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„Ich war immer komplett – mit oder ohne Mann!“

Die 39-Jährige hat sich gerade mit ihrem Freund verlobt, ist nun zurück in Berlin - und spielt in einer ARD-Reihe.

Wolke Hegenbarth (39) spielt in der ARD-Serie „Toni, männlich, Hebamme“ die Luise. Ihre Schwangerschaft wurde in die Rolle eingebaut.

Wolke Hegenbarth (39) spielt in der ARD-Serie „Toni, männlich, Hebamme“ die Luise. Ihre Schwangerschaft wurde in die Rolle eingebaut.

Foto: Rights Managed via www.imago-images.de / imago images/Mary Evans

Im vergangenen September wurde Wolke Hegenbarth Mutter eines Sohnes. Die Geburt von Avi hat nicht nur das Leben der Schauspielerin, sondern auch das ihrer Serienfigur Luise in der ARD-Reihe „Toni, männlich, Hebamme“ (17. April, | 20:15 Uhr) auf den Kopf gestellt. Nach einem Urlaub in Südafrika, in dem sich die 39-Jährige mit ihrem Freund Oliver verlobte, ist die Familie nun zurück in Berlin und stellt sich den Herausforderungen dieser außergewöhnlichen Zeit.

Wie geht es Ihnen in diesen Tagen?

Wolke Hegenbarth Gut. Wir sind gesund und munter aus unserem Südafrika-Urlaub zurückgekehrt und hier direkt in einer sehr besonderen Situation gelandet. Wir sind quasi mit dem letzten Schwung zurückgekommen. Seitdem sind wir zu Hause und gehen nur noch zum Einkaufen raus. Mit einem kleinen Kind fällt mir das aber recht leicht. Avi hält mich auf Trab, ich habe Home Entertainment von früh bis spät. Wir sind als Familie einfach noch ein bisschen näher zusammen gerückt.

Waren Sie denn sowieso noch im Einigel-Modus nach der Geburt oder merken Sie, dass Ihnen gerade Jobs wegfallen?

Doch, es wurden ein paar Projekte verschoben oder abgesagt. Ich hoffe natürlich, dass das später im Jahr nachgeholt wird. Für „Toni, männlich, Hebamme“ sind zum Beispiel Teil fünf und sechs in Planung, das wurde auf den Spätsommer verlegt. Aber für mich sind das gewonnene Monate mit Avi. Es ist also kein Problem, solange es überhaupt stattfindet. Ganz ohne Arbeit wird es für uns alle natürlich schwierig. Das ist niemandem zu wünschen.

Ist die Schwangerschaft von Luise in der Geschichte vorgesehen gewesen oder sind Sie schuld?

Nein, ich bin schuld (lacht). Es gab schon eine Struktur und die musste dann über den Haufen geworfen werden, aber die ARD hat da sehr positiv reagiert. Es war ja nun auch nicht zu ändern. Also wurde der Kinderwunsch eingebaut. Und es ist natürlich auch schön, eine echte Schwangere vor der Kamera zeigen zu können. Sonst haben wir immer Probleme mit den falschen Bäuchen, die irgendwie ein bisschen unecht aussehen. Ich double mich quasi selbst.

Ihre Schwangerschaft war so unkompliziert, dass Sie drehen konnten?

Ja, glücklicherweise. Ich habe bis zum Mutterschutz gearbeitet. Bis sechs Wochen vor der Geburt. Wir hatten dann in der 36. Schwangerschaftswoche sogar noch einen Nachdrehtag. Die Kollegen haben schon gescherzt, ob es vielleicht ein Münchner wird.

Ist ein Dreh, in dem es die ganze Zeit um Geburten, Babys und Mütter geht emotionaler, wenn man so viele Hormone im Körper hat?

Hm, eigentlich nicht. Ich hatte aber auch nicht das Gefühl, dass ich in der Schwangerschaft eine extreme hormonelle Umstellung hatte. Das kommt eher jetzt. Bei emotionalen Themen muss ich jetzt ständig weinen. Die klassische Weichwerdung der Frau in diesem Prozess, das merke ich schon.

