Psychologie

Farbforscher: Rosa wirkt bei Männern offen und kommunikativ

Farben haben einen Einfluss auf unser Leben. Der Farbforscher Axel Buether erklärt, wie Gelb, Rot und Blau unterschiedlich wirken.

Das sagt die Urinfarbe über die Gesundheit aus!

Es lohnt sich, das Ausscheidungsprodukt Urin genauer unter die Lupe zu nehmen! Im Video wird erklärt, was die Farbe des Urins über den jeweiligen Gesundheitszustand aussagen kann.

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Berlin. Der Leiter des Deutschen Farbzentrums und Professor für visuelle Kommunikation plädiert für Mut zu Experimenten - beim Anziehen und Renovieren. „Wer für sich die richtigen Farben für den jeweiligen Gebrauchszweck findet, der fühlt sich wohler und lebt gesünder“, sagt Axel Buether.

Herr Buether, 40 Prozent der Menschen sagen Blau, wenn sie nach ihrer Lieblingsfarbe gefragt werden, 19 Prozent Rot. Was sagt das aus?

Axel Buether: Wir haben von Geburt an eine Farbpräferenz. Aktive Menschen zum Beispiel mögen eher warme Farben - Rot, Orangerot, Gelb oder auch Kombinationen, die prägnant sind. Ruhigere, introvertierte Menschen bevorzugen unauffälligere Farben: Grau, Schwarz oder auch Blau.

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Die Lieblingsfarbe ist also eine Typfrage?

Buether: Nicht ausschließlich. Es gibt starke kulturelle Farbpräferenzen, eine Art Farbheimat also. Wir haben in unserer Arbeit zum Beispiel Unterschiede festgestellt zwischen Menschen aus Nord- und Süddeutschland, oder zwischen Menschen aus der Stadt und vom Land. Und auch gesellschaftliche Milieus kommunizieren eine Zugehörigkeit über Farben.

Der Mensch kann durch Farbe sprechen?

Buether: Farben sind ein nonverbales Kommunikationsmittel. Sie beeinflussen uns und unser Gegenüber sehr stark. Sie können Kooperationsbereitschaft signalisieren oder auch den Wunsch, in Ruhe gelassen zu werden. Tarnen etwa ist eine der wichtigsten biologischen Funktionen von Farbe.

Und auch für uns gilt: Wenn ich nichts über mich preisgeben und dennoch präsent sein will, verstecke ich mich hinter Schwarz. Möchte ich hingegen verschwinden, bevorzuge ich unauffällige Farben wie Grau, Braun oder Beige.

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Wie viele Menschen setzen Farbe so bewusst ein?

Buether: Fast alles, was mit Farbe zu tun hat, passiert unwillkürlich und intuitiv. Wir nehmen Farben zu über 99 Prozent unbewusst wahr, da uns die Menge an Informationen, die wir tagtäglich über Farben aussenden und wahrnehmen, schlichtweg überfordern würde.

Jede Farbe in der Natur und Kultur hat eine Funktion, sonst würden wir sie gar nicht sehen! Die Verarbeitung der Farbinformationen beansprucht mehr als 60 Prozent unserer Gehirnkapazität.

Farben haben immer Bedeutung für unser Leben, ganz gleich ob wir sie an Menschen, Tieren und Pflanzen oder auch Gebäuden, Produkten und Nahrungsmitteln wahrnehmen.

Sie plädiere für einen anderen Umgang mit Farbe.

Buether: Ich denke, wir sollten Farbe im Alltag stets so einsetzen, dass wir uns damit wohlfühlen, dass wir gesund bleiben und in jeder Lebenssituation den größten Nutzen davon haben.

Finden Sie heraus, welche Wirkung Farben auf Ihre Ernährung, auf Ihr Wohlbefinden beim Wohnen und Arbeiten haben oder auch was Farben anderen Menschen über Sie mitteilen. Farben bilden Identität.

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Wie könnte das gehen?

Buether: Nehmen Sie die Kleidung. Ich kann Farben so wählen, dass sie zeigen, welche Eigenschaften ich habe, was meine Werte oder Leidenschaften sind, dass sie zu mir oder zu einem Anlass passen.

Und das kann hilfreich sein, wenn ich für Menschen attraktiv sein will oder auch, wenn ich in einem Vorstellungsgespräch sitze. Stellen Sie sich vor, Sie haben in der Bewerbung angegeben, sehr kreativ und offen zu sein. Und dann sehen Sie aus, als wollten Sie mit der Welt am liebsten nichts zu tun haben.

Kann es sein, dass Menschen das Gefühl haben, eine Farbe passe nicht mehr zu ihnen?

Buether: Farbpräferenzen können sich im Laufe des Lebens verändern, etwa wenn sich Einstellungen ändern. Aber auch in der Pubertät fangen Menschen an, mit anderen Farben zu experimentieren.

Bei mir war das übrigens auch so. Ich habe mit typisch männlichen Farben angefangen, da war viel Schwarz und Grau dabei. Das hat sich geändert.

Ich bevorzuge heute wesentlich freundlichere Kombinationen aus schlichten hellen Farben mit heiteren Bunttönen, oft Rosa, Gelb oder Orange. Das wirkt bei Männern wesentlich offener und zudem sehr kommunikativ.

Welches Vorgehen empfehlen Sie?

Buether: Sie sollten sich fragen, wie sie auf bestimmte Menschen wirken möchten und welche Rolle sie bei einem bevorstehenden Ereignis spielen wollen. Wichtig ist aber auch, dass sie authentisch und glaubwürdig bleiben, denn sonst wirken Farben wie eine Verkleidung.

