Prozess in Berlin

Fler stellte Video ins Netz: Polizist wird seitdem erkannt

Ein Video, das eine Kontrolle des Rappers Fler durch die Berliner Polizei zeigt, kursiert im Internet. Dagegen wehrt sich ein Beamter.

Patrick Losensky, bekannt unter dem Künstlername Fler, sitzt als Angeklagter in einem Saal im Amtsgericht Berlin-Tiergarten.

Patrick Losensky, bekannt unter dem Künstlername Fler, sitzt als Angeklagter in einem Saal im Amtsgericht Berlin-Tiergarten.

Foto: Paul Zinken/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Berlin. Für den Polizisten Stefan Z. ist seit der Verkehrskontrolle am 22. September 2019 auf dem Teltower Damm in Zehlendorf das Leben ein anderes. Der Beamte war am Mittwoch der erste von mehreren Zeugen im Prozess gegen Fler, der eigentlich Patrick Losensky heißt. Ein Video des Einsatzes, das die Freundin von Fler mit ihrem Handy aufgenommen hatte, war damals im Internet viral gegangen, es ist noch immer auf Videoplattformen im Internet zu sehen und wurde bereits millionenfach angeschaut. Auf der Aufnahme bezeichnet Fler einen Polizisten immer wieder als „Fanboy”.

„Ich bin keine öffentliche Person“

Z. sagte, dass er nach dem Einsatz häufig von Menschen erkannt und angesprochen worden sei. Er habe nie vorgehabt, in der Öffentlichkeit zu stehen. Der Einsatz habe sein Leben verändert. „Ich bin keine öffentliche Person. Plötzlich wurde ich bekannt”, sagte Z. vor Gericht. Dabei sei die Verkehrskontrolle ein völlig normaler Vorgang gewesen. Z. selbst sei nicht in den sozialen Medien vertreten. Auf den Aufnahmen sind auch heftige Beleidigungen gegen ihn zu hören. Als Z. das am Mittwoch vor Gericht schilderte, schaute Fler immer wieder in seine Richtung, schüttelte den Kopf und lächelte.

Die Beamten hatten den Mercedes des Rappers damals gestoppt. Z. und weitere Polizisten berichteten vor Gericht, dass es zuvor eine interne Mail gegeben habe, in der gestanden habe, dass Losensky mit einem weißen Mercedes mit einem Nummernschild aus dem Landkreis Döbeln (Sachsen) unterwegs sei, keinen Führerschein habe, und sich im Auto möglicherweise ein Tierabwehrspray befinde. Z., der damals mit seinem Kollegen M. auf Streife war, erkannte das Auto und hielt den Rapper an. Weil Losensky den Beamten Z. verbal immer wieder attackierte, legte der dem Rapper Handschellen an.

Nach Veröffentlichung des Videos kündigte er Album an

Das Video wurde später von Fler selbst veröffentlicht. Er wirft der Polizei „Schikane“ vor. Einen Tag, nachdem Fler das Video veröffentlicht hatte, kündigte er ein neues Album an.

Der Anwalt von Fler, Stefan König, hegte vor Gericht Zweifel, dass die Kontrolle zufällig passiert sei. Die Polizistinnen und Polizisten sagten hingegen immer wieder, dass sie den Rapper nicht gekannt hätten. König ist allerdings der Auffassung, dass der Umgang der Polizisten mit seinem Mandaten rechtswidrig war. Und in diesem Kontext müsse man auch die verbalen Äußerungen sehen. Zudem müsse man den Slang berücksichtigen, den Rapper pflegten.

König kritisierte auch, dass er vor Gericht zum allerersten Mal von der Mail gehört habe, in der stand, dass Losensky in einem Mercedes und unterwegs sei. Die Vermutung des Strafverteidiger: Die ganze Kontrolle sei von Beginn an auf Eskalation angelegt gewesen.

Beleidigung, Sachbeschädigung, versuchte Nötigung und Fahren ohne Führerschein

Der Vorfall am Teltower Damm ist allerdings nur einer von vielen, die vor Gericht verhandelt werden. Allein die Verlesung der Anklage dauerte eine halbe Stunde. Dem 38 Jahre alte Musiker werden unter anderem Beleidigung, Sachbeschädigung, versuchte Nötigung und Fahren ohne Führerschein vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Rapper immer wieder verschiedene Menschen wüst verunglimpfte und beleidigte. Einem Journalisten soll er gedroht haben, ihm die Zähne auszuschlagen.

Ein Beamter sagte vor Gericht, dass Losensky bei dem Vorfall am Teltower Damm einen „bunten Strauß an Fäkalwörtern“ benutzt habe. Zudem berichteten an dem Einsatz beteiligte Polizistinnen, dass der Rapper sich immer wieder auch über Äußerlichkeiten lustig gemacht habe. Eine Beamtin sagte etwa, dass er sie als Zwerg bezeichnet habe, der er den Kopf wegtreten werde, wenn sie seine Freundin anfasse.

Auf einem Videoportal im Internet habe er im März 2020 einen anderen Rapper als „Bastard“ und „ekeligen Hund“ bezeichnet. Verbal-Attacken hätten sich auch gegen dessen Ehefrau gerichtet. Fler soll laut Anklage auch wiederholt Polizisten minutenlang beschimpft haben.

Der Angeklagte und seine Anwälte erklärten vor dem Prozess, ein „erheblicher Teil der Tatvorwürfe“ sei „unzutreffend, verfälscht oder aus dem Kontext gerissen“. Zudem handele es sich um Vergehen im Bagatellbereich. „Offensichtlich soll gegenüber Herrn Losensky – stellvertretend für eine mutmaßliche sogenannte Clankriminalität – „ein Zeichen gesetzt“ werden.“

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen