„Bibi & Tina“

Franziska Weisz: „In die Politik kann ich immer noch gehen“

Die Berliner Schauspielerin Franziska Weisz engagiert sich für den Umweltschutz. Sogar mit ihrer neuen Amazon-Serie „Bibi & Tina“.

Die Berliner Schauspielerin Franziska Weisz spielt in der neuen Amazon-Serie „Bibi & Tina“ die Rolle der Frau Martin.

Die Berliner Schauspielerin Franziska Weisz spielt in der neuen Amazon-Serie „Bibi & Tina“ die Rolle der Frau Martin.

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Drei Jahre nach dem letzten Kinofilm sind Bibi und Tina auf Amadeus und Sabrina auch jenseits des Hörspieluniversums zurück. Mit neuer Besetzung startet am 3. April auf Amazon Prime Video eine zehnteilige Serie über die Abenteuer der Pferdefreundinnen – bis zum 5. April sogar kostenlos für Amazon-Kunden. Franziska Weisz, Wahlberlinerin und „Tatort“-Kommissarin in Norddeutschland, hat die Rolle der Frau Martin übernommen. Welche Vorbilder sie in der Kindheit hatte und was die neue Serie mit ihren Lebensthemen Umweltschutz und Geschlechtergleichheit zu tun hat, erzählt die 39-Jährige im Interview.

Hatten Sie vor den Dreharbeiten einen Bezug zu „Bibi und Tina“. Waren die beiden Teil Ihrer Kindheit?

Franziska Weisz Nein, überhaupt nicht. Ich war eher ein Jungs-Mädchen. Wenn ich Hörspiele gehört habe, dann mit meinem Cousin „Benjamin Blümchen“. Meine Freundinnen heute sagen alle, sie seien mit „Bibi Blocksberg“ aufgewachsen, an mir ging das vorüber. Dafür war ich ein Pony-Mädchen. Das „Wendy“-Heft habe ich geliebt. Ich habe mir die Filme auch erst angeguckt, nachdem ich zum Casting für die Serie eingeladen wurde. Ich war total positiv überrascht. Und ich fand es schön, einmal etwas für Kinder zu drehen, weil ich so viele in meinem Umfeld habe. Die dürfen meine Sachen ja sonst nicht sehen.

Ist die Serie trotzdem auch für Erwachsene unterhaltsam? Viele Fans der ersten Stunde sind ja bis heute dabei geblieben.

Ich finde, der Humor ist überraschend frech. Ich würde mich gar nicht trauen, einem Kind manche der Witze zuzumuten. Das ist schon fortgeschritten. Die Regisseure Detlev Buck und David Gruschka sind einfach sehr klug und belesen und haben dazu noch eine politische Meinung, zu der sie stehen. Daraus entsteht ein sehr guter Humor.

In meiner Kindheitserinnerung ist „Bibi und Tina“ komplett unpolitisch. Das ist jetzt anders. Es geht zum Beispiel um Themen wie Tier- und Umweltschutz.

Weil solche Themen ihren Weg in die Jugendkultur gefunden haben. Als ich aufgewachsen bin, gab es zwar kein „Fridays for Future“, aber auch wir haben im Kindergarten gelernt, wie man Müll trennt. „Umweltverschmutzer“ war für uns ein Schimpfwort. Ich denke, so ist das mit der heutigen Generation auch. Die wissen, wie viel CO2 ein bestimmtes Nahrungsmittel verbraucht. Die Kinder, die heute heranwachsen, haben eine extrem geschärfte Wahrnehmung, deshalb ist es für die gar nicht komisch, wenn es bei „Bibi und Tina“ darum geht, dass das Wasser knapp ist. Und es bleibt trotzdem spielerisch. Detlev Buck wohnt auf dem Land, deshalb hat er dafür einen besonderen Blick. Wenn man in der Stadt wohnt, verliert man ein wenig den Bezug dazu, was die Natur für einen Einfluss auf unser Leben hat. Dass es manche Obst- und Gemüsesorten eben eigentlich nicht das ganze Jahr über gibt. Oder manchmal auch gar nicht, weil die Ernte schlecht war.

Auch in Sachen Geschlechterrollen geht die Serie mit der Zeit. Über Graf von Falkenstein, der in dieser Hinsicht etwas spießig ist, wird sich vor allem lustig gemacht.

Ich finde das wunderbar. Wir haben doch alles richtig gemacht, wenn heute ein kleiner Junge fragt, ob eigentlich auch ein Mann Kanzlerin werden kann. Wenn wir gar nicht erst mit solchen Geschlechterrollen aufwachsen, müssen wir sie auch nicht abstreifen. Die Medien haben da eine große Verantwortung. Es gibt die Dokumentation „This changes everything“ von Geena Davis über Frauen in der Filmbranche. Sie hat sich Kinderfilme angeschaut und festgestellt, dass es kaum starke weibliche Vorbilder gibt. Zum Beispiel „Findet Nemo“. Da gibt es ein Mädchen und das ist die durchgeknallte Dorie. Schon in der Kinderunterhaltung wird vermittelt: Mädchen sind irgendwie emotional, dusselig und reden zu viel. Nach #metoo haben wir gedacht, jetzt ändert sich alles. Aber natürlich dauert das alles viel länger. Geschlechterklischees werden erst in der allerjüngsten Vergangenheit in Filmen aufgebrochen. Die Chance liegt darin, das unprätentiös aufzubrechen. Unsere Serie heißt „Bibi und Tina“. Alle anderen sind Nebenfiguren. Deshalb haben wir in dieser Hinsicht eine ziemlich gute Startposition. Mädchen sollen doch selber herausfinden, wie sie sind. Und vielleicht stellen sie dann fest, sie sind ein sturer Bock und essen gern viel. Wenn sie im Fernsehen genau solche Mädchen sehen, dann haben sie viel weniger das Gefühl, nicht richtig zu sein.

