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Für Sarah Kuttner passt "Extra 3" genau

Sarah Kuttner wird nach Jahren der Fernseh-Abstinenz zusätzliche Moderatorin in der Satiresendung „Extra 3“.

Sarah Kuttner moderiert im NDR die Satireshow „Extra 3“ abwechselnd mit Christian Ehring moderieren.

Sarah Kuttner moderiert im NDR die Satireshow „Extra 3“ abwechselnd mit Christian Ehring moderieren.

Foto: dpa

Hamburg. Fast glaubte man, Sarah Kuttner sei dem Fernsehen abhandengekommen. Vier Romane hat die Berlinerin seit 2009 veröffentlicht, darunter das später verfilmte „Mängelexemplar“ und ihr im vergangenen Jahr erschienenes Buch „Kurt“, das ebenfalls in die Kinos kommen wird. In ihrem ursprünglichen Job sah man die durch die Musiksender Viva und MTV bekannt gewordene Moderatorin zuletzt nur noch selten. Das ändert sich nun: Vom heutigen Mittwoch an wird die 41-Jährige im NDR Fernsehen (22.50 Uhr) erstmals durch die Satireshow „Extra 3“ führen.

Kuttner tritt künftig immer dann auf, wenn Hauptmoderator Christian Ehring in der gleichen Woche mit einer eigenen Ausgabe von „Extra 3“ im Ersten auf Sendung ist. Dort läuft die Show am Donnerstagabend. 18 zusätzliche Ausgaben sollen dieses Jahr mit seiner Vertreterin entstehen. „Ich habe jahrelang eine Sendung nach der nächsten gemacht, aber irgendwann langweilt einen das ein bisschen“, so Kuttner über ihre zwischenzeitliche Bildschirm-Abwesenheit. „Ich weiß genau, was ich will und was ich nicht will. Damit hat man’s nicht so irre leicht im Fernsehen. Eckigkeit wird so dringend gar nicht benötigt, zumindest nicht, was das Große, Kommerzielle angeht. Und außerhalb dessen, also innerhalb dieser Eckigkeit, habe ich etliche Sachen gemacht.“

Die 41-Jährige ist Fan von Trash- und Realityshows

Sarah Kuttner wurde 1979 in Friedrichshain als Tochter des Radiomoderators Jürgen Kuttner geboren. Nach ihrem Abitur am John-Lennon-Gymnasium in Mitte sammelte sie erste journalistische Erfahrung bei einem Praktikum im Londoner Büro des „Spiegel“ und arbeitete, zurück in Berlin, für den Radiosender Fritz. Ab 2001 moderierte sie bei Viva, später bei MTV, Radio Eins, Sat.1 Comedy, der ARD und bis 2016 auf ZDFneo das Talkshow-Format „Kuttner plus Zwei“. Mit dem Journalisten Stefan Niggemeier präsentiert sie seit drei Jahren den Medien-Podcast „Das kleine Fernsehballett“, in dem sich die beiden ausgiebig über ihre Lieblingssendungen austauschen. Kuttner selbst ist bekennender Fan von Trash- und Realityshows. „Je schlimmer, desto besser!“, sagt sie. „Ich mag ‚Der Bachelor‘, ‚Bachelor in Paradise‘, ‚Love Island‘, ‚Paradise Hotel‘. Ich mag ‚Germany’s next Topmodel‘, das ‚Dschungelcamp‘, ‚Big Brother‘, ‚Promi Big Brother‘. Das ist mein Yoga, ohne Scheiß!“

Für ihre neue Aufgabe bei „Extra 3“ musste Sarah Kuttner trotz ihrer jahrelangen Erfahrung ein Casting absolvieren. „Ich dachte erst: ‚Hey, ihr wisst doch, was ich im Fernsehen mache. Guckt euch das doch gefälligst an und nehmt mich einfach so!‘“, sagt sie. „Aber dann sagte ich mir: ‚Nee, das macht totalen Sinn, zum Casting zu gehen. Die wollen wissen, wie sieht die kleine Frau vor der grünen Kulisse aus. Kann die das tatsächlich noch? Vielleicht kriegt die den Mund gar nicht mehr auf!‘“ Aufgeregt sei sie gewesen. Aber letztendlich habe es sich „wie zu Hause“ angefühlt. Respekt habe sie vor der traditionsreichen Sendung, die es seit 1976 – damals noch moderiert von Dieter Kronzucker – gibt, nicht jedoch vor der Aufgabe: „Ich nehme ja niemandem etwas weg, ich biete einfach etwas anderes an. Wir haben die Sendung auch ein bisschen spitzer gemacht. Das ist nicht einfach Christian Ehrings Sendung, die ich übernehme, sondern es ist eine spezielle Variante von ‚Extra 3‘, die sich unterscheidet.“

Während die von Ehring moderierte Satire auch politisch ist, fokussiert die Show seiner neuen Kollegin sich auf Absurditäten des Alltags. Die beliebte Rubrik „Der reale Irrsinn“ wird bei „Extra 3“ mit Sarah Kuttner eine ebenso große Rolle spielen wie der Blick auf den gesellschaftlichen Irrsinn rund um Handy oder Ernährung. „Das passt wie Arsch auf Eimer, denn mit Irrsinn und Alltag kenne ich mich aus“, sagt sie. „Mir passiert ständig etwas. Mir fallen im Alltag viele kleine absurde Dinge auf. Ich bin ein sehr guter Analyse-Heini.“

In der ersten Sendung geht es unter anderem um Polizisten in Bayern, denen ihre Uniformen zu klein sind, und um den Hype um die E-Zigaretten. „Ich rauche selber E-Zigarette, aber ich verstehe schon, dass man als Außenstehender denkt: Was soll das eigentlich? Ist das überhaupt gesünder? Ist das gut für Jugendliche? Kleine Spoiler-Warnung: Ist es nicht“, so Kuttner.

In jeder Sendung soll es außerdem einen Gast geben, der von seinem ganz persönlichen Irrsinn berichtet. Das können Prominente, Wissenschaftler oder der Mensch von nebenan sein. „Am Mittwoch haben wir Wolfgang Trepper dabei und reden mit ihm über Shitstorms und wie das für einen Kabarettisten ist, wenn er die ganze Zeit austeilt“, so Kuttner. Sie selbst fürchte keinen Shitstorm. „Ich glaube, dass die so ein bisschen an Gefahr verloren haben.“

Ihren ganz intimen Irrsinn lässt Sarah Kuttner dann aber doch lieber zu Hause. Anders als ihre Trash-Idole würde sie selbst niemals an einer Realityshow teilnehmen. „Die Leute sollen auf keinen Fall wissen, wie ich wirklich bin“, sagt sie. „Ich finde mich selber oft so furchtbar, und das bin ich nicht, das weiß ich. Ich bin aber zu eitel dazu. Ich will auf keinen Fall, dass Leute zusehen, wie ich die Nerven verliere, weil mir alle um mich herum auf den Sack gehen. Da kann ich nur verlieren.“

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