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Pasquale Aleardi: Mit „Dada-Dirla-Dada“ gegen die Depression

Schauspieler und Sänger Pasquale Aleardi hat die Isolation der vergangenen Wochen für einen Song mit Gute-Laune-Garantie genutzt.

Schauspieler Pasquale Aleardi ist am Donnerstag in einer neuen Folge „Kommissar Dupin“ zu sehen. 

Schauspieler Pasquale Aleardi ist am Donnerstag in einer neuen Folge „Kommissar Dupin“ zu sehen. 

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Ein Schauspieler in Erzähllaune – dieses Glück hat man nicht alle Tage. Er gebe grundsätzlich gerne Interviews, erzählt Pasquale Aleardi beim Treffen im Weinbergspark. Dieses Mal allerdings habe er sich besonders auf die Verabredung mit einem echten Menschen gefreut. Die Corona-Quarantäne macht’s möglich. Als Deutschland Ende März ganzheitlich Stubenarrest verordnet wurde, befand sich der 48-Jährige gerade in der Vorbeitungen zur Wiederaufnahme des Cirque-Du-Soleil-Musicals „Paramour“. Nach einer Probe war Schluss, seitdem ist der gebürtige Schweizer, wie viele seiner Kollegen, vorerst arbeitslos.

Den Park in seinem Kiez habe er in den kommenden Wochen hauptsächlich besucht, damit seine Kinder sich austoben konnten. Aleardi ist Vater von zwei Söhnen im Alter von zwei und vier Jahren. Der Jüngste sei gerade mitten in einer eigensinnigen Phase. „Terrible two“, sagt der Schauspieler und lacht.

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Um selbst nicht durchzudrehen hat Pasquale Aleardi die Zeit genutzt und mit seiner Band Die Phonauten eine Version des griechischen Traditionals „Dada-Dirla-Dada“ aufgenommen und ein Video dazu gedreht. Als Sohn einer Griechin begleite ihn der Song, von dem es im Internet hunderte Interpretationen gibt, schon sein ganzes Leben lang. Er sei die ultimative Zauberformel gegen Depression, nun eben auch zum Hausgebrauch in Pandemiezeiten.

„Wie es für mich beruflich weiter geht, steht in den Sternen. Man darf gar nicht darüber nachdenken, sonst zieht einen das sehr runter“, sagt er. Singen sei da eine gute Medizin, außerdem habe er etwas zu tun. „Krisen sind eine gute Zeit, um zu investieren. Nicht in Materielles, sondern in Kreatives. Ich nutze die Zeit, in der ich sowieso nichts anderes machen kann.“

Technik kann menschlichen Kontakt nicht ersetzen

Aufgenommen wurden Song und Video zu Hause und per Zoom-Meeting. Wie gut das technisch möglich sei, sei erstaunlich, sagt Aleardi. In dieser Hinsicht brauche er eigentlich gar nicht mehr vor die Tür gehen. Als Künstler dränge es ihn aber natürlich auf die Bühne. Und: „Der persönliche, menschliche Kontakt fehlt mir sehr. Das kann keine Technik ersetzen.“ Mit den Phonauten wäre Aleardi eigentlich gerade auf Tour. Stattdessen singt der Wahlberliner jetzt allein in seinem Auto oder nimmt Gedichtrezitationen auf, um im Training zu bleiben.

Besonders bitter: Auch um den größten roter-Teppich-Moment dieses Jahres wurde er durch Corona gebracht. Für seine Darstellung in „Ich war noch niemals in New York“ war Pasquale Aleardi für einen Deutschen Filmpreis nominiert. Der fand bekanntlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, die Nominierten wurden von zu Hause zugeschaltet. „Es war lustig, sich beim Filmpreis mit meiner Frau fürs Wohnzimmer schick zu machen. Als es dann soweit war, war ich sehr nervös. Wenn man einmal so weit ist, möchte man das Ding auch gewinnen.“

Dass die Auszeichnung am Ende an Albrecht Schuch ging, habe er nach einer halben Stunde Schockstarre überwunden gehabt. „Die Freude der Nominierung überwiegt im Nachhinein.“

Aleardi hofft, dass er spätestens im Herbst wieder drehen kann

Dass er gerade so viel Zeit mit seiner Familie verbringe, sei das einzig Positive, was er der Krise abgewinnen könne, sagt Aleardi. Im vergangenen Jahr habe er insgesamt nur drei Monate in Berlin gedreht. Wann sich die Auftragslage bessere, sei aktuell noch nicht abzusehen. Für schlechte Zeiten wie diese habe er sich glücklicherweise früh angewöhnt, von jeder Gage etwas auf die Seite zu legen. Aber auch dieses Polster sei irgendwann aufgebraucht.

Pasquale Aleardi hofft deshalb, dass er spätestens im Herbst wieder drehen kann. Eine neue Folge seiner ARD-Reihe „Kommissar Dupin“ ist geplant. Seit 2014 spielt er nach den Romanen von Jean-Luc Bannalec die Rolle des Pariser Commissaires, der nach einer Strafversetzung in der Bretagne ermittelt. Im aktuellen Fall „Bretonisches Vermächtnis“ (14. Mai, 20:15 Uhr) fällt Dupin die Leiche direkt vor die Füße in einem Café in Concarneau. Gefilmt wird komplett an Originalschauplätzen.

Aleardi wird mittlerweile in Frankreich erkannt

Wie diese und andere Dreharbeiten in Zukunft aussehen werden, kann sich Pasquale Aleardi schwer vorstellen. Muss das ganze Team vor Beginn in Quarantäne? Ersetzen Greenscreens Auslandsdrehs? „‚Kommissar Dupin‘ lebt zu einem großen Teil von den Landschaftsaufnahmen. Das findet entweder dort statt oder gar nicht“, glaubt der Hauptdarsteller. Viele Fans der Bücher und Filme fahren deshalb extra dorthin. Mittlerweile wird Aleardi aber auch von den Einheimischen erkannt.

Seit zwei Jahren läuft die Reihe sehr erfolgreich auch in Frankreich. Vielleicht ziehe das irgendwann einmal ja auch Jobangebote aus dem Nachbarland nach sich. Die Sprache spricht Pasquale Aleardi schon mal. „Träume und Hoffnungen darf man nie verlieren. Aber man muss auch etwas dafür tun“, sagt er.

Mit diesem Glauben habe sich auch sein Wunsch nach einer Rolle in „Chicago“ am Broadway erfüllt. Das ist allerdings eine andere Geschichte. Nach einer Stunde muss Pasquale Aleardi dann nämlich doch los – ein Abschlusstermin. Beim Foto hat er dann aber noch eine Idee. Vielleicht lässt er die wildgewordenen Corona-Haare einfach dran, bis ein Impfstoff gefunden ist. Das soll ja auch bei Sportlern Glück bringen.

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