Hat sich Ihr Blick auf die Figuren der Serie geändert, seitdem Sie ein Kind zur Welt gebracht werden? Gerade Hebammen beklagen ja häufig, dass ihrem Beruf zu wenig Wertschätzung entgegengebracht wird.

Ich denke nicht. Ich finde, wir haben das auch vorher schon sehr gut dargestellt. Ich habe mich bei meiner Geburt glücklicherweise nicht gesehen, aber ich gehe davon aus, dass es so ähnlich aussah. Es fühlte sich jedenfalls so an, wie es im Film aussieht. Ich finde, Hebamme ist ein wunderbarer und wichtiger Beruf. Ich bin sehr froh, dass ich eine Hebamme hatte, ich hatte vorher nicht weniger Respekt. Wir können mit unserer Reihe vielleicht nicht die Welt verändert, aber es ist doch schön, wenn man auf diese Weise ein bisschen Aufmerksamkeit erzeugt und Themen anspricht.

So wie älteren oder konservativeren Zuschauern die Verwunderung für Männer in vermeintlichen Frauenberufen zu nehmen?

Genau. Ich weiß nicht, wie viel Einfluss wir da haben. Aber dass das Format so gut angenommen wurde, finde ich schon ein gutes Zeichen. Das war vorher nicht unbedingt abzusehen. So modern ist die Republik dann doch. Ich glaube, wenn die Unterhaltung stimmt, kann man relativ viele Geschichten erzählen, die auch ein bisschen ungewöhnlicher sind. Und mein Kollege Leo Reisinger ist einfach ein wahnsinnig netter Typ. Auch in echt. Ich denke, das kommt auch rüber, dass die Chemie zwischen uns stimmt. Auch dass die Frau hier mal der Chef ist, sollte eigentlich völlig normal sein. Ist es aber leider nicht.

Hätten Sie sich denn einen Mann als Hebamme vorstellen können?

Ja. Ich glaube, dass es in diesem Moment relativ egal ist, wer einen begleitet. Hauptsache, der- oder diejenige weiß, was er tut oder wie er die Frau unterstützen kann.

Luise denkt im ersten Film über eine künstliche Befruchtung nach. Wie sah es in Ihrer Singlezeit mit Ihrem Kinderwunsch aus? Wäre das eine Option gewesen?

Nein, das war für mich immer eine Familiensache und mit dem für mich passenden Partner denkbar. Hätte ich den nicht gefunden und wäre darüber 45 geworden, dann wäre das eben so gewesen. Ich kann beiden Lebensideen etwas abgewinnen. Ich verstehe Menschen, die sich bewusst gegen Kinder entscheiden, ich finde das null verwerflich. Aber ganz offensichtlich kann ich auch Menschen verstehen, die sich ein Kind wünschen.

Wie ist es mit Online-Dating?

Aufgrund meines Jobs konnte ich mir das nicht vorstellen. Aber im Prinzip, warum nicht? Wo lernt man schon noch jemanden in der Eckkneipe kennen? Ich kenne auch viele glückliche Online-Paare. Schwer zu sagen, ob ich selbst an den Punkt gekommen wäre. Ich habe die Zeit, die ich allein war, sehr genossen. Ich habe darunter nicht gelitten. Ich war immer komplett – mit oder ohne Mann!

Ärgert es Sie in diesem Zusammenhang, wenn über Ihre Verlobung berichtet wird „Endlich hat er ihr einen Antrag gemacht“?

Ja, natürlich. Gleich am Anfang, als ich Oliver zum ersten Mal in der Öffentlichkeit vorgestellt habe, gab es Berichte, in denen stand „Endlich hat sie einen neuen Freund“. Ich war also als Frau vorher nicht vollständig? Es ärgert mich, wenn suggeriert wird, man sei als Frau nicht komplett, wenn der Mann „fehlt“. Ich bin auch schon gefragt worden, mit welchen Gerichten ich meinen Mann am liebsten überrasche. Solche Themen werden leider in Interviews immer noch viel abgefragt. Jetzt wo bei mir mit Mann und Kind „alles stimmt“, gibt es bei einigen ein großes „Juhu“. Aber ganz ehrlich: Mein Leben war auch schon vorher „juhu“

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