Fernanda Brandao

„Wir brauchen keinen perfekten Hintern in der Quarantäne“

Fitness-Trainerin Fernanda Brandao über Online-Kurse, den inneren Schweinehund und Sport als Glücksmultiplikator.

Fernanda Brandao trainiert mit ihren Fans online bei Cyberobics, „The Big Pump“ von McFit und bei Instagram.

Fernanda Brandao trainiert mit ihren Fans online bei Cyberobics, „The Big Pump“ von McFit und bei Instagram.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Eine selbst auferlegte zweiwöchige Quarantäne ließ Fitnesstrainerin und Moderatorin Fernanda Brandao erfinderisch werden. In den eigenen vier Wänden nahm sie für ihre Fans Workoutvideos auf und postete sie auf Instagram. Daraus entstand eine Partnerschaft mit Cyberobics. Als eine von mehreren prominenten Trainern, darunter auch Isabel Edvardsson, Philipp Boy und Susi Kentikian, zeigt sie in der kostenlosen App, wie Sport auch im Homeoffice funktioniert. Aufgezeichnet werden die Kurse im John-Reed-Studio in Gesundbrunnen. Wir haben die 36-Jährige dort getroffen – natürlich mit Sicherheitsabstand.

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Sie gehören zu den glücklichen Menschen, die auch außerhalb des Homeoffice Jogginghose zur Arbeit tragen können. Wie sehr lassen Sie sich aktuell gehen, wenn Sie zu Hause sind?

Fernanda Brandao Ich bin auch ohne Corona niemand, der sich übermäßig zurecht macht. Karl Lagerfeld sagt zwar, man soll nicht in Jogginghose vor die Tür gehen, aber dann habe ich wohl schon lange die Kontrolle über mein Leben verloren. Das liegt nahe, wenn man viel Sport macht. Ich habe in den vergangenen Wochen nur Jogginghosen und Pyjamas getragen.

Haben Sie denn viel zu tun oder ist beruflich ein wenig Entschleunigung eingekehrt?

Ich bin sehr dankbar dafür, dass bei mir gerade so viel passiert. Ich moderiere täglich bei „The Big Pump“, dem Livestream von McFit. Es ist viel aus den Live-Aktionen entstanden, die ich selbst bei Instagram gestartet habe. Die ersten zwei Wochen habe ich brav Quarantäne gehalten, war nur zwei Mal draußen und habe dann täglich Workouts gemacht. Manchmal sogar zwei Mal am Tag. Von Yoga bis Kraft, ein Workout für Rollstuhlfahrer, wo man nur seine Arme bewegt, ein Twerk-Workout gegen Hexenschuss und Bandscheibenvorfälle … Mir war es wichtig, die Menschen zu erreichen. Jede Bewegung ist besser als keine und wir sind sowieso eine Sitzgesellschaft. Ich finde es schön, dass die Menschen gerade offen dafür sind.

Wie sieht denn ihre private Sportroutine aus?

Ganz unterschiedlich. Ich versuche auf jeden Fall, zwei bis drei Mal pro Woche Sport zu machen. Seit einem halben Jahr mache ich dazu sehr viel Yoga. Ich liebe das, weil es Kraft, Flexibilität und Runterkommen miteinander vereint. Ich mische aber gerne auch Sportarten. In meinen Trainings ist von Poledance bis Boxen alles drin. Für „The Big Pump“ habe ich gerade viel Kontakt zu Bodybuildern, ich finde es beachtlich, wie sie ihren Körper meißeln. Wir tauschen uns viel aus und ich bin total heiß darauf, wenn ich wieder an die Gewichte kann, um meinen eigenen Körper wie eine Skulptur zu formen.

Dann geht es Ihnen wie vielen anderen Sportlern, die sich gerade zu Hause mit Getränkekisten oder ähnlichem als Hantelersatz behelfen müssen ...

