Das Traumschiff

Jutta Speidel sorgt sich um Zukunft ihres Hilfsvereins

Jutta Speidel fährt am Ostersonntag mit dem „Traumschiff“ nach Marokko. Privat reist die Schauspielerin lieber allein.

Schauspielerin Jutta Speidel verbringt ihre Urlaube am liebsten auf einer einsamen Insel.

Schauspielerin Jutta Speidel verbringt ihre Urlaube am liebsten auf einer einsamen Insel.

Foto: Dirk Schiff

München.  Als Schauspieler arbeitet es sich schlecht im Homeoffice. Dreharbeiten sind derzeit größtenteils unterbrochen, Theaterbühnen geschlossen. Neben ausbleibenden Filmangeboten hat Jutta Speidel in der anhaltenden Corona-Krise aber eine noch viel dringlichere Sorge. 1997 gründete die 66-Jährige in München die Organisation „Horizont e.V.“, die sich der Aufnahme und Betreuung von Müttern ohne festen Wohnsitz gemeinsam mit ihren Kindern sowie von sozial benachteiligten Familien widmet. Zu dem Verein gehören unter anderem geschützter Wohnraum, psychologische und pädagogische Betreuung, ein Café und eine Werkstatt.

2005 erhielt Speidel für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz, derzeit fürchtet sie um den Fortbestand ihres Lebenswerks. „Wir haben über 40 Angestellte und jetzt sind unsere Kita, die Werkstätten, das Restaurant und die Kulturbühne geschlossen. Wir sind auf Spenden angewiesen. Da können Sie sich vorstellen, dass die gerade verschwindend gering sind, weil die Menschen andere Sachen im Kopf haben“, sagt die Schauspielerin. „Ich muss ein Unternehmen weiter am Laufen halten, das ist der Wahnsinn. Es ist wirklich schlimm, wir haben große Sorgen.“ Zudem sehe sie im Zuge der Epidemie eine Welle von Armut und erneuter Obdachlosigkeit auf die Gesellschaft zukommen.

Kraft schöpft Jutta Speidel aus ihren Reserven. Gerade erst ist sie von einer Auszeit in Australien und Neuseeland zurückgekehrt. „Irgendwie ist das im Rückblick schicksalhaft. Das waren zwei fantastische Monate, in denen Corona noch ganz weit weg war“, sagt sie. Aber noch eine weitere Reise hat Speidel für die Zeit der Entbehrung in guter Erinnerung. Für den ZDF-Dauerbrenner „Das Traumschiff“ (aktuell in der Mediathek) fuhr sie mit ihren Kollegen Florian Silbereisen und Wolfgang Fierek nach Marokko. Die Schauspielerin genoss die Zeit an Bord und Ausflüge in die Wüste. Privat käme ihr eine Kreuzfahrt allerdings nicht in den Sinn. „Ein Albtraum“, sagt Speidel über diese Form des Reisens.

„Ich hätte da heute auch ein schlechtes Gewissen. Ich versuche, privat sehr umweltbewusst zu leben. Das ist auch ein Grund, warum ich nie auf eine Kreuzfahrt gehen würde.“ Aber auch sonst ist Jutta Speidel auf Reisen eher der Social-Distancing-Typ. Nur einmal in ihrem Leben hat sie einen Cluburlaub gemacht, als ihre Kinder noch klein waren. „Ich kann so Massenveranstaltungen normalerweise gar nicht gut vertragen. Ich bin ja wie ein bunter Hund, ich werde dann ständig angesprochen, das ist nicht so lustig“, sagt sie. „Ich bin am liebsten auf einer einsamen Insel oder einer Berghütte.

Mitträumen mit dem „Traumschiff“

Um ihren Job jedenfalls sorgt sich Jutta Speidel derzeit nicht. Sie habe eine lange, erfolgreiche Karriere gehabt, aktuell stehe ihr Verein im Fokus, sagt sie. Die gebürtige Münchnerin wurde in den 70er-Jahren mit der Serie „Die Lümmel von der ersten Bank“ bekannt und gehörte seitdem zur Stammbesetzung der deutschen TV-Landschaft. Nur ein paar mehr Rollen außerhalb ihrer Unterhaltungsschublade hätte sie sich über die Jahre gewünscht, so Speidel.

Immerhin könne sie mit Engagements wie dem auf dem „Traumschiff“ aber für ein wenig Zerstreuung bei den Zuschauern sorgen, bis eigene Reisen wieder möglich sind. „Die können dann trotzdem ein bisschen mitträumen. Und die Geschichten gehen alle ans Herz.“

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