Til Schweiger

Wie halten Sie es mit der Religion, Til Schweiger?

Til Schweiger über seinen Film „Gott, du kannst ein Arsch sein!“, Glauben, Angst um den Nachwuchs und Vorfreude aufs erste Enkelkind.

Schauspieler und Filmemacher Til Schweiger ist im Privatleben Vater von vier Kindern, sein Sohn Valentin macht in nun zum Großvater.

Schauspieler und Filmemacher Til Schweiger ist im Privatleben Vater von vier Kindern, sein Sohn Valentin macht in nun zum Großvater.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin. In „Gott, du kannst ein Arsch sein!“ macht Til Schweiger ausnahmsweise einmal nicht alles selbst. In der Tragikomödie von André Erkau, die seit dieser Woche im Kino läuft, begnügt sich der Filmemacher mit der Rolle als Schauspieler. In der Geschichte über ein Mädchen, das kurz nach dem Abitur erfährt, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist und anschließend ihr Leben auf den Kopf stellt, spielt Schweiger den Vater, Beruf: Pfarrer. Ein Gespräch im Berliner „Hotel de Rome“ über Gott, Angst um den eigenen Nachwuchs und Vorfreude auf das erste Enkelkind.

Herr Schweiger, glauben Sie an Gott?

Til Schweiger Nicht wirklich. Ich komme aus einem sehr unreligiösen Elternhaus. Ich bin getauft, aber nicht konfirmiert. Als ich meinen ersten Gehaltsscheck bekommen habe, bin ich direkt aus der Kirche ausgetreten.

Woran glauben Sie stattdessen?

Ich möchte glauben, dass es nach dem Tod noch etwas anderes gibt. Ich habe festgestellt, dass ich die Energie von engen Freunden, die gestorben sind, noch spüre. Ich habe manchmal das Gefühl, dass sie noch um mich herum sind.

Wie ist Ihr Umgang mit den „Gott, du kannst ein Arsch sein“-Momenten des Lebens?

Das habe ich damals in der Schule schon unseren Religionslehrer gefragt. Warum gibt es so viel Unheil, Gewalt und Ungerechtigkeit in der Welt, wenn es wirklich einen Gott gibt? Das Beste, was ihm dazu einfiel war: Gott hat die Menschen erschaffen, aber jetzt müssen sie selbst klar kommen. Als Kind fand ich das unbefriedigend. Andere Menschen glauben an Karma. Aber wo ist das Karma, wenn ein vierjähriges Mädchen im Jemen über eine Landmine läuft und entstellt wird oder stirbt? Was hat dieses Kind getan? Dann kommt die Antwort: Sie hat ihre Aufgabe auf dieser Welt erfüllt und jetzt kommt die nächste Aufgabe in der nächsten Welt. Da wird das dann wiedergutgemacht. Das ist ein schöner Gedanke, aber ich kann das nicht wirklich glauben. Wir werden es nie herausfinden, bis wir unter der Erde oder eben auf einem neuen Level sind.

Und was hilft Ihnen dann in solchen Momenten? Oder muss man das einfach ertragen?

Es hilft, wenn ich spüre, dass ein verstorbener Mensch noch da ist. Aber trotzdem überwiegt natürlich der Schmerz, dass er nicht mehr da ist.

Sie mussten sich gerade von einem Ex-Freund ihrer Tochter verabschieden. Ein junger Mensch, der bei einem Autounfall gestorben ist …

Das war schrecklich. Das sind Momente, die man einfach nicht begreifen kann. Warum er?

Wenn wir wüssten, dass wir bald sterben müssen, würden wir dann alle mit dem Zirkus durchbrennen, statt die sichere Version unseres Lebens zu wählen, mit der wie bisher ganz gut gefahren sind?

Nicht alle, das ist sicher eine Mentalitätssache. Vielleicht würde ich durchbrennen, vielleicht würde ich mich an den letzten Strohhalm klammern. Das habe ich mich schon bei „Knockin’ on Heaven’s Door“ gefragt. Ich versuche, mein Leben jeden Tag aus dem Vollen zu leben. Ich habe keine To-Do-Liste mit Dingen, die ich unbedingt noch erleben muss.

Die Stufe-vier-Liebe, von der im Film die Rede ist, wenn man jemanden so bedingungslos liebt, dass man möchte, dass er glücklich ist. Unabhängig vom eigenen Glück. Gibt es das nur den eigenen Kindern gegenüber?

Die Liebe zu meinen Kindern ist in der Tat bedingungslos. Bei meinen besten Freunden habe ich das auch schon empfunden. In der Partnerschaft bleibt man meistens verletzlich. Die Liebe sollte bedingungslos sein. Aber das ist nicht so einfach.

Was ist das für ein Gefühl, als Elternteil in ständiger Angst zu leben, dass den eigenen Kindern etwas passiert?

Das ist furchtbar. Als mein Sohn geboren wurde, hatte ich einen unglaublichen Liebes- und Glücksflash und im selben Moment genau so große Angst, dass diesem Wesen etwas passieren könnte. Das war bei allen Kindern so. Von dieser Angst muss man versuchen, sich frei zu machen. Ich glaube, Dana und ich waren das Gegenteil von Helikoptereltern. Wir sind nicht direkt in Panik geraten, wenn das Kind auf dem Klettergerüst mal ein bisschen zu hoch geklettert ist. Aber unterschwellig ist das immer da. Wenn meine Tochter zu einer ungewöhnlichen Zeit anruft, bekomme ich sofort Herzflattern. Manchmal ist es besser, man weiß nicht alles, was die Kinder so machen.

Ihre Kinder sind aus dem Gröbsten raus. Dafür werden Sie bald zum ersten Mal Opa. Geht dann alles wieder von vorne los?

Ich habe bisher noch keine Enkel gehabt, deshalb bin ich gespannt, was passiert. Als mein Vater meinen Sohn zum ersten Mal in den Armen hatte, habe ich ihn zum ersten Mal weinen sehen. Mal gucken, wie das bei mir ist.

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