Sie können damit beginnen, farbliche Akzenten zu setzen und am Verhalten Ihres Gegenübers beobachten, wie die neuen Farbsignale wirken.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Buether: Stellen Sie sich vor, sie tragen im Beruf meist dunkle Grautöne und werden eher als autoritär wahrgenommen. Plötzlich kommen sie mit einem rosafarbenen Hemd ins Büro und die Menschen sagen, dass ihnen das wirklich gut steht.

Dann meinen sie eigentlich, dass ihnen ein bisschen Offenheit gutstehen würde, mehr Sensibilität oder die Bereitschaft, auf andere zuzugehen. Farbe ist ein äußeres Merkmal, aber wir lesen in ihr immer auch innere Eigenschaften.

Sie sagen, Farbe sei so wirkmächtig, dass sie unsere Gesundheit beeinflussen kann. Wie kommen Sie darauf?

Buether: Weil wir das mit zwei Studien am Helios Klinikum Wuppertal nachweisen konnten. Wir haben dazu die Farben aller Räume in vier Intensivstationen ihren Aufgaben entsprechend umgestaltet und geschaut, ob sich Menschen damit wohler fühlen und gesünder sind.

Farben erfüllen lebenswichtige biologische Funktionen, sie beeinflussen unseren Hormonhaushalt und Stoffwechsel, unsere Ernährung oder auch die Suche nach einem wohltuenden gesunden Lebensraum.

Wie sind die Ergebnisse ihrer Studien ausgefallen?

Buether: Wir konnten nachweisen, wie groß der Einfluss von Licht und Farben auf Patienten und Personal tatsächlich ist. Es ging darum, in Patientenzimmern und Ruheräumen eine Atmosphäre von Geborgenheit zu schaffen. I

m Ergebnis haben sich Patienten und Personal deutlich wohler und entspannter gefühlt, die Patienten hatten weniger Angst, der Krankenstand des Personals ist um 35,7 Prozent zurückgegangen. Auch der Medikamentenverbrauch ist deutlich zurückgegangen.

Die Gabe von Neuroleptika, Beruhigungsmitteln zur Reduktion von Ängsten, Unruhe und Wahnzuständen, ist im Vergleichszeitraum um 30 Prozent gesunken. Daraus kann man viel für die Gestaltung der eigenen Wohn- und Arbeitsräume lernen.

Was denn?

Buether: Wir können überlegen, welche Atmosphäre gut für uns ist. Vielleicht brauchen wir im Arbeitsbereich, jetzt da so viele im Homeoffice sind, aktivierende Farben und eher bläuliches Licht und im Wohnzimmer beruhigende Farben und Licht, das eher ins Rötliche geht.

Sie sind kein Freund von weißen Räumen, warum?

Buether: Weiß ist eine maximal unnatürliche Umgebung. Weiß ist eine Lichtfarbe, deshalb wirkt ein weißer Raum auch größer, das ist ein positiver Effekt. Der negative Effekt ist, dass wir in weißen Räumen keinen Halt haben.

Weiß ist keine Anlehnfarbe, sie hat keine Stofflichkeit, der Raum wird entgrenzt. Wir können das Licht runterfahren, dann ändert sich das, aber dann wird der Raum grau und trist. Das tote Grau erinnert uns an Novembertage. Wir werden müde, lustlos, abgeschlagen.

Was raten Sie?

Buether: Farbige Grautöne und sandige Erdtöne, die man je nach Raumfunktion heller oder dunkler machen kann, sind Klassiker bei den Wohnfarben. Mit einzelnen buntfarbigen Wänden lassen sich hingegen anregende Akzente schaffen. Wer bei den Raumfarben zurückhaltender ist, kann stattdessen mit den Einrichtungsfarben Akzente schaffen.

Wie finde ich das Passende für mich?

Buether: Auf Reisen oder im Urlaub können Sie Erfahrungen mit Farben sammeln. Und wenn Sie Räume entdecken, in den Sie sagen, wow, hier fühle ich mich wohl, dann machen Sie mit dem Smartphone ein Foto.

Das Handy hat doch heute jeder immer dabei. Wir sollten vor einer Umgestaltung aufmerksam sein und mehr beobachten. Wenn ich dann etwas gefunden habe, das ich toll finde, sollte ich mich noch fragen, ob das zu mir passt. Wir sind alle verschieden, deshalb brauchen wir auch individuelle Lösungen.

Mehr Lebensfreude durchs Renovieren?

Buether: Das machen doch tatsächlich gerade sehr viele Menschen. Viele Möbellieferanten haben Wartezeiten von drei Monaten und die Baumärkte haben seit Beginn der Corona-Pandemie sehr viel Farbe verkauft. Viele Menschen haben den Lockdown genutzt, um über so etwas nachzudenken.

Die Pandemie könnte bald vorbei sein.

Buether: Hoffentlich. Und auch das dürften wir übrigens an den Farben erkennen. Wenn wir gedrückt sind, greifen wir zu anderen Farben als wenn wir den Koffer für den Urlaub packen.

Wenn wir durch die bevorstehenden Impfungen zu einem größeren Optimismus kommen, werden wir wahrscheinlich eine der farbenfrohesten Frühjahrs- und Sommerkollektionen der vergangenen Jahrzehnte erleben. Dann prognostiziere ich leuchtende Gelb, Rot-, Orangetöne.

Zur Person

Axel Buether ist der renommierteste Farbforscher im deutschsprachigen Raum. Er wurde in Weimar geboren und lebt jetzt in Wuppertal. Seit 20 Jahren leitet der 53-Jährige das Deutsche Farbzentrum, das Zentralinstitut für Farbe in Wissenschaft und Gestaltung.

Buether ist Professor für Didaktik der visuellen Kommunikation an der Bergischen Universität Wuppertal. Im Oktober ist sein Buch „Die geheimnisvolle Macht der Farben“ im Verlag Droemer Knaur erschienen.

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