständig etwas Neues ausprobieren

Die Begleiterscheinung seines Berufs, für eine neue Rolle immer wieder neue Fähigkeiten erlernen zu dürfen, schätze er deshalb besonders. "Mehrere Monate an einer Fähigkeit arbeiten, sich richtig reinschrauben in einen Charakter, das finde ich super", sagt Girnth. In der Realität fehle dafür leider meistens die Zeit. Zurückhalten lässt sich der Schauspieler dennoch nicht. Er probiere ständig neue Sportarten aus und verwerfe sie genau so schnell wieder. Ähnlich ergehe es ihm mit Sprachen oder Musikinstrumenten. "Ich würde gerne Gitarre lernen. Aber meine Güte, bin ich da schlecht."

Ein weiteres Hobby von Marco Girnth ist das Fotografieren und Filmen. Alle wichtigen Lebensereignisse werden auf diese Weise dokumentiert. Während der Fotograf mit ihm verschiedene Motive ausprobiert, erkundigt sich der Porträtierte interessiert nach dessen Ausrüstung. "Eigentlich wäre ich gerne Kameramann geworden", sagt er. Nicht Anwalt? In einem früheren Leben hat der gebürtige Düsseldorfer Jura in Köln studiert und immerhin bis zum ersten Staatsexamen durchgehalten. Eine Verlegenheitslösung aufgrund juveniler Orientierungslosigkeit, sagt er heute.

Unstetigkeit – aber auch stabile Konstanten im Leben

Ein bisschen von der Planlosigkeit seiner Anfänge hat sich Marco Girnth bis heute bewahrt. "Vielleicht erlaube ich mir die Unstetigkeit, weil ich auf der anderen Seite stabile Konstanten in meinem Leben habe", sagt er. Die Ruhe des Frühjahrs ist selbstverständlich längst wieder verpufft. Nur zwei Monate wurden die Dreharbeiten zu "Soko Leipzig" coronabedingt pausiert. Auch in dieser Hinsicht sei ein langjähriges Serienengagement ein Segen. "Ich bin sehr optimistisch", sagt Marco Girnth über die Aussichten für 2021. "Aus dem letzten Jahr haben wir gelernt, dass der Sommer hilft. Und die Impfaussichten sind auch vielversprechend. Jetzt noch mal drei Monate die Zähne zusammenbeißen, dann wird es besser. Diesen Glauben lasse ich mir nicht nehmen."

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