Klingt, als wäre Ihnen das Thema wichtig.

Ja, immer mehr. Ich habe an der Uni auch Feminist Film Studies studiert. Neben Entwicklungs- und Umweltpolitik. Das sind meine beiden großen Themen. Damals war „Thelma & Louise“ allerdings noch einer der wenigen Filme, in dem man den Mann durch die Perspektive der Frau sah. Das zu verstehen, fand ich faszinierend. Wenn ich mir angucke, was unsere Mütter und Großmütter für Frauen erkämpft haben, finde ich allerdings, dass wir uns in einer halb komfortablen Realität eingerichtet haben. Wir konnten zwar studieren, aber verdienen wir dann genau so viel wie die Männer? Wir hatten es uns sehr gemütlich gemacht, bis dann eine Bombe geplatzt ist. „Schneewittchen-Fieber: Warum der Feminismus auf die Schnauze gefallen ist und uns das Retro-Weibchen beschert hat“ von Angelika Hager ist ein Buch, das ich dazu empfehlen kann. Vor zehn Jahren gab es plötzlich eine gesellschaftliche Strömung, wo Frauen ein bisschen Kunstgeschichte studierten, dann aber den Mann das Geld verdienen ließen und sich zum Stricken verabredeten. Das hat sich durch die #metoo-Bewegung glücklicherweise wieder geändert.

Welche Vorbilder hatten Sie denn als Kind?

Jerry Lewis und Peter Sellers waren meine Lieblinge. Ihre Filme habe ich nachmittags aus dem Fernsehen aufgenommen. Und von meinem Bruder, der acht Jahre älter ist, habe ich die Liebe zu Otto Waalkes übernommen. Wenn er weg war, habe ich heimlich seine Platten gehört und konnte alles auswendig. Während meiner Pubertät war die Zeit der Supermodels und die fand ich alle großartig. Rückblickend natürlich ein schwieriges Vorbild. Aber diese Frauen existierten für mich nur auf Fotos, es gab damals ja keine Insta-Storys oder Selfies. Meine beste Freundin und ich haben vielleicht mal einen Film von uns in merkwürdigen Posen verschossen, um so auszusehen wie Claudia Schiffer und Cindy Crawford.

Interessant aber, dass die Vorbilder mit etwas mehr Substanz dann doch alle Männer waren.

Die fand ich einfach am lustigsten. Ich kann mich auch nur an Doris Day als lustige Frau erinnern. Aber die fand ich leider unglaublich bieder. Und ich war eher der Pausenclown. Ich habe mit dem Lockenstab meiner Mutter in der Hand Nana Mouskouri nachgemacht. Mir war es egal, wie ich dabei aussehe. Ich habe mich gern zum Idioten gemacht. Ich wurde schon im Kindergarten für das Benutzen von Schimpfworten vor die Tür gesetzt, weil ich zu viel zu laut schlechte Witze erzählt habe. Es gab kein weibliches Vorbild, das dazu gepasst hätte. Aber ich kann bis heute alle Geräusche und Bewegungen von Jerry Lewis und Otto Waalkes nachmachen.

In einem früheren Interview mit Ihnen habe ich gelesen, dass Sie anfangs sehr unsicher waren, was Ihren Beruf als Schauspielerin angeht. Dass Sie Angst hatten, man nimmt Sie nicht ernst, im Vergleich zu einer Karriere mit Ihren Studienfächern International Relations and Media und Development and Environment. Hat sich das mittlerweile gelegt oder werden solche Gedanken angesichts der allgegenwärtigen Klimaschutzdebatte stärker?

Solche Gedanken habe ich ständig. Ich finde Social Media in dieser Hinsicht super. Ich lasse keine Gelegenheit aus, dort meine Meinung zu sagen. Ich laufe auch häufig bei Naturschutz- und Klimademos mit. Ich engagiere mich in diesem Bereich nach wie vor. Als sich nach dem Studium die Möglichkeit geboten hat, als Schauspielerin zu arbeiten, habe ich gedacht, das muss ich nutzen. In die Politik kann ich ja immer noch gehen. Ich finde, jeder Mensch, der in der Öffentlichkeit steht und eine Stimme hat, muss sie nutzen. Für mich ist es das Schönste zu sehen, wenn Menschen, die sich sonst nicht für Umweltschutz interessieren, durch Unterhaltung wie „Bibi und Tina“ damit in Berührung kommen. Ich fand zum Beispiel Leonardo DiCaprio als Typ immer viel zu schleimig, aber nachdem alle Girls wegen ihm in „Blood Diamond“ gerannt sind, wussten sie danach immerhin, was Blutdiamanten sind. Heute ist er dank seines Engagements für den Umweltschutz mein Held und auch als Typ finde ich ihn mittlerweile super.

Sie können sich vorstellen, in die Politik zu gehen?

Na ja, mal schauen. Ich bin ja gerade erst mitten im Leben. Und Arnold Schwarzenegger hat es schließlich vorgemacht. Ich sehe mich nicht unbedingt in nationalen politischen Parteien, sondern eher in globalen oder regionalen Organisationen. Aber vorerst engagiere ich mich im Rahmen meines Berufs als Schauspielerin. Und ich lebe und handle nach meinen Überzeugungen. Ich achte im Alltag auf Nachhaltigkeit und bin beispielsweise seit 25 Jahren Vegetarierin. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sehr sich Menschen angegriffen fühlen, wenn man das verbalisiert. Aber ich käme mir vor, als würde ich all das verleugnen, was ich gelernt habe, wenn ich das nicht machen würde. Und wenn ich deshalb Follower verliere, dann sind es eben die falschen Follower.

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