Und genau so ist „The Big Pump“ entstanden. Wir wollen den Leuten zeigen, dass man auch mit dem eigenen Körpergewicht sehr viel erreichen kann. Schwerer bedeutet aber nicht immer besser. Man muss sein eigenes Ziel kennen und wissen, wie man das erreicht. Das Training mit dem eigenen Körpergewicht hat auch den Vorteil, dass man sehr flexibel wird. Viele Bodybuilder haben sehr verkürzte Sehnen. Es ist zwar schön, Muskeln zu haben, aber man sollte sich auch noch bewegen können. Und es ist auch vollkommen normal, einfach mal ein Mensch zu sein und zu sagen, heute brauche ich eher eine Schokolade. Dann schlaf lieber an diesem Tag aus, gönn dir etwas Gutes für die Seele und steig am nächsten Morgen topfit wieder ein. Das ist besser, als sich mit halber Kraft zu quälen. Dabei entstehen dann leicht Verletzungen.

Woher weiß ich als Anfänger, dass ich die Übungen richtig mache, wenn mich zu Hause niemand korrigiert?

Ich nehme mir in meinen Kursen sehr viel Zeit, um die Technik zu erklären. Es sind ja Teilnehmer dabei vom Profi bis zu jemandem, der mit einem Herabschauenden Hund überhaupt nichts anfangen kann. Ich rate jedem, der jetzt erst mit Sport anfängt, sich vorher die Grundbewegungen anzugucken. Dazu gibt es sehr viel Material online. Danach ist man gewappnet für Online-Kurse. Als Trainer können wir nur die Hälfte der Verantwortung tragen. Wenn jemand auf dem Parkettboden auf Socken turnt, ist das leichtsinnig. Und natürlich hat man einen anderen Radius in der Wohnung, den man beachten muss. Hier steht die Lampe, da läuft die Katze und dann kommt auch noch das Kind vorbei. Ich hatte neulich eine Teilnehmerin, die hat kurzerhand ihr Baby als Gewicht auf den Arm genommen. Man kann sehr kreativ werden. Und es zwingt die Menschen in die Eigenverantwortung. Man kann zum Beispiel auch gut vor dem Spiegel trainieren, um sich selbst zu kontrollieren.

Man sagt, Ernährung ist beim Sport die halbe Miete. Vielen Menschen fällt es gerade schwer, nicht den Versuchungen des eigenen Kühlschranks zu erliegen.

Ich habe neulich gelesen, dass Pandabären 12 Stunden am Tag essen. Also genau wie wir in der Quarantänezeit. Und deshalb heißt es Pandemie (lacht). Daran denke ich jetzt immer, wenn ich meinen Kühlschrank aufmache. Ich bin ein sehr instinktiver Esser. Ich liebe es zu essen und könnte das den ganzen Tag machen. Ich esse allerdings sehr langsam. Meine Freunde treibt das in den Wahnsinn, aber es sorgt dafür, dass ich nicht zu viel esse. Ich habe in meinen zwei Wochen Quarantäne Intervallfasten ausprobiert und das hat sehr gut funktioniert. Ich denke aber, wenn wir auf unseren Körper hören, sagt er uns ziemlich genau, was er braucht. Wenn ich viel Sport mache und zu wenig esse, ist plötzlich mein Hintern weg. Dann kam Ostern mit viel Essen und alles war wieder im Gleichgewicht. Ich bin kein Freund von Verzicht, sondern von bewusstem Essen. Wenn ich die Pommes esse und dabei an Cellulitis denke, dann haben sie genau diese Qualität. Worte sind Schwingungen. Wenn ich sie esse und denke, das ist jetzt die beste Sünde dieser Woche, ich feiere das, weil es mich glücklich macht, dann sieht das ganz anders aus.

Kochen Sie?

Ja, ich koche sehr gerne. Mit Jasmin Wagner habe ich neulich via Facetime zusammen ein Bananenbrot gebacken. Sie kann super gut backen, ich kann es überhaupt nicht. Beim Kochen kann man immer wieder rumprobieren, das liegt mir mehr. Backen ist Alchemie. Da kann man nicht schnell den Ofen aufmachen und noch eine Prise Backpulver reinschmeißen.

Worauf freuen Sie sich am meisten in der Zeit nach Corona?

Ich freue mich auf die Menschen. Wir brauchen nicht alle einen perfekten Hintern in der Quarantäne, meine Motivation für meine Online-Kurse ist viel mehr, den Menschen etwas zu geben, das sie glücklich macht. Und wenn das Tanzen ist, Kochen, nackt putzen oder Gartenarbeit, dann ist das genau so okay. Wir brauchen gerade Freude da draußen. Für mich ist Sport ein Transformator, danach fühle ich mich immer besser und kann sogar noch eine Schokolade essen.

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