Guido Maria Kretschmer

„Die Menschen haben Sehnsucht nach einer heilen Welt“

Auch der Designer Guido Maria Kretschmer muss auf Weihnachten mit Freunden verzichten. Halt gibt ihm sein Glaube.

Modedesigner Guido Maria Kretschmer beschenkt gern Freunde und liebt es, an Weihnachten zu singen.

Modedesigner Guido Maria Kretschmer beschenkt gern Freunde und liebt es, an Weihnachten zu singen.

Foto: Georg Wendt / dpa

Berlin. Der Dezember hatte noch nicht einmal angefangen, da war Guido Maria Kretschmer schon das erste Mal fertig mit dem Geschenke einpacken. Für den Juwelier Christ betätigte er sich Ende November als Glücksbringer und schnürte Pakete mit Überraschungen, die noch bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag an Kunden ab einem Einkaufswert von 89,90 Euro verschenkt werden. Der Designer ist dabei ganz in seinem Element. Schenken liege ihm, sagt Kretschmer. Andersherum sei das schon komplizierter. „Wenn ich etwas brauche, dann kaufe ich es mir. Mich zu beschenken ist also schwierig. Ich werde auch nicht gerne gefeiert.“

Dabei gab es dazu auch in diesem Jahr wieder jede Menge Anlässe. Im Mai feierte Kretschmer seinen 55. Geburtstag, im Sommer erwies er sich mit dem Launch seiner neuen Kollektion in Form einer digitalen Fashionshow als Vorreiter in der coronabedingt Fashion-Week-freien Saison. Seine TV-Show „Shopping Queen“ und seine Zeitschrift „Guido“ erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. Im November gibt Kretschmer traditionell noch einmal alles, um Weihnachten dann richtig faul sein zu können. „Gerade kommt bei mir viel zusammen. Gegen Ende des Jahres gibt es beruflich immer viel sehr viel zu tun“, sagt er beim Gespräch am Totensonntag. „Im Dezember ziehe ich mich so richtig raus. Ich arbeite dann nicht, das ist mein heiliger Raum, den ich mir nehme.“

„Weihnachten ist für mich nicht einfach nur ein Dekofest“

Heilig ist für Guido Maria Kretschmer auch das Weihnachtsfest – auch wenn es in diesem Jahr anders aussehen wird als gewohnt. „Die christliche Tradition habe ich tief in mir drin. Weihnachten ist für mich nicht einfach nur ein Dekofest. Es ist nicht mehr so wie als Kind, wo man die Engel erwartet, aber es ist ein besonderer Tag“, so der Modeschöpfer. Das gelte sogar für seine Hunde. Normalerweise habe er gemeinsam mit Ehemann Frank Mutters über die Feiertage das Haus voll mit Freunden, die tagelang bleiben: „Großes Essen, großer Baum und wir singen, dass die Wände wackeln. Vor allem, wenn meine Freundin Kathi Thalbach da ist. Sie kann wunderbar laut singen.“

Als gläubiger Mensch gehört für Guido Maria Kretschmer normalerweise auch ein Kirchenbesuch zum Ritual. Über die vollen Gotteshäuser sei er dann jedes Mal erstaunt. „Ist doch irre, dass an Weihnachten alle in die Kirche rennen und sich das nicht einfach auch am 16. Mai gönnen“, sagt er. „Man könnte das immer haben, wenn man wollte. Die Menschen haben doch diese Sehnsucht nach einer heilen Welt, nach einer Konstante, auf die sie vertrauen können.“ Er selbst komme als Christ auch den Rest des Jahres besser durchs Leben. „Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen den Glauben hätten, dass tief in ihnen drin etwas auf sie aufpasst. Ich glaube, die Sehnsucht danach ist der Grund, warum an Weihnachten dann doch so viele Menschen in die Kirche gehen. Wenn dort die Kerzen leuchten, spüren sie diese Gemeinschaft.“

Und in diesem Jahr? „Ich hatte Weihnachten schon fast vergessen. Ich dachte, wegen Corona fällt das ganz aus“, sagt Guido Maria Kretschmer. Damit bis zum Heiligabend trotz allem Pandemie-Wahnsinn noch ein wenig Feiertagsstimmung aufkommt, werde er auf liebgewonnene Traditionen zurückgreifen. „Ich freue mich jedes Jahr zu Weihnachten, wenn ‚Out of Africa‘ im Fernsehen läuft. Und ich schaue mir auch jedes Mal ‚Der kleine Lord‘ an. Ich finde das irgendwie rührend“, sagt er.

„Ich hoffe, dass das Miteinander keinen Schaden nimmt“

Noch schöner sei natürlich das gemeinsame Schauen mit Kindern. „Wenn man Freunde mit Kindern hat, bekommt das noch mal eine andere Dimension. Ich hoffe, dass dieses Miteinander keinen Schaden nimmt. Dieser Familienmoment fährt die Menschen herunter, schon allein dafür braucht es das Fest, egal wie kommerzialisiert es mittlerweile ist.“ Wohl oder übel müsse Weihnachten 2020 nun aber eine ganze Nummer kleiner stattfinden. „Wir feiern jetzt sehr reduziert und werden es hoffentlich im kommenden Jahr wieder richtig krachen lassen“, sagt er.

Er selbst habe dem Herunterfahren sogar etwas abgewinnen können, sagt Kretschmer. „2020 ist ein Konsolidierungsjahr, da würde ein großes Weihnachtsfest auch nicht passen. Hauptsache, wir sind alle gesund.“ Er komme generell gut mit sich selbst zurecht, den Sommerurlaub in Deutschland habe er nicht als Drama empfunden und für ausführliche Telefonate mit Freunden habe er in diesem Jahr sogar mehr Zeit gehabt als sonst. Einer, den er vermissen wird, wenn unbedenkliches Umarmen und ein Weihnachten unter Freunden wieder möglich sind, ist Udo Walz. „Sein Tod hat mich sehr mitgenommen. Er war sehr wichtig für mich, ich habe ihm viel zu verdanken“, sagt Guido Maria Kretschmer. „Als ich zurück nach Deutschland gezogen bin, hat er sich sehr um mich gekümmert und mich in Berlin mit offenen Armen empfangen. Ich bin sehr traurig, er war ein feiner Kerl. Aber so ist das Leben. Auch Auf-Wiedersehen-Sagen gehört dazu.“

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